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Flucht ins Gold?

, Daniel Saurenz

Anleger flüchten nach dem Chaosstart in sichere Häfen wie Gold. Ist das die Trendwende bei dem Edelmetall? Von Daniel Saurenz

Goldbarren
Der Goldpreis ist nach den Kapitalmarktturbulenzen zum Jahresauftakt gestiegen

Daniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschriebenDaniel Saurenz betreibt das Investment- und Anlageportal Feingold Research. Der Journalist hat unter anderem für Börse Online und die Financial Times Deutschland geschrieben


Januar 2016 – die Aktienmärkte gehen rund um den Globus in die Knie. Mancher Anleger sollte sich den Besuch des Kinofilms „The Big Short“ lieber sparen, denn er könnte unangenehme Parallelen zum aktuellen Marktgeschehen in Asien oder am US-Energiemarkt entdecken. Aufgrund allgemein großer Sorgen steigen die Volatilitäten in allen Anlageklassen und Anleger flüchten in sichere Häfen wie den BUND-Future – das Barometer liegt auf Rekordhoch. Auch Gold ist partiell gesucht, doch kommt da noch mehr?

„Gold liefert momentan eine Rally im Bärenmarkt“, sagt Jochen Stanzl vom Broker CMC. Manche Experten gehen weiter davon aus, dass trotz der jüngsten Erholung die jahrelange Talfahrt des Preises des Edelmetalls weitergehen wird. Die Chancen stehen aber gut, dass es anders kommt, als die Analysten vorhersagen. Bei Anlegern ist Gold ohnehin wieder beliebter, was sich auch an den Statistiken des Onlinebrokers Comdirect ablesen lässt.

Blicken wir auf die Fakten: Der Goldpreis hat ein Neun-Wochen-Hoch von 1110 Dollar je Unze erreicht. Das Edelmetall kommt damit seiner Bedeutung als sicherer Hafen in Krisenzeiten nach. Und die dunkelroten Börsenampeln zeigen unmissverständlich an, dass es am Finanzmarkt etliche Brandherde gibt. Wegen der schwachen Konjunktur wertet China den Renminbi immer weiter ab. Das belastet andere exportabhängige Volkswirtschaften Asiens, aber auch Deutschland sehr.

Gold Rohstoff

Gold Rohstoff Chart
Kursanbieter: FXCM

Der Rückgang des Renminbi führt zudem dazu, dass Investoren zusehends den Carry Trade auflösen müssen, was zu verstärktem Druck auf den Aktienmarkt führt. Solange die chinesische Währung jahrelang gestiegen war, haben sich Investoren immer mehr auf Renminbi-Basis verschuldet, und das Geld beispielsweise in US-Aktien gesteckt. Investoren haben dabei von zwei Seiten profitiert: Einerseits haben die Investoren Währungsgewinne gemacht, andererseits profitierten die Anleger von den steigenden Aktienkursen.

Weil der Renminbi nun aber auf Talfahrt ist, dreht sich die Spirale rapide in die andere Richtung und Investoren verkaufen kräftig Aktien. Ein weiterer Belastungsfaktor für den Aktienmarkt ist der Verfall des Ölpreises. Denn die in dem Sektor aktiven Unternehmen und Länder streichen Investitionen zusammen, was vom Öl abhängigen Branchen wie Bau oder Automobil schwer belasten. „Schwache Konjunkturdaten aus China, aber auch aus den USA, die Abwertung des Renminbi und der Verfall des Ölpreises sorgen für den Crash am weltweiten Aktienmarkt und beflügeln damit kräftig den Goldpreis“, bestätigt auch Jochen Stanzl von CMC.

Wann leitet die Fed die Kehrtwende ein?

Von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung des Goldpreises werden vor allem die Maßnahmen der US-Notenbank sein. Fed-Chefin Janet Yellen hat just zu dem Zeitpunkt die Zinsen das erste Mal erhöht, da viele Konjunkturdaten auf Talfahrt sind und teilweise schon seit etlichen Quartalen unter dem Vorjahresniveau liegen. Die schwachen Daten deuten darauf hin, dass die US-Wirtschaft bereits in der Rezession ist.

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Bislang sind viele Experten davon ausgegangen, dass die Fed im laufenden Jahr die Zinsen um insgesamt 50 Basispunkte anheben wird. Sollte der Kursrückgang am US-Aktienmarkt aber weitergehen und der Dollar weiter kräftig aufwerten, womit sich die Exportperspektiven der US-Unternehmen noch stärker eintrüben, dürfte Yellen innerhalb weniger Monate umschwenken und bei der übernächsten Notenbanksitzung um 16. März die Zinsen nicht ein zweites Mal erhöhen, sondern Erhöhungen auf Eis legen. Anschließend dürfte die Fed innerhalb weniger Monate ein neues Gelddruckprogramm, genannt QE4, starten. Warum dies so sein könnte, warum die US-Wirtschaft schwach ist und wie Sie investieren können, erläutern wie fast täglich in unseren Webinaren bei www.feingold-research.com.

Gold schützt gegen Bärenmarkt an der Börse

Die Analysten der UBS erwarten, dass es zu einem Kurseinbruch am US-Aktienmarkt kommen und Yellen ihren Kurs wechseln wird. „Selbst wenn wir im ersten Halbjahr 2016 eine oder zwei weitere Zinserhöhungen sehen werden, sowie einen Bärenmarkt von 20 bis 30 Prozent (bei US-Aktien) gegen Ende 2016 oder Anfang 2017, ist es sehr wahrscheinlich, dass die US-Notenbank eine große Kehrtwende einleiten wird. Anfänglich sollten die Zinserhöhungen zurückgedreht werden und wir gehen davon aus, dass die Fed schließlich und endlich QE4 starten wird“, schreiben die Analysten der UBS.

„Wir erwarten, dass Gold und Goldminen 2016 den Boden eines achtjährigen Zyklus erreichen werden und die Basis für den nächsten mehrjährigen Bullenmarkt legen werden. Anfänglich dürfte Gold als sicherer Hafen profitieren und ab 2017 davon, dass der Dollar einen bedeutenden Höhepunkt erreicht und anschließend einen Bärenmarkt startet.“ Ein Bärenmarkt ist ein Rückgang um mehr als 20 Prozent gegenüber dem vorherigen Hoch. Ein deutlicher Rückgang des Dollar sollte den Goldpreis deutlich beflügeln, denn wenn der Wert des Dollar sinkt, muss man immer mehr davon für eine Unze Gold auf den Tisch legen.

Spekulanten bärischer für Gold als je zuvor

Die kurzfristige Entwicklung des Goldpreises wird am Derivate-Markt entschieden. In den vergangenen Monaten haben die Spekulanten die Zahl der Futures und Optionen, mit denen sie auf steigende Kurs (Long) setzen, drastisch abgebaut, während die Zahl auf sinkende Kurse (Short) immer weiter aufgestockt worden ist. Inzwischen gibt es eine Rekord-Netto-Shortposition von 24.243, das heißt, dass mit viel mehr Derivaten auf fallende als auf steigende Kurse bei Gold gesetzt wird. Üblicherweise gibt es aber eine deutliche Netto-Long-Position. Sollte die Erholung des Goldpreises weitergehen, wären die Spekulanten gezwungen, ihre Verluste zu begrenzen und sich einzudecken. Das würde der Notierung des Edelmetalls einen zusätzlichen Schub geben.

Sofern die Turbulenzen am Finanzmarkt anhalten, dürfte sich der Goldpreis weiter erholen. In den nächsten Monaten wird es dann stark auf die Fed ankommen. Wenn sie umschwenkt und innerhalb weniger Monate QE4 startet, woraufhin der Dollar nach unten drehen sollte, dürfte es beim Goldpreis eine nachhaltige Trendwende nach oben geben. Dies würde jedoch auch Aktien unterstützen, ebenso wie eine deutliche Erholung beim Ölpreis. Die Finanzmärkte werden im ersten Halbjahr 2016 dominiert vom Blick auf China, Öl und die Margen und Gewinne der US-Konzerne. Dies sind die Anker für Anleger. Steigende Kurse bei Gold und steigende Kurse bei Aktien nach dem Ausverkauf müssen sich also nicht einmal widersprechen. Wer bei Gold mutig sein will, schaut sich einen Turbo-Optionsschein mit WKN CB9650 und Hebel 4 an. Ein Comeback des Dax dank Notenbankhilfe spielt man mit dem Discount-Call mit WKN HU1EC5 und Cap bei 9.500 Punkten.


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