StudieGuter Chef trotz schlechtem Chef

Führungskräfte kopieren nicht eigene Negativbeispiele, sondern machen es ganz bewusst besser
Führungskräfte kopieren nicht eigene Negativbeispiele, sondern machen es ganz bewusst besser

Mit der Beförderung gibt es nicht automatisch Führungsqualitäten hinzu. Viele Chefs sind möglicherweise zwar topfit in jeder erdenklichen Software und zugleich extrem eloquente Redner, haben aber kein Händchen für einen respektvollen Umgang mit ihren Mitarbeitern. Oder schaffen es nicht, die Belegschaft zu motivieren geschweige denn auch mal durch eine Krise zu steuern. Trotzdem können Sie unter solchen Chefs etwas lernen – nämlich es selbst künftig besser zu machen.

Eine Studie der University of Central Florida hat untersucht, ob ein unsäglicher Chef bessere Führungspersonen fördern kann. Anders als beim bekannten Beispiel, dass Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder oftmals reproduzierten, was sie selbst erlebten, gilt im Beruf offenbar das Gegenteil. Gerade wer sich am Arbeitsplatz von einem Vorgesetzen schlecht behandelt fühlte, will seinen Beschäftigten so etwas ersparen, wenn er selbst auf dem Chefsessel sitzt – und könnte sogar ein „außergewöhnlich guter Teamleiter“ werden, erklärt einer der Autoren der Studie, Shannon Taylor.

Für die Untersuchung verglichen er und sein Kollege Robert Folger zusammen mit Forschern der University of Texas in El Paso, der Suffolk University in Boston und der Singapore Management University mehrere Jahre lang das Verhalten von Leitungskräften mit und ohne negativen Führungserfahrungen. „Der Schluss, der sich daraus ziehen lässt, ist natürlich nicht, mehr schlechte Chefs einzustellen“, betonte Taylor – aber Leute, die negative Erlebnisse mit Vorgesetzten hatten, zu ermutigen, sich von deren Verhalten gezielt abzugrenzen und zu sagen: „Ich bin nicht wie mein Boss.“