VG-Wort Pixel

Daniel Saurenz Bitcoin: Die Uhr tickt langsam runter

2018 sah es düster aus für die Kryptowährungen – die große Bitcoin-Blase war nach einem Hoch von 20.000 Dollar geplatzt. Nun prophezeien einige Ökonomen den Kryptowährungen eine Renaissance. Der ehemalige Hedge-Fonds-Manager Mike Novogratz spricht bei Bitcoins von „digitalem Gold“ und geht davon aus, dass der Bitcoin Ende des Jahres 2019 erneut seinen bisherigen Spitzenwert erreicht, andere Experten sind noch zuversichtlicher. Seit Anfang des Jahres steigen die Kurse wieder – auch bei den Währungen Ethereum, Ripple und Litecoin.
Bitcoin und andere Kryptowährungen sind zuletzt arg unter die Räder gekommen
© Pixabay
Frust und Freude liegen am Krypto-Markt eng zusammen, die kräftigen Kursbewegungen bei Bitcoin und Ethereum bieten Potenzial. Derzeit ist die Stimmung am Boden, die Kurse scheinen keinen Halt zu finden. Dabei sollten spekulative Naturen jetzt genau hinschauen

Auch wenn es die Anhänger der Krypto-Szene nicht gerne lesen: Digitalwährungen waren und bleiben eine Glaubensfrage. Aktien sind Sachkapital in verbriefter Form und bieten wie die Historie zeigt langfristig den besten Inflationsschutz. Auch Gold als sicherer Anlagehafen lässt sich nicht beliebig vermehren. Dies trifft zwar auch auf viele Kryptowährungen wie den Bitcoin zu. Allerdings hat die größte Münze keinen inneren Wert und gilt bereits als veraltet.

Elektronische Zahlungen können heute zu wesentlich tieferen Transaktionskosten und hohen Volumen viel schneller abgewickelt werden. „Dafür benötigt die Welt keine Kryptowährungen“, meint Gil Shapira, Chefstratege beim Broker Etoro. „Interessant und wahrscheinlich wegweisend ist hingegen die dahinterstehende Technologie, die Blockchain“, meint Shapira. Losgelöst vom Wert des Bitcoins gilt es daher den Preis zu unterscheiden, also das Ergebnis aus Angebot und Nachfrage am Markt. Hier wird Fantasie gehandelt, aber nicht nur.

Wer den Kursverlauf von Bitcoin und Nasdaq 100 übereinanderlegt, wird feststellen, dass beide auch im kurzfristigen Bereich oft in die gleiche Richtung marschieren. Steigt die Risikobereitschaft am Markt, springen Kryptos wie der Bitcoin sowie die US-Technologiewerte an. Dominieren Risiken, rauschen sowohl die Wachstumstitel als auch Kryptos abwärts. Bei den Digitalmünzen fallen die Schwankungen meist wesentlich stärker aus, die Kurse sind quasi eine gehebelte Wette auf die Techtitel. Dies ist auch ein Grund, warum viele Privatanleger in den zurückliegenden Monaten herbe Verluste erlitten haben. Wer sein Depot nur aus Technologie-Titeln und Kryptos aufgebaut hat, verliert auf beiden Seiten. Diversifikation sieht anders aus.

Halving-Effekt nutzen

Aus Fehlern kann man aber lernen, an der Börse gibt es jeden Tag neue Chancen. Und damit kommen wir zum oft unterschätzten Chance-Risiko-Verhältnis. Als der Bitcoin Ende 2021 bei 70.000 Dollar stand und die 100.000er-Marke offenbar nur eine Frage von Tagen war, dominierte Gier. Stimmungsindikatoren sind aber Kontra-Signalgeber. Wenn jeder weiter steigende Kurse erwartet, fehlt irgendwann die Nachfrage. Zudem geht der Markt häufig den Weg des größten Schmerzes, dies gilt für Kryptos ebenso wie für den Aktienmarkt. Jetzt gibt es den Bitcoin rund 70 Prozent günstiger und er kostet nur halb so viel wie im Durchschnitt der vergangenen 200 Handelstage. Auch bei den amerikanischen Technologiewerten ging es kräftig abwärts. Doch Kaufbereitschaft sucht man vergeblich. Dabei bekommt man jetzt die gleiche Qualität zu deutlich günstigeren Preisen.

Daniel Saurenz: Bitcoin: Die Uhr tickt langsam runter

Dies bedeutet natürlich nicht zwingend, dass das Tief für dieses Jahr bereits erreicht wurde. Im Gegenteil: Setzt sich ein Muster der vergangenen Jahre fort, könnten Schnäppchenjäger den Bitcoin im November sogar noch tiefer erwischen. Das Signal geht vom Halving aus, bei dem alle vier Jahre die Belohnung für die von den Minern geschürften Bitcoin-Blöcke halbiert wird. Die letzten drei Halbierungen erfolgten im November 2012, Juli 2016 und Mai 2020. Rund 500 Tage zuvor bildete der Bitcoin einen Boden aus. Das nächste Halving dürfte Ende März 2024 erfolgen. Übertragen auf die aktuelle Ausgangslage wäre somit ein Tief im November zu erwarten.

Da der Bitcoin zugleich ein guter Signalgeber für den Aktienmarkt ist, wäre somit nach einer überfälligen Erholung ab dem Spätsommer mit einer weiteren Korrektur zu rechnen, die sich ab dem vierten Quartal perspektivisch als lukrative Einstiegschance erweisen sollte. 

Daniel Saurenz betreibt mit seinem Team das Börsenportal Feingold Research. Es bietet täglich einen Börsenbrief an, den Sie für 14 Tage kostenfrei testen können. Melden Sie sich unter info@feingold-research.com an oder probieren Sie den Börsendienst unter diesem Link aus. Trainingstage und Coachings finden Sie NEU unter feingold-academy.com


Mehr zum Thema



Neueste Artikel