Hack von Bitfinex Bonnie und Clyde der Kryptowelt gefasst

Gerichtsskizze von Heather Morgan und ihrem Ehemann Ilya „Dutch“ Lichtenstein bei der Verhandlung vor dem Bundesgericht am 8. Februar
Gerichtsskizze von Heather Morgan und ihrem Ehemann Ilya „Dutch“ Lichtenstein bei der Verhandlung vor dem Bundesgericht am 8. Februar
© ASSOCIATED PRESS | Elizabeth Williams / Picture Alliance
Bei einem schillernden Pärchen aus New York hat das FBI einen Großteil der Bitcoin-Beute aus dem Hack der Kryptobörse Bitfinex von 2016 gefunden. Wer sind die beiden und was passiert mit dem Geld?

„In drei Schritten Experte in allem werden“ – das ist die Schlagzeile eines Artikels von Heather Morgan auf der Webseite des US-Wirtschaftsmagazins „Inc.“ aus dem Dezember vergangenen Jahres. Die 34-jährige Autorin gibt dazu einfache Tipps: „Lern die Fachsprache, bring dich in Diskussionen ein und mach dir Notizen, finde die Influencer und Netzwerker“. Doch so einfach ist es nicht, Experte zu werden. Vor allem nicht für das perfekte Verbrechen. Am Dienstagmorgen hat das FBI Heather Morgan und ihren Ehemann Ilya Liechtenstein im New Yorker Stadtteil Manhattan verhaftet.

Aus dem spektakulären Hack der Kryptobörse Bitfinex im Jahr 2016 sollen die beiden mehr als 119.754 von insgesamt 120.000 gestohlenen Bitcoins in Liechtensteins digitale Geldbörse umgeleitet haben. Dann soll das Ehepaar über verschiedene Transaktionen versucht haben, die Herkunft des damals rund 71 Mio. Dollar entsprechenden Kryptoschatzes zu verschleiern und einiges zu investieren.

Heute sind die Bitcoins trotz der aktuellen Marktschwäche 4,5 Mrd. Dollar wert. Das FBI konnte Vermögen von 3,6 Mrd. Dollar bei Morgan und Liechtenstein sicherstellen und dem Hack von Bitfinex, der ihnen nicht zu Last gelegt wird, zurechnen.

Ein Teil des Geldes haben die beiden bereits investiert. Etwa in die Tech-Unternehmen der selbsternannten Seriengründer. Morgan ist Chefin eines Unternehmens namens Salesfolk, das Unternehmen dabei berät, wie sie ihre Kunden am besten mit ungefragten Mails ködern können. Der 34-jährige Liechtenstein versuchte zuletzt erfolglos, die Firma Endpass groß zu machen, die dabei helfen wollte, Betrug und Terrorismusfinanzierung über Kryptowährungen zu verhindern.

Hilfe aus Bayern

Gemeinsam hatten sie vor zwei bis drei Jahren den Risikokapitalgeber Demandpath gegründet, der junge Unternehmen fördern will, die sich mit dezentralisierten Netzwerken, also Blockchains, künstlicher Intelligenz und automatisiertem Arbeiten beschäftigen. Hier sollte wohl ein Hauptteil des Vermögens hinfließen. Zudem hatte das an Bonnie und Clyde der Kryptowelt erinnernde Pärchen Gold und Kryptowährungen gekauft. Sie hatten Briefkastenfirmen gegründet und ganz profan Walmart- und Geschenkgutscheine erstanden.

Vor allem Heather Morgan gestaltete ihr Leben viel bunter nach dem Bitcoin-Segen in dem Wallet ihres Gatten. Zuvor arbeitet sie als Wirtschaftswissenschaftlerin in Asien und Ägypten nach dem arabischen Frühling. Nach ihrer Rückkehr zog es sie nach Kalifornien ins Silicon Valley, wo sie 2013 ihre Firma Salesfolk gründete.

Nebenher schrieb sie als Kolumnistin für die Wirtschaftsmagazine Forbes und Inc. über Managementthemen. Ab 2018, als sie und ihr Ehemann bereits im Besitz der Kryptomillionen sind, widmet sie sich – wenn auch etwas halblebig – der surrealen Kunst, Modedesign und sie veröffentlicht Videos auf Youtube und Tiktok über Corona-Infektionen, Ernährung oder Drogen. Außerdem rappt sie gelegentlich.

Damit ist es wohl vorbei, denn auf die Vorwürfe des FBI zur Verschwörung zu Geldwäsche und Betrug stehen 20 beziehungsweise fünf Jahre Haft, auch wenn sie am Mittwoch gegen eine Millionenkaution wieder auf freien Fuß gekommen sind.

Das FBI hat – mit Hilfe der Polizeidirektion Ansbach in Bayern – die verschlungenen Wege nachvollziehen können, über die Morgan und Liechtenstein das Geld waschen wollten. Mit fiktiven Identitäten haben sie Online-Konten aufgemacht und Mailfächer etwa bei indischen Providern eröffnet. Sie haben 25.000 der erbeuteten Bitcoins mit Computerprogrammen, die automatisch und sehr schnell Überweisungen auslösen, in andere Kryptowährungen getauscht oder im Darknet geparkt.

Doch Liechtenstein und Morgan unterliefen dabei höchst unprofessionelle Fehler. Zum einen speicherten sie die Zugänge zu den unterschiedlichen Konten und Wallets in einer Datei. Die FBI-Ermittler fanden diese Datei beim Durchsuchen des Online-Kosmos rund um Morgan und Liechtenstein. Außerdem haben die beiden Gold an ihre Wohnadresse in New York bestellt. Um Experte zu werden, braucht es also doch noch mehr als drei Schritte.

Die beschlagnahmten 3,6 Mrd. Dollar sollen indes wieder an Bitfinex gehen. Die Plattform soll damit die geschädigten Investoren auszahlen.

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