InterviewWarum Union Investment auf Bitcoin als Anlageklasse setzt

Union Investment Hauptsitz in Frankfurt am Main IMAGO / STPP

Capital: Anfang 2021 hat die Union Investment damit begonnen, Bitcoin in einen Mischfonds aufzunehmen. Warum?

Michael Herzum. Foto: Union Investment

MICHAEL HERZUM: Weil wir finden, dass sich die Kryptowährung gut dazu eignen kann, ein Mischportfolio zu diversifizieren. Im Ergebnis kann der Kauf von Bitcoin stabilisierend auf das Gesamtpaket wirken.

Gäbe es da nicht auch andere Möglichkeiten?

Natürlich, aber eben immer weniger. Wir leben in einer Zeit, in der viele Anlageklassen sich relativ gleichförmig bewegen. Und Kryptowährungen sind eine der wenigen verbliebenen Anlagen, die prinzipiell nur gering mit dem Markt klassischer Anlagen korrelieren. Für uns waren daher die Diversifikationseigenschaften entscheidend dafür, Bitcoin in begrenztem Volumen in einem dafür geeigneten Fondsprodukt einzusetzen.

Wie sind denn Ihre ersten Erfahrungen damit?

Die Historie ist ja noch kurz. Die Branche beginnt insgesamt gerade erst damit, Kryptowährungen als Asset-Klasse zu nutzen. Die Erfahrungen haben uns aber gezeigt, dass es sich lohnen kann, das Angebot in einzelne ausgewählte Fonds aufzunehmen.

Woher kommt denn das gesteigerte Interesse der Anleger an Bitcoin?

Das hat viele verschiedenen Gründe. Die einen Anleger sind technologieaffin, für andere sind die Kursentwicklungen der vergangenen Monate interessant, für wieder andere spielen weltanschauliche Motive eine Rolle. Da sind die Neigungen doch sehr verschieden.

Die Bafin hat vor Kryptowährungen gewarnt, weil die Kurse sehr volatil sind.

Kursschwankungen gibt es auch bei anderen Anlageklassen, die sind nicht auf Krypto-Assets beschränkt. Diese Schwankungen innerhalb eines Multi-Asset-Portfolios zu kontrollieren und zu beherrschen, gehört zum Handwerkszeug eines guten Asset-Managers. Bei Union Investment gibt es daher einen disziplinierten Investmentprozess, inklusive eines entsprechenden Risikocontrollings. Diesen Prozess wenden wir auch bei unseren Zertifikate-Engagements in Bitcoin an. Grundsätzlich muss eine Anlage in Bitcoin auch zum jeweiligen Fondskonzept passen. Deshalb sind Bitcoin Investments nicht für alle Produkte geeignet.

Was Sie sagen, ist also, dass Bitcoin trotz der hohen Volatilität sinnvoll ist?

Ja, in bestimmten Produkten. Für Multi-Asset-Fonds gilt: Korrelation schlägt Volatilität. Entscheidend im Portfoliokontext sind die Korrelationseigenschaften zu anderen Anlagen, nicht die Volatilität der Assetklasse an sich. Denn: für Multi Asset-Produkte ist es wichtig, wie sich das Gesamtportfolio entwickelt, nicht die jeweilige Einzelposition. Als relativ unkorreliertes Asset ist Bitcoin daher für Fondsmanager interessant, da es ein Baustein für die Konstruktion eines robusten Portfolios sein kann.

Und die Anleger verstehen, was sie da kaufen?

Unsere Kunden erwerben kein Single Asset, sondern eine Anlagelösung. Das Wesen eines professionell verwalteten Multi Asset-Produktes ist es ja gerade, dass ich mich als Anleger nicht mit allen Einzelbausteinen beschäftigten muss. Stattdessen erwirbt man eine Komplettlösung für einen spezifischen Anlagebedarf. Die in dieser Lösung verbauten Einzelteile müssen natürlich dem definierten Anlageziel dienen, und darauf können sich unsere Kunden verlassen. Man muss kein Bitcoin-Spezialist sein, um in einen Multi-Asset-Fonds zu investieren.

Wird das eine der Anekdoten sein, die wir ausgraben, wenn die Bitcoin-Blase geplatzt ist?

Die hinter Kryptoassets stehende Blockchain-Technologie hat unserer Meinung nach das Potenzial, die Finanzindustrie zu verändern. Ob das tatsächlich geschieht und wenn ja wie genau, kann heute niemand mit Sicherheit sagen. Wir glauben, dass für unser begrenztes Engagement die Chancen für unsere Anleger die Risiken klar überwiegen.

Wo Sie gerade von Risiken sprechen: Die Blockchain-Technologie steht nicht im Ruf, besonders umweltverträglich zu sein – im Gegenteil. Wie passt das zur Nachhaltigkeitsstrategie der Union Investment?

Wir wenden einen umfassenden Nachhaltigkeitsbegriff an, der auf den Säulen Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung fußt. Unter diesen ESG genannten Faktoren ist der Bitcoin auf einem Feld kritisch zu sehen, nämlich dem Umweltgesichtspunkt. Der Bitcoin ist nicht nachhaltig, kann es aber werden. Wir schließen ihn deshalb für nachhaltige Fonds aus, bilden ihn in einem geeigneten Produkt jedoch ab.

Was muss denn geschehen, damit der Bitcoin nachhaltig wird?

Letztlich spiegelt der Bitcoin beziehungsweise die beim „Schürfen“ entstehende CO2-Belastung die derzeitige Produktionswelt auf dem Globus wider. Das gilt für andere Assets auch, zum Beispiel die Wertpapiere von Zementherstellern, Stahlbauern oder Streamingdiensten. Der Ansatz muss also sein, den für die Transformation der Weltwirtschaft benötigen „grünen Strom“ bereit zu stellen und nicht nur auf den Ausschluss bestimmter Branchen, Unternehmen oder Assets zu drängen. Dabei wollen wir unseren Beitrag als Asset Manager leisten, indem wir Staaten und Unternehmen bei ihren Anstrengungen begleiten und die nachhaltige Transformation mitfinanzieren.

 


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