Arbeitswelt11 Fragen zur Arbeit in der Corona-Pandemie

Arbeiten in der Corona-Krise: Welche Rechte habe ich als Arbeitnehmerin / als Arbeitnehmer?imago images / Westend61

Darf meine Chefin / mein Chef mich ins Homeoffice schicken, weil sie oder er meint, dass ich krank sei?

Falls es begründete Anhaltspunkte gibt, dann ja. Das ist auch zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen gedacht. Allerdings kann Ihre Chefin / Ihr Chef in diesem Fall nicht von Ihnen verlangen, dass Sie zu Hause weiter arbeiten. Besteht Arbeitswille und -fähigkeit Ihrerseits und Sie werden von der Arbeit freigestellt, haben Sie immer Anspruch auf Vergütung (§ 3 EFZG und § 615 BGB).

Kann meine Vorgesetzte / mein Vorgesetzter mich vorsichtshalber grundsätzlich ins Homeoffice schicken?

Arbeitgeber verfügen über keinerlei Rechte im privaten Wohnraum ihrer Angestellten. Daher kann keine einseitige Anweisung gegeben, sondern nur eine Vereinbarung beider Parteien getroffen werden. Außerdem ist im Arbeitsvertrag meistens eine konkrete Betriebsstätte benannt.

Kann ich zu Hause bleiben, wenn ich Angst vor Ansteckung am Arbeitsplatz habe?

Nein, Sie als Arbeitnehmerin / Arbeitnehmer haben keinen Anspruch auf Homeoffice. Bleiben Sie dennoch zu Hause ist das eine Arbeitspflichtverletzung. Hierbei fällt der Entgeltzahlungsanspruch weg. Fehlen Sie zudem unentschuldigt, kann das zu einer Abmahnung oder sogar Kündigung führen.

Es besteht also weder das Recht noch die Pflicht im Homeoffice zu arbeiten. Da in verschiedenen Branchen und Unternehmen unterschiedlich gearbeitet wird, gibt es auch individuelle Arbeitsschutzkonzepte. Bei einem konkreten Verdachtsfall oder einer bestätigten Infektion im Betriebt sollte das Arbeiten von zu Hause aus im Rahmen der Fürsorgepflicht und betrieblichen Interessen jedoch abgewogen werden. Für das Homeoffice müssen die Vorgesetzten alle Arbeitsmittel zur Verfügung stellen.

Kann ich gezwungen werden aus dem Homeoffice zurückzukehren?

Genauso wie Sie Ihr Arbeitgeber nicht zum Homeoffice zwingen kann, kann Ihre Chefin bzw. Ihr Chef Sie nicht ohne Weiteres in die Betriebsstätte zurückkehren lassen. Die Dauer des Homeoffice hängt von Ihrer beiderseitig getroffenen Vereinbarung ab. Hier müssen sich beide Seiten an die Regeln, Fristen und Bedingungen halten, die sie im Vorfeld vereinbart haben.

Wie muss ich mich aktuell am Arbeitsplatz verhalten?

Sie selbst müssen eigenständig keine Schutzmaßnahmen ergreifen. Dazu sind Sie nicht verpflichtet. Die Verantwortung dafür liegt einzig beim Arbeitgeber / bei der Arbeitgeberin.

Muss ich meinen Vorgesetzten meine private Handynummer geben?

Dies scheint insbesondere für die Arbeit im Homeoffice sehr praktisch, aber auch das entscheiden Sie selbst.

Darf meine Chefin / mein Chef mich dazu verpflichten, die Corona-Warn-App zu nutzen?

Bei der Corona-Warn-App setzt die Bundesregierung auf doppelte Freiwilligkeit: Sowohl das Einrichten als auch die Weitergabe der Warnung obliegt den Nutzerinnen und Nutzern. Selbst bei freiwilliger Nutzung der App auf einem Diensthandy haben Vorgesetzte kein Weisungsrecht in Ihrer Freizeit. Schaltet man bei Dienstschluss das Handy aus, wird ohnehin das Ziel der lückenlosen Nachverfolgung verfehlt.

Die Datenschutzkonferenz des Bundes und der Länder (DSK) teilt dazu mit:

„[D]er Ansatz der Freiwilligkeit [darf] nicht durch eine zweckentfremdende Nutzung untergraben werden darf: Der Zugang zu behördlichen Einrichtungen, Arbeitsstätten, Handelsgeschäften, Gastronomiebetrieben und Beherbergungsstätten, Sportstätten, etc. darf nicht vom Vorweisen der App abhängig gemacht werden. Hierbei würde es sich um eine zweckwidrige Verwendung handeln, die bereits mit dem Konzept der Freiwilligkeit nicht vereinbar ist. Eine Diskriminierung von Personen, die die App nicht anwenden, ist auszuschließen.“

Muss ich erzählen, wo ich im Urlaub war?

Unter normalen Umständen nicht. Da wir uns zurzeit jedoch in einer Pandemie befinden, ist die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers ein besonders zentrales Thema. Daher darf momentan abgefragt und auch gespeichert werden, ob Sie sich in der letzten Zeit in einem der Risikogebiete aufgehalten haben, die das Robert-Koch-Institut als solches ausgewiesen hat.

Darf meine Chefin / mein Chef mich fragen, mit welchen Personen ich privat Kontakt habe?

Da es sich um Ihre Freizeit handelt, ist das ebenso Ihre Entscheidung und geht Ihre Vorgesetzten nichts an. Hatten Sie jedoch Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person, müssen Sie diese Frage wahrheitsgemäß beantworten.

Wer kann Quarantäne anordnen?

Sobald sich der Verdacht auf Ansteckung mit dem Corona-Virus bewahrheitet, müssen Sie das Ihrem Arbeitgeber mitteilen. Falls noch nicht durch den Arzt oder die Ärztin geschehen, wird dann die zuständige Behörde informiert, die die Quarantäne-Maßnahmen festlegt. Je nach Verlauf und Grad der Erkrankung erfolgt die Quarantäne zu Hause oder in einer anderen geeigneten Einrichtung.

Ich habe mich mit dem Corona-Virus angesteckt. Darf meine Chefin / mein Chef das den anderen Mitarbeitern mitteilen?

Grundsätzlich ja, es gilt aber abzuwägen. Die Suche nach Kontaktpersonen und das Informieren beziehungsweise Isolieren würde dadurch erleichtert werden. Andererseits könnte Ihnen die Namensnennung eventuell unangenehm sein, wenn Sie eine Stigmatisierung befürchten. Solange es möglich ist, sollten es Ihre Vorgesetzten eher vermeiden, Namen von Infizierten zu nennen. Ausnahme ist, wenn dies zum Schutz anderer unerlässlich ist.

 


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