ManagementWas tun, wenn der Boss stresst?

Willkommen im Hamsterrad
Willkommen im Hamsterrad
© Getty Images

Es fühlt sich an, als gebe es keinen richtigen Ausweg. Ihr Chef macht Druck. Ein Projekt nach dem anderen sollen Sie umsetzen. Die Deadlines sind zu kurz gesetzt. Von Ihnen wird erwartet rund um die Uhr erreichbar zu sein. In 24/7-Bereitschaft. Anrufe, SMS, Mails im Stakkato.

Was tun? Verweigern Sie sich,könnten Sie schnell als weinerlich gelten. Sagen Sie zu allem Ja und Amen, gefährden Sie damit Ihren inneren Frieden und Ihr Privatleben. Und laufen Gefahr, dass alles noch viel schlimmer wird. Denn der Chef wird denken, alles ist okay, so wie es läuft.

Einige Strategien können die Situation sogar noch verschärfen, sagt Sheila Heen von der Harvard Law School und Co-Autorin des Bestsellers „Difficult Conversations“. Einer Deadline am Montag zuzustimmen – und das ganze Wochenende an dem Projekt zu arbeiten – kann ihren Chef dazu animieren, die nächsten Abgabefristen noch früher anzusetzen. Und antworten sie auf aufdringliche Nachrichten von Ihrem Chef sofort, kann das dazu führen, dass er Sie immer mehr mit Texten bombardiert.

Ein völlig Irrer

Suchen Sie lieber das Gespräch. Versuchen Sie zuerst aber zu ergründen, was dem Chef wichtig ist, rät Unternehmensberater Tim Allard. Mancher Alpha-Boss reagiert nämlich allergisch darauf, wenn ein Mitarbeiter in ruhiger, zurückgelehnter Haltung auf eine Frage antwortet, die für den Chef höchste Priorität hat, sagt Allard. „Das bedeutet aber nicht, dass Sie ein völliger Irrer werden sollen, wie Ihr Chef einer ist. Aber Sie sollten im Hinterkopf behalten, dass für einige Bosse alles oberste Priorität hat.“

Einige Bosse sehen sich auf der Karriereleiter nach ganz oben. Das ist ihr Ziel, da wollen sie hin. Jedes Projekt ist daher für sie das wichtigste. Und deshalb fordern sie ihren Mitarbeitern alles ab. Andere wiederum sind ängstlich, unorganisiert oder so fokussiert auf die nächste Krise, dass sie nicht einmal mitbekommen, woran ihre Mitarbeiter gerade arbeiten. Was auch immer der Grund dafür ist, dass der Chef Sie mit Arbeit zuschüttet, seien Sie gut vorbereitet, um Ihre Projekte, an denen Sie gerade arbeiten, genauestens zu erklären. Und legen sie einen Zeitplan vor.

Prioritäten erarbeiten

Wenn der Chef Ihnen trotzdem das nächste Projekt aufs Auge drücken will, fragen Sie ihn nach den Prioritäten, in welcher Reihenfolge er die Arbeit bewältigt sehen will, sagt Cali Williams Yost, ein Berater für flexibles Arbeiten. Beth Fisher-Yoshida, Direktorin des Verhandlungs- und Konfliktlösungsprogramms an der Columbia University, rät in Situationen, in denen die Arbeit einfach nicht zu schaffen ist, dazu, dem Chef einen Split der Projekte vorzuschlagen. Ein Teil wird innerhalb der vorgeschriebenen Deadline erledigt, der Rest später. Oder Sie fragen, ob Sie Teile des Projekts an Kollegen delegieren können.

Ist es unverhältnismäßig, was der Chef von ihnen verlangt, verhandeln Sie mit ihm klare Grenzen. Amy Cooper Hakim, eine Managementberaterin aus Florida, kennt den Fall eines Accountmanagers, der seinem Chef zusagte, alle Anrufe, Mails und Nachrichten bis 21 Uhr zu beantworten. „Grenzen sind wichtig für die Leistung im Job“, sagt Hakim, Co-Autorin des Buches „Working with difficult people“, das den Umgang mit aggressiven Chefs beleuchtet. „Wer hochproduktiv im Job arbeiten will, braucht seine Auszeiten“, sagt Hakim.

Kompromisse suchen

Als der Boss von Connie Thanasoulis einmal von ihr verlangte, sie solle während des Sommers jeden Samstag arbeiten, lehnte sie höflich ab und sagte: „Sorry, aber ich habe andere Dinge am Samstag vor. Ich habe Familie.“ Thanasoulis, die mittlerweile als Karrierecoach arbeitet, bot ihrem Chef an, unterhalb der Woche länger zu arbeiten, um die Arbeit zu schaffen. „Manchmal ist es sinnvoll, die Arbeit aufzustocken. Wenn Sie einen ambitionierten Chef haben, der gerade an aufregenden Projekten arbeitet, können Sie in seinem Windschatten eine Menge lernen“, sagt Thanasoulis.

Kristin Stone arbeitete bei einem Finanzdienstleister unter einem sehr fordernden Chef. Sie musste bei der Arbeit Atemübungen machen, um den Stress zu bewältigen. Trotzdem kooperierte sie mit dem Chef, weil sie wusste, dass er sie respektiert, ihre harte Arbeite anerkennt und sie unterstützen wird, wenn sie Hilfe braucht. „Wenn Sie von Ihrem Extraengagement profitieren, dann ist es vollkommen in Ordnung, sich über das normale Maß einzubringen“, sagt Stone, die einen Blog zum Thema Karriere schreibt. Ihr Boss beförderte sie schon bald und half ihr später einen neuen Job zu finden – unter einem sanftmütigeren Chef.

Copyright The Wall Street Journal 2017

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