UhrenTAG Heuer und Porsche geben gemeinsam Gas

Virtuelle Verkündung der Partnerschaft: Frédéric Arnault (TAG Heuer; links) und Detlev von Platen (Porsche; rechts)
Virtuelle Verkündung der Partnerschaft: Frédéric Arnault (TAG Heuer; links) und Detlev von Platen (Porsche; rechts)TAG Heuer

Ein Schulterschluss zwischen der Auto- und der Uhrenbranche ist an sich weder überraschend noch unerprobt. Hier wie da geht es um Räder(chen) in höchster Rotation, um Laufruhe, um perfekte Ingenieurskunst und Bestzeiten. Kein Wunder also, dass es in den vergangenen Dekaden nicht an persönlicher Nähe zwischen Machern beider Branchen noch an gemeinsamen Projekten und Armband- oder zumindest Armaturenbrett-Uhren mangelte.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder inhaltliche Gewichtung sei hier an folgende aktuelle oder beendete Zusammenarbeiten erinnert: IWC und Mercedes-AMG, an Zenith und Land Rover, Bremont und Jaguar, Roger Dubuis und Lamborghini, Baume & Mercier und Shelby, Breitling und Bentley, Hublot und Ferrari, Parmigiani Fleurier und Bugatti, Richard Mille und McLaren, Chopard und das Classic-Car-Event Mille Miglia, Sinn und Audi, Bulgari und Maserati, das legendäre Modell „Daytona“ von Rolex – und TAG Heuer mit Aston Martin. Bei der letztgenannten Marke waren übrigens zuvor Jaeger-LeCoultre und Richard Mille uhrmacherische Co-Piloten.

Nicht zu vergessen natürlich die Kreativschmiede Porsche Design und ihre wichtigste Inspirationsquelle, die ikonischen Sportwagen des namensgebenden Autokonzerns, von 911er-Varianten wie GT3, Turbo, Speedster oder Targa bis zu nach Kundenwunsch gefertigten Stücken farblich und im Leder passend zum eigenen Porsche. Somit steht längst fest, Uhren und Autos vertragen sich und bringen vereint mitunter reichlich P(O)S-Stärke auf die Einkaufsstraße.

TAG Heuer und Porsche:Zwei rasante Marken, ein Ziel – Bestzeiten, am Arm und auf der Strecke
TAG Heuer und Porsche:Zwei rasante Marken, ein Ziel – Bestzeiten, am Arm und auf der Strecke

Insbesondere durch die Historien von TAG Heuer und Porsche ziehen sich für Fans beider Marken spannende Parallelen und Begegnungen. Da wären zunächst die zwei Markenväter selbst, Edouard Heuer und Ferdinand Porsche, jeder für sich ein berühmter Pionier und Selfmademan seiner Zunft. Heuer entwickelte den ersten Chronographen, Porsche stellte bei der Weltausstellung in Paris 1900 das erste Fahrzeug mit elektrischem Radnabenmotor vor. Ebenso außergewöhnlich verliefen die Karrieren ihrer Nachfahren, was die jetzige Partnerschaft geradezu logisch erscheinen lässt.

So gehörte beispielsweise Jack Heuer, Urenkel des Gründers, zu einem der ersten Autobesitzer des Kantons Bern. Eine seiner erfolgreichsten Uhren wurde das Chronographenmodell „Carrera“, vorgestellt 1963 und benannt nach dem Rennen Carrera Panamericana auf Mexikos Straßen, das wegen diverser tödlicher Unfälle nur fünfmal, von 1950 bis 1954, veranstaltet wurde. Im letzten Austragungsjahr gewann ein Porsche-Team die gefährliche Reifeprüfung. Ein Revival als Oldtimer-Ralley folgte ab 1988.

1948 gründete Ferdinand Anton Ernst Porsche, der Sohn des E-Motor-Erfinders, die auf den Familiennamen getaufte Automarke. Auch ihn inspirierte die halsbrecherische Hatz in Südamerika, weshalb der damals stärkste Motor „Carrera“ hieß.

Dort wo heißes Reifengummi auf der Strecke zurückbleibt, kreuzten sich die Wege von Heuer und Porsche über die folgenden Jahrzehnte wieder und wieder. Mit dem ersten wasserdichten Chronographen in quadratischer Form, der Heuer Monaco, zollte man dem Großen Preis des Fürstentums und der Rallye Monte Carlo Respekt, wo Porsche recht erfolgreich abschnitt. Ende 1969 trugen rund 50 Prozent der Formel-1-Bleifüße eine Heuer, von 1971 bis 1979 erhielten alle Ferrari-Fahrer eine goldene Uhr der Manufaktur, auf deren Gehäuserückseite ihr Name und ihre Blutgruppe graviert waren. Legendär auch der Auftritt von Leinwandheld Steve McQueen in „Le Mans“ (1970), auf dessen Overall das Heuer-Logo zu sehen war, ehe er in seinen Porsche 917 stieg. Unbezahlbares Marketing!

Auch der Sportwagenhersteller begann mit der Entwicklung eigener Uhren, Erstling war 1972 ein Chronograph von Porsche Design. In den späten 70ern folgte ein Alu-Modell samt Kompass mit IWC, Anfang der 1980er dann die erste Uhr aus Titan. Mit IWC sollte Porsche noch bis Ende der Neunziger verbunden bleiben.

Für TAG Heuer, wie die Marke seit 1985 heißt, ist die weitreichende Verbindung zu Porsche ein neues Kapitel nach Uhrenprojekten mit McLaren, Audi, Nissan, Red Bull Racing und Aston Martin.

Übrigens: Sogar an einem TAG-Porsche-Motor tüftelten beide Unternehmen erfolgreich, der dem McLaren-Team gleich dreimal in Folge den Weltmeistertitel sicherte: 1984 mit Niki Lauda am Steuer sowie 1985 und 1986 mit Alain Prost. 1999 arbeitete man zudem beim Porsche Carrera Cup, dem Supercup und der Endurance-WM zusammen. Eine mehr als gewachsene und breite Basis für die nun noch enger verzahnte Zukunft also.

Erstes Resultat der Zusammenarbeit: der neue TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph
Erstes Resultat der Zusammenarbeit: der neue TAG Heuer Carrera Porsche Chronograph

Dennoch betraten Frédéric Arnault, CEO von TAG Heuer und einer der zwei Söhne von LVMH-Patriarch Bernard Arnault, und Detlev von Platen, Vertriebs- und Marketingvorstand von Porsche, bei ihrer virtuellen Präsentation der neuen, ganzheitlichen Zusammenarbeit in gewisser Weise Neuland. Bei einem nicht explizit angesprochenen Thema sorgten sie für ein kleines Fragezeichen bei den Journalisten.

Zunächst die wichtigsten Fakten zur Zusammenarbeit zwischen Stuttgart und La-Chaux-de-Fonds in der Schweiz: gemeinsames Ausrichten von Motorsport-Events, etwa für das TAG Heuer Porsche Formel-E-Team, das sich bereits in der Saison 2019 mit André Lotterer am Steuer des 99X Electric über einen zweiten Platz freuen konnte. Nächstes Ziel, klar, die Weltmeisterschaft. Ebenso will man im Bereich Golf und Tennis zusammenrücken, und natürlich bei Veranstaltungen aller Art für Porsche-Enthusiasten. Last but not least besiegelt eine Uhr das Bündnis, der TAG Heuer Carrera Sport Chronograph, mit diversen Design-Anleihen aus der Welt der Sportwagen wie gravierten Schriftzüge, einem Schwungrad in Lenkrad-Form und dem Zifferblatt mit Asphalteffekt sowie Zahlen, die an eine Instrumententafel erinnern. Das Manufakturwerk Heuer 02 mit 80-stündiger Gangreserve sorgt außerdem für genügend Energie für eine Wochenend-Ausfahrt.

Aus Sicht der beiden Topmanager kommt nun nach Jahrzehnten voller „Begegnungen“ endlich zusammen, was bezüglich der Leidenschaft für perfekte Produkte und eingeschworener Fangemeinden zusammengehört. Frédéric Arnault sagte: „TAG Heuer und Porsche haben eine gemeinsame Geschichte und gemeinsame Werte, vor allem aber eine gemeinsame Einstellung. Wie Porsche sind auch wir immer auf der Suche nach Neuem und Besserem, nach der ultimativen Performance.“ Und Detlev von Platen fügte hinzu: „Wir bringen zusammen, was die Kunden am meisten an beiden Marken lieben: eine authentische Geschichte, aufregende Sportereignisse, einzigartige Lebenserfahrungen und die Erfüllung von Träumen.»

Wie sich die neue Partnerschaft nun allerdings auf das eigene Uhren-Engagement unter dem Dach von Porsche Design auswirken wird, blieb unklar. Eine friedliche Koexistenz scheint durchaus möglich, dürfte die Kommunikation in Richtung Kundenkreis und Fangemeinde jedoch nicht erleichtern.

Bei aller hervorgehobenen Harmonie, im Fuhrpark des TAG-Heuer-Chefs gibt es definitiv Luft nach oben. Denn, zitierte ihn Nick Foulkes in der „Financial Times“: „Ich besitze keinen Porsche, aber das könnte sich noch ändern. Ich würde mir wahrscheinlich eines der letzten Modelle wie den Taycan aussuchen. Der 911er ist natürlich auch ein fantastisches Auto. Zwischen diesen beiden müsste wohl die Entscheidung fallen.“

 


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