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Der perfekte Job

, Peter Wagner

Was lehrt uns die Arbeit für das Leben? Peter Wagner hat sich auf Spurensuche begeben und ganz unterschiedliche Menschen gefragt. Wie den Autor Daniel Pink

Daniel Pink © Eli Meier Kaplan
Daniel Pink in seinem Büro: Menschen müssen die Chance bekommen, im Job besser zu werden.

Peter Wagner hat für sein Buch„Wofür es gut ist“ Menschen nach den Lehren ihres Lebens gefragt. In einer fünfteiligen Serie berichtet Capital.de über die AntwortenPeter Wagner hat für sein Buch „Wofür es gut ist“ Menschen nach den Lehren ihres Lebens gefragt. In einer fünfteiligen Serie berichtet Capital.de über die Antworten


Lehre: Der perfekte Job beschert Freiheit, Sinn und macht uns besser.

Eine Schnellstudie zur Entwicklung der Arbeitswelt kriegt hin, wer mit den eigenen Eltern über Arbeit spricht. Jene Elterngeneration zum Beispiel, die nach dem Krieg aufwuchs, kennt das Arbeitsleben als linientreue und simple Angelegenheit: ein Betrieb, eine Karriere, Motivation mit Geld. 

Als Kind solcher Eltern hat man bisweilen seine Schwierigkeiten, die Welt von damals mit der Welt von heute zusammenzubringen. Der amerikanische Autor Daniel Pink hat den Bruch skizziert. In seinem Buch „Free Agent Nation“ beschreibt er das Ende des „Organization Man“: Die Zeit des tapferen Familienvaters, der sein Leben einer einzigen Unternehmung widmet - vorbei. Mehr und mehr Menschen arbeiten flexibler, wechseln häufiger den Arbeitgeber, gehen in befristete Jobs und Projekte, verdienen weniger, die Zeitarbeit nimmt zu. Zugleich wird die Gesellschaft anspruchsvoller, die Menschen erwarten mehr von ihrer Arbeit. Daniel Pink skizziert das in seinem Buch „Drive“: Arbeit ist für viele nicht mehr nur Broterwerb, sie ist das Gravitationszentrum des Lebens.

Im Grunde geht es nur um drei Worte

Als ich mich auf die Suche nach den Lebenslehren von Menschen machte, blickte ich bewusst auf Biografien. Ich fragte Menschen aus meinem Umfeld und darüber hinaus nach Umbrüchen in ihren Leben und nach den Lehren daraus. Das Wissen von Forschern oder Autoren habe ich die meiste Zeit außen vor gelassen. Bei Daniel Pink machte ich eine Ausnahme, weil er wie wenige andere auf den Punkt bringt, was einen tollen Arbeitsplatz ausmacht. Im Grunde geht es nur um drei Worte.

Ich treffe Pink am Rande eines Vortrags, den er vor Mitarbeitern einer Schweizer Versicherung hoch über dem Zürichsee gibt. Er ist der festen Überzeugung, dass sich das Prinzip Zuckerbrot und Peitsche überlebt hat. Das Versprechen, durch Leistung mehr Geld verdienen zu können, sei ein gutes Mittel gewesen, um Wohlstand zu erzeugen. „Eine der größten Ideen der Menschheit“, so Pink im Gespräch. „Sie bescherte uns unter anderem die industrielle Revolution. Nur bin ich der Meinung, dass sich dieses System im 21. Jahrhundert überlebt hat.“ 

Pink glaubt, dass Geld nur dazu führe, die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu unterdrücken. „Es ist leichter, immer nur der Karotte vor der Nase nachzulaufen, der nächsten Beförderung, der Anweisung des Chefs, den Anforderungen der Gesellschaft, als sich zu fragen: Was will ich mit meinem Leben machen?“

Der Amerikaner wertet Studien aus und spricht mit Personalforschern. Er erkennt drei Elemente, die ein Job braucht, um einen Menschen zufrieden zu stimmen: „Gib deinen Mitarbeitern mehr Selbstbestimmung, unterstütze sie dabei, besser zu werden und hilf ihnen, Sinn in ihrer Arbeit zu erkennen.“

Sinnerfahrungen stellen sich immer dann ein, wenn wir Zusammenhänge begreifen, wenn wir wissen, warum und für wen wir eine Sache machen. Wer im Job zufrieden sein will, so Pink, der muss nachvollziehen können, wo seine Arbeit herkommt und wo sie hingeht. Noch besser ist es, wenn man zumindest einen Teil der eigenen Arbeit nach Gutdünken verrichten kann: Autonomie oder Selbstbestimmung im Job, sagt Daniel Pink, ist essentiell fürs Wohlbefinden.

Autonomie, Meisterschaft und Sinnhaftigkeit

Aber was ist mit dem letzten Element in der Reihung? Muss man immer und immer besser werden wollen? Ist es so wichtig, sich der Perfektionierung zu widmen? Daniel Pink nickt. „Man kann an einem Tag Schriftsteller, am nächsten Friseur und am übernächsten Tag Footballspieler sein. Das ist abwechslungsreich. Aber man kann nicht gleichzeitig ein großartiger Schriftsteller, ein toller Friseur und ein hervorragender Footballspieler werden.

Jeder Mensch, das wissen wir aus der Verhaltenspsychologie, verlangt nach einer Form von Befriedigung, die sich erst dann einstellt, wenn er in einer bestimmten Sache besser wird. Da Menschen viel Zeit mit ihrer Arbeit verbringen, müssen sie die Chance bekommen, dort besser zu werden.“

Noch während des Gesprächs rolle ich die drei Elemente im Kopf hin und her. Bilden sie zusammen so etwas wie den Schlüssel zu einem zufriedenen Arbeitsleben? „Ich will den Menschen keine falsche Hoffnung auf eine Formel machen, die alles vereinfacht“, sagt Pink und geht in Abwehrhaltung. „Autonomie, Meisterschaft und Sinnhaftigkeit erreicht man nicht einfach so. Das ist nicht wie beim Kuchenbacken: Kuchen in den Ofen, fertig. Wenn ich von den drei Elementen spreche, deute ich in eine Richtung. Ich kann keinen Pfad beschreiben, den man gehen muss.“

Pink lehnt sich zurück in seinem Stuhl und überlegt. Nicht mehr lange, dann beginnt der Vortrag. „Wenn wir einen erfolgreichen Menschen vor uns sehen, der uns ein Vorbild ist, Steve Jobs zum Beispiel, dann denken wir vielleicht: Der hat sicher immer nur auf dieses Ziel hingearbeitet. Der wusste schon als ganz Junger, was er will. Das ist aber so gut wie nie der Fall!“ Pink macht eine Pause. „Wenn man solche Leute fragt, wie sie zu dem gekommen sind, was sie heute machen, sagen sie häufig: Oh, das ist eine lange, verworrene Geschichte. Wenn Sie zu Steve Jobs gegangen wären, als er achtzehn Jahre war, und ihm gesagt hätten: Du veränderst die Musikindustrie! Dann hätte er gesagt: Hä? Er hatte keine Karte seines Lebens vor sich. Er wusste nur, was er gern macht. Darin sah er Sinn, darin wollte er besser werden.“

Dann steht Pink auf und verabschiedet sich. Er hat das Entscheidende gesagt.

In der capital.de-Serie „Die Lehre meines Lebens“ trifft Peter Wagner eine Ordensschwester, einen Taxifahrer, eine Dorfhelferin, einen Autoren und eine Psychiaterin


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