KryptowährungBitcoin: Beginn einer langen Durststrecke?

Bitcoin
Ein hartes Wochenende für Bitcoin-Anleger – vielleicht sogar ein hartes Jahr?IMAGO / NurPhoto

Für Bitcoin-Anleger war das vergangene kein besonders schönes Wochenende. Allein am Samstag erlebte die wichtigste und älteste Kryptowährung einen dramatischen Kursrutsch um rund 22 Prozent, der Kurs sackte auf 41.967 Dollar ab. Das ist einer der dramatischsten Verluste, den der Bitcoin bisher erlebt hat. Die gute Nachricht ist: Inzwischen hat er sich wieder etwas erholt. Der Kurs liegt aber immer noch unter der Marke von 50.000 Dollar.

Bitcoin-Kurs (Bitcoin/Dollar) Kryptowährung

XBT/USD (Bitcoin / US-Dollar) Kryptowährung Chart
Kursanbieter: FXCM

Es stellt sich die Frage, wie es mit der Kryptowährung weitergehen wird. Denn viele Anleger und auch Experten sehen den Bitcoin als eine Art „sicheren Hafen“, der Schutz bieten könne vor galoppierender Inflation und rutschenden Börsekursen bei unsicherer Weltkonjunktur. Begründet wird dies mit der begrenzten Geldmenge der digitalen Währung.

„Ich habe das noch nie geglaubt“, sagt hingegen Robert Rethfeld, Herausgeber des Börsenbriefs Wellenreiters, der sich seit 2013 mit Kryptowährungen befasst. Er sieht den Bitcoin gerade in eine neue Phase eintreten. Denn bisher hätten sich die Kurse der Währung immer recht schnell nach oben entwickelt. Von eins auf zehn, von zehn auf 100, von 100 auf 1000 – immer innerhalb von wenigen Monaten.

Positive Korrelation

Die nächste Schwelle, von der viele annehmen, dass der Bitcoin sie nun nehmen müsste, ist demnach die 100.000-Dollar-Marke. Nur scheint die gerade in weiter Ferne. Denn um sie zu erreichen, würde es immer mehr Menschen brauchen, die in Bitcoin investieren. Und die Zahl derer, die das tun, steigt dafür nicht schnell genug.

Das erklärt aber noch nicht, warum die Kryptowährung am Wochenende so eine Talfahrt erlebt hat. „Man kann den Bitcoin nicht isoliert vom Rest des Marktes betrachten“, sagt Rethfeld. Das gelte auch in guten Zeiten: Wenn im Markt gerade viel Geld unterwegs sei, profitiere auch der Bitcoin davon. Rethfeld spricht in dem Zusammenhang von einer positiven Korrelation, die auch dafür gesorgt habe, dass der Bitcoin Anfang November wieder ein neues Hoch erlebt habe.

Nur veränderten sich die Vorzeichen des Marktes nun: Die US-Notenbank Fed zieht gerade viel Geld aus dem Markt ab und will ihr Anleihenprogramm um 30 Mrd. Dollar zurückfahren. „Da gehen an den Aktienmärkten eben doch die Alarmglocken an und Fonds und Investoren überlegen jetzt, was sie machen“, sagt Rethfeld. Viele, meint der Experte, würden jetzt wieder in defensivere Märkte wie Basisgüter oder Versorger investieren.

Ein hartes Jahr für den Bitcoin

Momentan weist nichts daraufhin, dass der Bitcoin in unruhigen Zeiten ein sicherer Rettungsanker sein könne. Rethfeld sagt, dass er bisher auch gar keine Chance gehabt habe, sich zu bewähren, da es in der bisherigen Phase seiner Existenz keine Zeit anziehender Inflation gegeben habe. „Der Bitcoin existiert seit 2009 und seitdem haben wir nur deflationäre Phasen gehabt, das könnte jetzt die Nagelprobe werden“, so Rethfeld.

Er geht davon aus, dass es mit der Kryptowährung unruhig weitergeht. „Wenn die Fed das Tapering tatsächlich schon im März durchführen und im Jahr 2022 die Zinsen erhöhen wird, entzieht sie dem Markt viel Geld“, sagt er. Das würde sich auf die Aktienmärkte und deshalb auch auf die Kryptomärkte auswirken. Und dort würden Anleger als erstes ihr Geld wieder zurückziehen. Würde das eintreten, könnte das kommende Jahr ein hartes für Bitcoin-Anleger werden.

 


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