Smarte ProblemlöserWie Carrypicker den Lkw-Transport digitalisieren will

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Klimawandel, Armut, Flüchtlingskrisen: Die Welt ist voller Probleme. In einer Serie präsentiert Capital Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit – von smarten Köpfen und innovativen Unternehmungen. Diesmal: Carrypicker


Das Problem:

Die Logistikbranche ist mit der Digitalisierung weit vorangeschritten – eine Ausnahme ist jedoch der Straßengütertransport. Jeder dritte Lkw in Deutschland ist nicht komplett ausgelastet. Das liegt daran, dass die meisten Lkw Teilladungen von verschiedenen Kunden umherfahren.

Die Disposition ist kompliziert. Eine optimale Verteilung hängt von bis zu 50 verschiedenen Einzelfaktoren ab, die berücksichtigt werden müssen: Wie groß ist die Ware? Wo soll sie hin geliefert werden? An welchem Wochentag findet die Lieferung statt? Und müssen Sonderbedingungen wie Stau oder Ferienzeit eingerechnet werden. Deshalb sei ein durchschnittlicher Lkw in Deutschland nur zu 70 Prozent ausgelastet, erklärt Andreas Karanas, CEO von Carrypickers.

Diese Mängel in der Logistikkette verursachen nicht nur Kosten, sondern belasten auch die Umwelt. Laut Umweltbundesamt stößt ein beladener Lkw circa 103 Gramm Kohlendioxid pro gefahrenen Tonnenkilometer aus (Stand 2017). Durch schlecht ausgelastete Transporte steigt das Verkehrsaufkommen und somit auch der CO2-Ausstoß zusätzlich an.

Die Lösung:

Die digitale Spedition Carrypickers will Lkw-Transportwege intelligenter gestalten, um Waren ökonomischer und ökologischer zu versenden. Dazu orientiert sich das Team des Hamburger Start-ups an dem Prinzip der dynamischen Preis-Mengen-Steuerung. Während Fluggesellschaften damit individuelle Sitzplatzpreise berechnen, um Flugzeuge bestmöglich auszulasten, will Carrypickers die Profitabilität des Straßengüterverkehrs durch optimale Warenverteilung steigern.

Das soll mit Hilfe von Großrechnern und KI-Technologie gelingen: Basierend auf über 300 Millionen Daten berechnen Algorithmen, wie Teilladungen vorteilhaft zusammengefasst werden können, um sie  verfügbaren Kapazitäten zuzuteilen und ungenutzten Lkw-Stauraum zu füllen.

„In dem Moment, in dem ein Auftrag für eine Teilpartie eingeht, erhält der Auftraggeber einen Preisvorschlag, der die Wahrscheinlichkeit berechnet, ob noch eine weitere Teilladung aquiriert werden kann, ob es einen verfügbaren Lkw gibt und zu welchem Preis ein Unternehmer diesen zur Verfügung stellt“, so Karanas. Nach eigenen Angaben sollen dadurch die Auslastung eines Lkw auf über 80 Prozent erhöht und jährlich 4,1 Megatonnen CO2 in der deutschen LKW-Branche eingespart werden.

Der Kopf dahinter:

2017 gründete Andreas Karanas Carrypickers. Rund eineinhalb Jahren war das Start-up mit der Entwicklung der Algorithmen beschäftigt. Neben klassischen Disponenten gehören Mathematiker, Datenanalysten,  Entwickler und Logistiker zu dem 25-köpfigen Team. Im März 2019 erhielt das Logistik-Start-up eine Unterstützung in Höhe von 2,4 Mio. Euro durch das Förderprogramm mFUND des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.