Uhren„Unsere Werte sind ein wichtiger Wegweiser für die Zukunft“

Catherine Renier, CEO von Jaeger-LeCoultreJohann Sauty/Jaeger-LeCoultre

Seit 2018 führt die Französin Catherine Rénier die Manufaktur Jaeger-LeCoultre, die zum Richemont-Konzern gehört und vor allem für das drehbare Modell Reverso bekannt ist. Ihre Karriere im Bereich Schmuck und Uhren begann sie 1999 bei Cartier in New York, später war sie für Van Cleef & Arpels tätig, unter anderem in Hongkong, wo sie verantwortlich war für das Geschäft in der Region Asien-Pazifik.

Catherine Rénier, wenn die Marke Jaeger-LeCoultre eine Person wäre, wie würden Sie ihn oder sie beschreiben?

CATHERINE RÉNIER: Elegant und subtil würde ich sagen. Sie oder er hat ein Faible für Kunst und authentisches Handwerk. Die Person ist in der (Groß-)Stadt zu Hause, findet jedoch erst in Outdoor-Aktivitäten die passende Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Als gut (aus-)gebildeter Mensch interessiert sich unser prototypischer Kunde für die Innovationen moderner Uhrmacherei.

Die Uhrenbranche erlebt eine schwierige Phase der Transformation: von der akuten Corona-Pandemie über sich verändernde Kundenvorlieben und einen schrumpfenden Einzelhandel. Was sind in diesem Kontext Ihre wichtigsten To-dos?

Unsere Klientel erwartet ein Höchstmaß an Service. Diesem Wunsch kommen wir seit 2019 mit unserem „Care“-Programm noch besser nach. Es umfasst die Möglichkeit einer Garantie-Verlängerung auf acht Jahre ebenso wie weitere personalisierte Angebote. Einzigartiger Service und unvergessliche Erlebnisse und Eindrücke haben absolute Priorität, egal ob in der virtuellen oder physischen Welt. In diesem Jahr steht hier das Thema Klang im Mittelpunkt, etwa bei unseren Modellen mit Minutenrepetition. Außerdem bleibt Kreativität extrem wichtig, insbesondere in der aktuellen, turbulenten Zeit. Wir investieren in Innovation und neue Produkte, um unsere Daseinsberechtigung zu erhalten, unsere Raison d’Être, und das, was unsere Manufaktur seit fast zwei Jahrhunderten auszeichnet.

Viele Marken haben immer wieder versucht, Frauen für die Welt komplexer mechanischer Uhrwerke zu begeistern. Meist mit eher durchwachsenem Erfolg. Aktuell scheint dieser Mut zu schwinden, man baut wieder stark auf Quarz und rein dekorative Modelle. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Bei Jaeger-LeCoultre haben wir schon immer mit und zu Frauen gesprochen. Sei es mit dem Werk Kaliber 101, dessen bescheidene Maße schon in den 1930er-Jahren diskrete Uhren möglich machte, oder mit unserer ewigen Ikone, der Reverso. Zu dieser Linie, die 1931 erstmals vorgestellt wurde, gehörten immer schon auch feminine mechanische Modelle in leicht schmalerem Gehäuse, vergleichbar mit dem aktuellen Modell Reverso One. Wir haben dann 2012 die Rendez-Vous präsentiert, zu deren Funktionsumfang auch eine Tag/Nacht-Anzeige und eine Mondphase gehören. Ein großer Erfolg, der bis heute anhält!

Welcher Ratschlag war der wichtigste in Ihrer bisherigen Karriere?

„Ziele auf den Mond, dann landest du auf jeden Fall zwischen den Sternen, selbst wenn du daneben triffst“. Dieser Satz drückt bildlich aus wie wichtig es ist, Risiken einzugehen und den eigenen Überzeugungen zu folgen, wenn man seine Karriere plant. Ich selbst bin auf der Suche nach neuen Chancen ziemlich in der Welt herumgekommen, was mich beruflich wie menschlich hat wachsen lassen. Ein weiterer Tipp: Wählen Sie gut aus mit wem Sie zusammenarbeiten und ob ein Unternehmen Ihre eigenen Werte teilt. Bei Jaeger-LeCoultre fühlte ich mich sofort wohl, weil hier Authentizität, der Drang nach Perfektion, ein starkes Gemeinschaftsgefühl und der Respekt vor dem Kunsthandwerk jeden Tag neu gelebt werden.

Das Klientel der Millennials und der Generationen Y und Z ist auch in der Uhrenbranche viel umschwärmt. Wie versuchen Sie diese Zielgruppen von Jaeger-LeCoultre zu begeistern?

Wir bleiben uns treu und versuchen gleichzeitig, relevant zu sein. Die bisher 187-jährige Geschichte unserer Manufaktur wurde bestimmt von Leidenschaft, Offenheit und Spitzenleistung. Und diese Werte bleiben auch unsere Wegweiser in die Zukunft, ebenso wie die Kreativität hinter jeder unserer Uhren. Natürlich nutzen wir dabei längst modernste Kommunikationsmittel, wir sind seit Jahren sehr aktiv auf für uns wichtigen digitalen Kanälen und mit neuen Inspirationen für unsere Kunden.

In Ihrer Industrie gibt es aktuell nicht einmal eine Handvoll Frauen in Top-Positionen. Wie lässt sich hier größere Teilhabe erreichen?

Ich glaube fest an das Prinzip der Chancengleichheit. Für die Besetzung einer Position sollte jede Person in Betracht gezogen werden, deren Fähigkeiten und Erfahrungen zum Anforderungsprofil passt. Das muss alles sein, was zählt, und genau so verfahren wir bei Jaeger-LeCoultre.