ManagementWer ist schuld, wenn der Output sinkt?

Geschäftsmann rutscht auf einem nach unten zeigenden Pfeil
Wenn die Arbeitsleistung sinkt, ist irgendetwas faul im BetriebGetty Images

Wenn die Arbeitsleistung im Team sinkt, heulen erst die Sirenen, dann die Chefs. Doch was tun? Den Druck auf die Mitarbeiter erhöhen, so wie es Generationen von Managern getan haben? Der Erfolg kann nicht von großer Dauer sein. Denn auch die besten Kessel platzen irgendwann, wenn sie dauerhaft unter Hochdruck stehen. Die Folge: Der Maschinenraum steht irgendwann komplett still. Wichtiger wäre es, zunächst einmal zu analysieren, woran der Leistungsabfall liegt. Das National Business Research Institute in Texas hat sich dieser Frage angenommen und fünf häufige Gründe identifiziert, warum ein Getriebe plötzlich stottert.

#1 Die richtige Einstellung

Zufriedene Mitarbeiter sind produktive Mitarbeiter. Wer morgens mit einem Lächeln auf den Lippen aufsteht und sich auf die Arbeit freut, der wird auch den Tag über die größten Herausforderungen stemmen. Eine negative Einstellung gegenüber dem Job zieht die Arbeitskraft hingegen in den Keller. Und die ist leider wie ein Virus ansteckend für die Kolleginnen und Kollegen. Denn nichts ist einfacher als in das Klagelied der anderen einzustimmen. Mit einer schlechten Stimmung im Team sind Höchstleistungen nicht zu erwarten. Das einzige, was hoch ist, ist die Fluktuation. Wer glaubt, dem durch Druck entgegensteuern zu können, irrt. Motivation ist das Zauberwort. Und die beste Motivation kostet nicht mal etwas. Ehrliches Lob und Anerkennung wirken Wunder.

#2 Blame it on the boss

Nichts ist einfacher, als über den Boss zu schimpfen. Leider ist es oft gerechtfertigt. Denn die Anforderungen an das Management haben sich in den vergangenen Jahren drastisch geändert, nicht aber die Besetzung der Positionen. Chefs müssen nicht in allem die Besten sein. Natürlich hilft das, gerade wenn es um Respekt geht – und um Entscheidungen. Doch oft werden gute Leistungen mit einer Beförderung belohnt. Plötzlich haben der kühle Rechner, die Top-Verkäuferin oder der Visionär Personalverantwortung. Und scheitern daran  grandios. Denn nicht jeder – auch wenn er noch so gut in seinem Bereich ist – ist geboren, um ein Team zu führen und das Beste aus ihm herauszuholen.

Empathie ist schwer auf einem Managementseminar zu erlernen, aber wichtig im Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. „Ein schlechter Chef ist definitiv der Faktor Nummer 1, wenn die Produktivität sinkt“, heißt es in der Studie des National Business Research Institutes. Eine gute Führungskraft motiviert, inspiriert, animiert und belohnt gute Leistungen. Schlechte Chefs machen genau das Gegenteil. Mit gravierenden Auswirkungen auf das Team. Denn die oder der direkte Vorgesetzte ist die Bindung zum Unternehmen. Und wer sich mit seinem Arbeitgeber nicht identifiziert, arbeitet nur für sein Gehalt – die oft zitierte Extrameile ist da nicht zu erwarten.

#3 Krankheitstage

Keine Frage, kranke Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können keine Höchstleistungen bringen. Von daher liegt es im Interesse eines jeden Unternehmens sein, dass die Mitarbeiter physisch wie psychisch topfit sind. Und deshalb sollten sie in die Gesundheit ihrer Belegschaft investieren, Raum und Zeit für Ausgleich schaffen. Gerade die psychischen Erkrankungen haben stark zugenommen. Erst Mitte September haben die Krankenkassen bekanntgegeben, dass in Deutschland die Krankheitstage wegen psychischer Leiden wie Depressionen oder Burn-out sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt hätten. Hinzu kommt: An jedem Arbeitstag fehlen fast 70.000 Beschäftigte in Deutschlands Betrieben, allein weil sie Rückenschmerzen haben. Das geht aus dem TK-Gesundheitsreport 2017 hervor.

Für stundenlanges monotones Sitzen vor dem Rechner ist der menschliche Rücken eben nicht gemacht. Höhenverstellbare Tische, Stehpulte und ergonomische Stühle können Abhilfe schaffen. Oder bereits eine medizinische Einführung, wie der Arbeitsplatz eingerichtet sein soll. Höhe des Monitors, Abstand und Körperhaltung sind schnell zu korrigieren, haben aber langanhaltende positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden. Im Schnitt fehlte 2016 jede einzelne Erwerbsperson laut der Techniker Krankenkasse durchschnittlich an 15,25 Tagen. Hinzu kommen die Tage, an denen die Arbeitsleistung mau ist, weil der Kopf hämmert, die Nase läuft, der Kreislauf holpert.

#4 Top-Ausstattung = Top-Leistung

Die schöne, neue Arbeitswelt ist voller Möglichkeiten. Flexibles Arbeiten, Homeoffice, Videokonferenzen statt endloser Autofahrten zu einem Meeting. Das geht natürlich nur, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entsprechend ausgestattet sind. Wer von seinen Beschäftigten erwartet, auch nach Feierabend oder am Wochenende erreichbar zu sein, der sollte sie auch mit einem Firmen-Smartphone beglücken – oder einem mobilen Laptop statt stationärem PC. Doch viele Unternehmen scheuen die Investitionen in eine moderne Ausstattung. Dumm, denn das Investment zahlt sich aus. Intel, der US-Halbleiterhersteller, hat den Test gemacht. Er stattete 100 Mitarbeiter mit modernsten Laptops aus und analysierte deren Arbeitsleistung. Das Ergebnis: Die Mitarbeiter arbeiteten 100 Stunden mehr im Jahr, also zwei Stunden mehr pro Woche. Die Mehrkosten durch die Anschaffung des neuen Equipments hatten sich also bereits nach einem Jahr mehr als amortisiert.

#5 Synergieeffekte

Gerade in börsennotierten Unternehmen steht die Belegschaft oft erst an zweiter Stelle – nach den Aktionären. Denn die lieben die nächste Entlassungswelle, die sogenannten Synergieeffekte durch Zusammenlegungen von Abteilungen, das Outsourcing. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist das Horror pur. Sie fürchten um den Job, um Kolleginnen und Kollegen, haben Zukunftsängste. Kein optimales Umfeld für Spitzenleistungen. Angst lähmt, sie spornt nicht an. Und auch die, die die Kündigungswelle überstanden haben, werden nicht aufatmen, sondern sich zu Humankapital degradiert fühlen. Sie wissen: Nächstes Runde könnte ihr Stuhl wackeln. Sie werden Energie für einen Plan B verwenden, die Produktivität im Unternehmen wird insgesamt sinken.