Geldanlage Was Gold und Bitcoin in Krisenzeiten taugen

Gold und Bitcoin: Beide haben den Ruf, in Krisenzeiten abzusichern.
Gold und Bitcoin: Beide haben den Ruf, in Krisenzeiten abzusichern.
© IMAGO / Jochen Tack
In Krisenzeiten flüchten vielen Anleger in Gold und Bitcoins. Doch gerade die Kryptowährung stürzte angesichts des Krieges in der Ukraine heftig ab

Wird es unruhig an den Aktienmärkten, greifen viele Anleger traditionell zu Gold. Das Edelmetall gilt als Absicherung in Krisenzeiten und punktet mit einer hohen Glaubwürdigkeit. Bereits in den vergangenen Tagen war dieser Trend zu beobachten. Der russische Angriff auf die Ukraine ließ den Goldpreis nun abermals steigen. Eine Feinunze verteuerte sich um rund zwei Prozent und kostete zeitweise etwa 1950 US-Dollar.

Commerzbank-Analysten hatten Ende vergangenen Jahres für 2022 einen steigenden Goldpreis prognostiziert, der sich auch der Marke von 2000 US-Dollar annähern könnte. Das World Gold Council, die Vereinigung der Goldindustrie, macht in seinem Ausblick auf das laufende Jahr zwei gegensätzliche Faktoren aus, die den Goldpreis in der nächsten Zeit bestimmen werden: Während steigende Zinsen den Preis für das Edelmetall belasten könnten, dürfte die Inflation die Nachfrage anheizen, hieß es.

Denn Gold gilt gemeinhin als Inflationsschutz, ein Faktor, der mit dem Krieg in der Ukraine an Bedeutung gewinnt. Sollten die Gaspreise infolge der Ukraine-Krise stark ansteigen, drohe die Inflation weiter in die Höhe zu schnellen, warnt das Institut der deutschen Wirtschaft. Eine Teuerung von bis zu 6,1 Prozent sei dann realistisch.

Auch das dürfte einige Anleger dazu veranlassen, Gold zu kaufen. Dabei hat sich Gold im vergangenen Jahr gar nicht unbedingt als Inflationsschutz bewährt, der Goldpreis fiel sogar um rund vier Prozent. Und das, obwohl die Inflationsrate im Dezember um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat angestiegen war. Als Gründe dafür galten vor allem die steigenden Zinserwartungen und der anziehende US-Dollar.

Bitcoin stürzt ab

Im Gegensatz zu Gold gelten Bitcoins als besonders riskantes Investment, denn sie haben so gut wie keinen realen Wert. Die geopolitischen Risiken, die von Russlands Angriffen in der Ukraine ausgehen, lasten daher schwer auf dem Kurs der Kryptowährung. Der Bitcoin rutschte zeitweise unter die 35.000-Dollar-Marke. Auch andere Kryptowährungen brachen infolge des russischen Angriffs massiv ein.

Trotzdem sehen manche Anleger in Kryptowährungen einen Schutz in unsicheren Zeiten. Diesen Anspruch scheint der Bitcoin zumindest bislang nicht zu erfüllen. „Der Bitcoin wurde beziehungsweise wird immer wieder als der neue sichere Hafen betitelt“, sagt Salah-Eddine Bouhmidi, Head of Markets bei IG Europe. „Doch heute, genau, wo es auf die Stabilität eines Assets ankommt, versagen Bitcoin und Co. kläglich.“ Gold sei da wesentlich sicherer.

Die Erwartungen an Gold und Bitcoin seien grundverschieden, sagte John Reade, Chief Market Strategist beim World Gold Council. Anleger würden sich von Bitcoins hohe Gewinne versprechen und sie weniger als Wertanlage nutzen – bei Gold sei das genau umgekehrt.

Insgesamt gilt für Anleger: Ein hektisches Umschichten des Depots dürfte sich kaum lohnen. Wer sich aber krisenfest aufstellen will, kann Anleihen und Gold beimischen. Beides gilt als vergleichsweise sicher.


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