DigitalisierungWas die Blockchain für den Diamantenhandel bedeutet

Eine Pinzette mit einem Diamanten
Bisher ist die Herkunft von Diamanten nur schwer zu ermittelnGetty Images

Diamanten gelten als das Luxusgut schlechthin. Doch wo viel Geld im Spiel ist, gerät man schnell an Betrüger, die sogenannte Blutdiamanten oder Fälschungen verkaufen. Mit dem Verkauf von Blutdiamanten wurden in der Vergangenheit blutige Konflikte in afrikanischen Ländern wie Angola und Sierra Leone finanziert.

Die Diamantenindustrie hat sich verpflichtet, den Handel mit solchen Steinen zu unterbinden. Doch ein Herkunftsnachweis für Diamanten ist sehr schwierig und Zertifikate auf Papier können gefälscht werden. Hier setzt nun die Blockchain-Technologie an: Mit ihrer Hilfe soll eine fälschungssichere Identifikation der Diamanten möglich sein.

Die Blockchain ist ein digitales Transaktionsbuch, das öffentlich einsehbar, auf alle Rechner eines Netzwerks verteilt und damit quasi fälschungssicher ist. Der Technologie wird eine große Zukunft vorhergesagt. „God bless the Blockchain“, sagte etwa Jamie Dimon, Chef der US-Großbank JP Morgan. Doch bisher war die Technologie vor allem ein großes Versprechen. Das Diamanten-Beispiel zeigt jetzt, wie die Blockchain in der Praxis funktionieren kann.

Diverse Anwendungsmöglichkeiten

Das Londoner Start-up Everledger hat bereits mehr als 1,6 Millionen Diamanten auf einer Blockchain registriert. „Wir kreieren einen digitalen Abdruck des Objekts auf der Blockchain“, sagte Everledger-CEO Leanne Kemp dem US-Wirtschaftsmagazin „Fortune“. Auf diesem „Fingerabdruck“ werden Informationen unter anderem über Farbe, Karat und Zertifikatsnummer gespeichert.

Händler, Juweliere aber auch Versicherer können damit Herkunft und Echtheit eines Steins überprüfen. Mit Computer-Scan-Tools erhalten sie laut Kemp Zugang zu einem „digitalen Tresor“, wo sie die Daten über einen Diamanten einsehen und die Lieferkette nachvollziehen können.

Everledger konzentriert sich im ersten Schritt auf die Industrie. Doch die Technologie soll auch dem Endkunden zur Verfügung gestellt werden. Ein Interessent kann dann auf seinem Smartphone schauen, wo der Diamant herkommt, den er sich kaufen will.

Das System könnte sich auf für andere Luxusgüter eignen, teuren Wein beispielsweise. Im größeren Maßstab ist aber auch denkbar, die Herkunft und Lieferwege von Fleisch und anderen Lebensmitteln mit Hilfe der Blockchain transparent zu machen. Everledger denkt auch darüber nach, Kunstwerke mit einem digitalen Fingerabdruck zu versehen, der sie fälschungssicher macht.