UhrenCapital Watch Award: Das sind die besten Uhren 2020

Capital Watch Award 2020Mathilde Karrèr

Als der Luxuskonzern LVMH im Januar unter der Sonne Dubais die Neuheiten seiner Uhrenmarken präsentierte – darunter Hublot, Bulgari und TAG Heuer – schien die Welt noch weitgehend in Ordnung. Same procedure as every year. Auch Mitte Februar hielt sich dieses Gefühl der Normalität, als die Fachmesse Inhorgenta in München ihre Hallentore öffnete. Ja, da waren die besorgniserregenden Ereignisse in China, Ausgangssperren und geschlossene Geschäfte. Nicht gut für eine Branche, die je nach Marke zum Teil deutlich über die Hälfte ihres Geschäfts in Fernost macht. Aber auch keine Katastrophe. Die folgte dann jedoch einen knappen Monat später. Über Nacht änderte sich nahezu alles, und die erfolgsverwöhnten CEOs der großen wie kleinen Manufakturen mussten in den Krisenmodus umschalten.

Jean-Christophe Babin von Bulgari bekannte damals freimütig: „Ich musste noch nie in so kurzer Zeit so viele Entscheidungen treffen.“ Sein Kollege Matthias Breschan – damals noch an der Spitze von Rado, heute bei Longines am Ruder – hatte sich Anfang Mai bereits von den bis dato gehegten Umsatzzielen verabschiedet. Gleichwohl sah er auch Chancen: „Die Rückbesinnung auf verlässliche Qualität und nachhaltigen Konsum könnte für die Schweizer Uhrenindustrie durchaus positive Effekte haben!“ Ähnlich zuversichtlich zeigte sich auch eine der wenigen Frauen in der CEO-Riege, Catherine Rénier von Jaeger-LeCoultre. Für sie stehen ein immer besserer Service – stationär wie virtuell – und weitere Schritte zur Gleichberechtigung von Frauen im Business ganz oben auf der To-do-Liste der Branche. Ihr motivierendes Mantra: „Ziele auf den Mond, dann landest du auf jeden Fall zwischen den Sternen, selbst wenn du daneben triffst“.

Das war dringend notwendiger (Zweck-)Optimismus, vor allem in den ersten Monaten der Pandemie, in der es für die Uhrenwelt eine negative Schlagzeile nach der anderen zu ertragen gab. Geschlossene Boutiquen und Fertigungsstätten, abgesagte Messen in Genf und Basel, wieder und wieder verschobene Neuheiten, Händlergespräche über Zoom, Lockdown statt Business Class. Wann würden die Uhrmacher wieder ans Werk gehen können? (Ab Mitte Mai.) Wären Lieferengpässe und Preissteigerungen zu befürchten? (Nicht dramatisch.) Würde der Gebrauchtmarkt an Dynamik zulegen? (Hier wurde defintiv von der vorübergehenden Knappheit profitiert.) Und, für viele Fans fast noch wichtiger: Kommen neue Modelle von Patek Philippe, von Rolex, von Omega? (Ja, wenn auch teils um Monate verspätet.)

Ein Ausnahmejahr, keine Frage, und natürlich nicht nur für die Luxus- und Uhrenmarken. Die konnten schon im Frühsommer wieder Zuversicht verbreiten, schließlich bewegten sich die Zahlen in China dann bereits wieder auf Vorjahresniveau. Der Abgrund rückte in beruhigende Ferne.

Macht es in einer so besonderen Situation überhaupt Sinn, die besten Uhren gegeneinander antreten zu lassen? Könnte und sollte es einen Capital Watch Award 2020 geben? Unbedingt, das war nach Sichtung der Einreichungen der rund 180 Modelle von 56 Marken rasch klar. Denn: Trotz schlafloser Nächte, getrübter Bilanzen und einer wolkenverhangenen Zukunft, hat die Branche nichts von ihrer Kreativität, ihrem Ingenieurswissen und ihrer Innovationskraft eingebüßt. Das konnte auch unsere 20-köpfige Jury aus Uhren- und Lifestyle-Experten nach einem intensiven Auswahlprozess bestätigen. Ihr Fazit: „Ein erstaunlich starker Jahrgang!“

Doch überzeugen Sie sich selbst: Hier sind sie, die elf Gewinner des 3. Capital Watch Award – die besten Uhren des Jahres 2020. Allen Siegern unseren herzlichsten Glückwunsch!