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Daniel Saurenz Trotz „Merge“: Bitcoin und Ethereum kommen nicht von der Stelle

Die Kryptowährung Ethereum hat ihren Stromverbrauch drastisch gesenkt
Die Kryptowährung Ethereum hat ihren Stromverbrauch drastisch gesenkt
© IMAGO / NurPhoto
Seit Monaten werden auch die Kryptomärkte von der nachlassenden Risikobereitschaft an den Börsen in Sippenhaft genommen. Selbst der lang ersehnte „Merge“ bei Ethereum ruft nicht nur Begeisterung hervor, denn es tauchen neue Probleme auf

Wer schon länger an den Aktienmärkten aktiv ist, kennt den Börsenspruch „buy the rumor, sell the fact“. Im Vorfeld wird Fantasie gekauft und führt zu steigenden Kursen. Wenn das Ereignis schließlich so eintritt wie erwartet, heißt es Kasse machen. Die immer wieder zu beobachtenden Parallelen zwischen dem Aktien- und Kryptomarkt greifen auch hier, wie die jüngste Kursreaktion auf den seit Jahren erwarteten „Merge“ bei Ethereum zeigte. Obwohl technisch alles rund lief, sackte der Kurs ab.

Dabei gibt es eigentlich Grund zur Freude. Ein wesentlicher Kritikpunkt beim Bitcoin und bisher auch Ethereum war der enorme Energieverbrauch. Gerade wegen der seit Monaten rasant steigenden Strompreise erschienen die modernen Kryptowährungen wie ein Relikt aus alter Zeit. Immerhin verbrauchte die zweitwichtigste Münze so viel Energie pro Jahr wie Finnland. Damit ist nun Schluss: „Der Stromverbrauch des Ethereum-Netzwerkes soll nach der Umstellung des energieaufwendigen Proof-of-Work-Verfahrens zum Proof-of-Stake-Verfahren um gut 99 Prozent geringer ausfallen“, erklärt Niklas Helmreich, Deutschlandchef vom Broker Trive.

Oft vergessen wird eine weitere wichtige Verbesserung. Als klarer Marktführer im Bereich der DApps und Smart Contracts (NFTs) gilt Ethereum quasi als Betriebssystem für zahlreiche Kryptoanwendungen. Mit bisher nur 15 Transaktionen pro Sekunde hielt sich die Begeisterung aber in Grenzen. Probleme bei der Skalierung und hohe Transaktionskosten gehören nun ebenfalls der Vergangenheit an. Künftig sind bis zu 10.000 Transaktionen pro Sekunde möglich, Ethereum-Urgestein Vitalik Buterin hält sogar 100.000 möglich.

Positive Aspekte

Beste Voraussetzungen für eine glänzende Zukunft, sollte man meinen. Denn man kann den Vergleich der großen Kryptos auch mal von einer anderen Seite sehen. Denn Ethereum könnte sogar bald den Bitcoin vom Thron stoßen. „Seit dem Tief im März 2020 ist die Nummer zwei um gut 1200 Prozent gestiegen, der Bitcoin nur um 300 Prozent. Mit der Outperformance um den Faktor 4 sind aber auch viele gute News eingepreist. Man muss liefern, sonst dürften Risiken bald wieder auf den Tisch kommen“, sagt Jürgen Molnar vom Broker Robomarkets.

Denn ein altes Problem drängt erneut stärker in den Fokus. Als Spielverderber gilt Gary Gensler, Chef der amerikanischen Börsenaufsicht SEC. Seiner Meinung nach könnten Kryptowährungen, die den Proof-of-Stake verwenden, unter das Wertpapiergesetz fallen. Die Umstellung droht somit zum Bumerang zu werden, da die Behörde Ethereum so behandeln würde wie Aktien. Mehr Druck, mehr Kontrolle, die Unsicherheit hinsichtlich der Regulierung hängt weiter wie ein Damoklesschwert über dem Kryptomarkt“, sagt Stefan Risse von Acatis.  Auch die mit der Umstellung verbundene stärkere Zentralisierung von Ethereum ist den Anhängern der Digitalmünzen zunehmend ein Dorn im Auge.

Ethereum hat sich zwar fit für die Zukunft gemacht, nun drohen aber neue Herausforderungen. Unabhängig von den hausgemachten Schwierigkeiten ist die Rechnung einfach: Solange die Risikobereitschaft wegen der komplizierten Gemengelage so angeschlagen bleibt wie in den vergangenen Monaten, erscheint eine nachhaltige Erholung nicht in Sicht. Wer aber mit Weitblick agiert, sollte immer dann zugreifen, wenn die Stimmung schlecht ist. Mit dieser einfachen Regel waren auch in der Vergangenheit am Krypto- wie auch am Aktienmarkt satte Renditen möglich. 

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com

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