KolumneMusk, Amazon, Bitcoin und die Glaubensfrage

Symbolfoto BitcoinIMAGO / photothek

Der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm. Gerade bei den Kryptowährungen, die 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche gehandelt werden können, gilt es nah am Markt zu sein. So mancher Trader beim Broker Etoro dürfte am Montagmorgen ungläubig auf seine Bitcoin-Positionen geschaut haben. In der Nacht war der Kurs um gut 4000 Dollar oder zehn Prozent auf knapp 39.000 Dollar nach oben gesprungen.

Wenige Tage zuvor gab es die Münze sogar kurzzeitig für weniger als 30.000 Dollar. Mehr als 20 Prozent Gewinn waren so in wenigen Tagen möglich. Allein dieser Vergleich verdeutlicht viel über das Phänomen Bitcoin: Während sich der Day seit Wochen im Sommerschlaf befindet, bietet die Kryptowährung ordentlich Volatilität. Wenig überraschend zählt das Bitcoin-Zertifikat von Vontobel (WKN: VQ63TC) zu den gefragtesten Scheinen an den Handelsplätzen für Zertifikate.

Bitcoin-Kurs (Bitcoin/Dollar) Kryptowährung

BTC/USD (Bitcoin / US-Dollar) Kryptowährung Chart
Kursanbieter: FXCM

Musk setzt weiterhin auf Bitcoin

Und noch etwas zeigt der jüngste Freudensprung bei den Digitalmünzen. Es sind nicht harte Fakten, die für frischen Schwung sorgen, sondern ein Mix aus viel Notenbankgeld, das an den Märkten weiterhin im Überfluss vorhanden ist und dünnen Gerüchten.

Vor gut einer Woche freuten sich Short-Seller noch über den zunehmenden regulatorischen Druck. Mit Kursen unter 30.000 Dollar war der Bitcoin nur noch halb so viel wert wie im April. Fondsmanager wie Hendrik Leber verweisen auf Turbulenzen in Asien. Leber, der mittels Zertifikaten mit seinem Mischfonds Acatis Datini Value Flex im Bitcoin schon seit langem investiert ist, erklärt die jüngste Preisschwäche so: China hat das Bitcoin-Mining verboten. Die Miner haben daraufhin ihre Geräte eingepackt und sind weiter gezogen in Länder wie Russland oder in andere Länder, wo Strom günstig ist.

„Ich erwarte, dass der Bitcoin weiter steigt, auf Sicht von einem Jahr kann ich mir eine Verdreifachung vorstellen. Diese Rücksetzer, die wir gesehen haben sind normal. Der Markt ist noch nicht so reif und liquide wie erwachsene Märkte, wie der Gold, Devisen- oder Aktienmarkt“, sagt Leber, Gründer und Geschäftsführer von Acatis Investment

Der Todesstoß für den Bitcoin blieb aus, statt 20.000 Dollar leuchten nun fast 40.000 Dollar auf. Zunächst war es „Dogefather” Elon Musk, der auf einer Online-Konferenz mit Twitter-Gründer Jack Dorsey und der bekannten Tech-Investorin Cathie Wood durchblicken ließ, dass nicht nur Tesla sondern auch sein Raumfahrtunternehmen SpaceX in Bitcoin investiert ist.

Amazon-Bombe geplatzt

In der Nacht zu Montag platzte dann die „Amazon-Bombe“. Noch in diesem Jahr könnte der Online-Händler den Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren. Weitere Altcoins wie Ethereum und Cardano sollen folgen. Wer die neu ausgeschriebene Stelle des „Digital Currency and Blockchain Product Lead“ bei Amazon übernimmt, wird viel Arbeit haben. Dabei war es nur das dünne Gerücht, das den Bitcoin antrieb. Das Dementi von Amazon folgte, es konnte dem Bitcoin aber nur einen kurzfristigen Dämpfer verpassen. Das „Amazon-Gerücht“ wird uns also auch in den kommenden Monaten am Krypto-Markt begleiten.

Bei so viel Euphorie darf aber auch der kritische Blick nicht fehlen. Im April hatte der Autobauer Tesla bereits die Münze als Zahlungsmittel akzeptiert und die Rally auf das Rekordhoch von 65.000 Dollar massiv befeuert. Nur wenige Wochen später ruderte der Autobauer zurück. Angeblich „saubere“ E-Autos und die hohen Umweltschäden beim Mining der Münzen passen schlecht zusammen. Und daran hat sich auch jetzt nichts geändert, Amazon ist gut beraten, das Fettnäpfchen auszulassen.

Ohnehin stellt sich die Frage, wer wirklich seine Bitcoins gegen Waren eintauschen wird. Der Bitcoin ist in erster Linie ein Investment mit viel Fantasie und weniger ein Zahlungsmittel. Optimisten, die an die magische 100.000 Dollar-Marke glauben, kaufen jeden Rückschlag und glauben daran, dass es andere gibt, die mehr bezahlen. Als Zahlungsmittel wird sich der Bitcoin wegen seiner inzwischen veralteten Technologie, wohl nur schwer durchsetzen. Erst recht nicht bei Amazon.

 


Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter Info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com