Kryptowährung Was Sie über die Bitcoin-Auktionen in NRW wissen müssen

Die NRW-Justiz versteigert seit Kurzem beschlagnahmte Bitcoin.
Die NRW-Justiz versteigert seit Kurzem beschlagnahmte Bitcoin.
© NurPhoto / IMAGO
In Nordrhein-Westfalen versteigert die Justiz neuerdings beschlagnahmte Bitcoins. Bei der ersten Auktion war das Interesse groß – und trieb den Preis weit über den Marktpreis nach oben. Wer ist bereit für einen Bitcoin so viel zu bezahlen?

Woher kommen die Bitcoins?

Die Bitcoins, die in NRW zur Versteigerung standen, stammen zum Großteil aus dem Drogenhandel im Darknet. Die NRW-Justiz hat die Bitcoins bei Kriminellen gefunden und sichergestellt. Insgesamt geht es in den Auktionen um 215 Bitcoins. Die NRW-Justiz besitzt auch andere Kryptowährungen wie Litecoin, Ethereum oder Ripple.

Warum werden die Bitcoins überhaupt versteigert?

Eigentlich, so könnte man meinen, könnte die NRW-Justiz die Bitcoins auch einfach an der Börse in Euro umtauschen. Ganz so einfach ist das aber nicht. Aus juristischen Gründen müssen die Bitcoins versteigert werden, wie andere beschlagnahmte Wertgegenstände auch. Das sollen auch mehrere Gutachten bestätigt haben. Die Erlöse der Auktion fließen in die NRW-Landeskasse.

Wie lief die erste Auktion ab?

Die NRW-Justiz betreibt das bisher einzige Online-Portal für genau solche Auktionen. Interessenten konnten sich also anmelden und online mitbieten, die Auktion wurde live übertragen. Das Startgebot soll für alle Auktionen zwischen 80 und 95 Prozent des aktuellen Bitcoin-Kurses liegen. Die Auktion wurde im Grunde behandelt wie jede andere auch, die digitale Währung wurde sogar extra ins Analoge übertragen: Die digitalen Schlüssel, die den Zugang zu den Bitcoins erlauben, sind in versiegelten Umschlägen auf Papier gesichert – und können von den Höchstbietenden persönlich in NRW abgeholt werden.

Wie war die Resonanz?

Das Interesse war groß, entsprechend viele Neuanmeldungen gab es auf der Auktionsplattform. Am Mittwoch gingen Auktionen von insgesamt 16,5 Bitcoin zuende, die in unterschiedlich großen Tranchen versteigert wurden. Besonders auffällig: Die Preise lagen deutlich über dem Marktwert. Ein Bitcoin wurde für 57.010 Euro versteigert, der Marktwert lag am Mittwochnachmittag bei 50.900 Euro. Die Bieter waren also bereit, mehr zu bezahlen, als sie es regulär an der Kryptobörse tun würden.

Warum waren die Menschen bereit, weit mehr als den Marktpreis zu bezahlen?

Hier kommt die Besonderheit der Blockchain zum Tragen: Die Bitcoin-Transaktionen können für immer auf der Blockchain nachverfolgt werden. „Bitcoins, die aus einem besonderen Kriminalfall stammen und als solche kenntlich gemacht und versteigert werden, können also einen Sammlerwert haben, der dazu führt, dass sie zu höheren Preisen gehandelt werden als gewöhnliche Bitcoins“, sagt Ralph Bärligea, Berater bei BearingPoint. Die Logik dahinter sei keine andere als bei beispielsweise besonderen Euro-Münzen mit bestimmten seltenen Motiven oder anderen seltenen Gegenständen, erklärt er: „Hätte etwa das berühmte Verbrecher-Duo Bonnie und Clyde vor rund 100 Jahren bereits Bitcoins besessen, wären diese heute vermutlich Millionen wert.“ Wenn ein auf einer Blockchain verbuchter Gegenstand Einmaligkeitscharakter besitze, wie etwa bei einem digitalen Kunstwerk, spreche man von einem Non-Fungible-Token. „Dass auch fungible, also beliebig gegeneinander austauschbare Tokens in Form von Bitcoin, die eigentlich Wertaufbewahrungs- und Bezahlungsfunktion haben, je nach Fall zum Non-Fungible-Token und damit Sammlerstück werden können, hat der jüngste Versteigerungsfall der NRW-Justiz eindrucksvoll bewiesen“, sagt Bärligea. Eine Sprecherin der NRW-Justiz vermutete zudem, dass die Käufer bei einer solchen offiziellen Auktion sicher sind, dass sie die Ware auch tatsächlich bekommen. Auch Bärligea weist auf den Vorteil hin, dass die Bitcoins aus der NRW-Auktion „trotz krimineller Geschichte eindeutig belegbar aus legaler Herkunft stammen“.

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