Uhren„Wir haben während der Krise digital Vollgas gegeben“

Ricardo Guadelupe ist seit 2012 CEO der Schweizer Uhrenmanufaktur Hublot. Hublot

Capital: Ricardo Guadelupe, im Jahr 2018 schlug Hublot hohe Wellen mit der ersten Smartwatch Ihrer Marke. Jetzt stellen Sie deren Nachfolger vor. Warum erst jetzt?

RICARDO GUADELUPE: Die „Big Bang Referee Fifa World Cup 2018“ war ein richtiger Erfolg, eine limitierte Auflage, die in wenigen Tagen ausverkauft war. Dafür hatten wir eine App rundum den Fußball entwickelt, Hand in Hand mit der Fifa, die Fans ebenso am Spiel teilhaben ließ, wie sie den Schiedsrichtern echten Nutzen brachte. Für die neue „Big Bang E“ haben wir erneut etwas Neues geschaffen, ein ganz neues digitales Modul, und das dauert einfach seine Zeit. Wir wollten wieder ein einzigartiges Produkt vorstellen.

Was ist Ihr persönliches Highlight bei dieser neuen Smartwatch?

Diese Uhr ist zunächst einmal ein richtiger big bang, denn wir haben unser Ziel erreicht, die erste Highend-Connected-Smartwatch zu erschaffen. Innovatives Keramikgehäuse, Kautschukarmband, hochwertige Schließe und als Software-Basis das Wear OS von Google. Darauf stellen wir unsere eigenen Lifestyle-Apps zur Verfügung, inklusive den ästhetisch ausgefeiltesten digitalen Zifferblätter. Abermals spielt auch Verknappung eine Rolle, denn es wird lediglich ein paar Tausend Exemplare gegeben.

Big Bang E von Hublot

Was waren die Hintergedanken dieser Neuheit, von den Funktionen bis zum Zeitpunkt der Lancierung?

Die digitale Welt wird kontinuierlich wichtiger, besonders dann, wenn den Kunden echte Erlebnisse und Mehrwerte geboten – werden mit Serviceangeboten, die den Namen verdienen. Genau das lösen wir mit der „Big Bang E“ ein, die gleichzeitig der Startschuss für unsere neue Online-Boutique ist, in der dieses und viele weitere Modelle ab sofort gekauft werden können. Beides war schon vor der Corona-Krise in Arbeit, doch während des Lockdown haben wir noch einmal Vollgas gegeben, um es früher zu schaffen.

Kritiker werfen der Uhrenbranche vor, den Smartwatch-Trend verschlafen und damit maßgeblich Tech-Gigant Apple das Feld überlassen zu haben, der mehr Uhren verkauft als alle Schweizer Marken zusammen. Ihr Standpunkt?

Smartwatches haben die Welt elektronischer Uhren revolutioniert wie einst die Quarzwerke. Die Plattformen stammen heute entweder von Apple oder Google, wobei wir uns für letztere Option entschieden haben. Trotzdem: Die hohe Kunst der Uhrmacherei wird immer zu den mechanischen Werken gehören.

Sehen Sie ein Risiko, dass der bisherige Hublot-Kunde um seine teuer erkaufte Sonderstellung fürchtet, wenn Sie nun Hightech-Modelle für Preise um die 5200 Euro anbieten?

Wir glauben fest daran, dass Luxus-Smartwatches ihren Platz im Markt haben. Der Erfolg unseres ersten Modells, der „Big Bang Referee Fifa World Cup 2018“, zeigt deutlich, dass wir damit richtig liegen.

Das Krisenjahr 2020 ist bisher nicht zimperlich mit vielen Branchen umgegangen, die Uhrenindustrie gehört definitiv dazu. Wie blicken Sie vor diesem Hintergrund auf das kommende Jahr?

Die derzeitige Krise, die wir alle gemeinsam zu meistern versuchen, ist ohne Vorbild, und die Zeit von Mitte März bis Anfang Juni war extrem schwierig. Zum Schutz unserer Mitarbeiter blieb unsere Manufaktur komplett geschlossen. Jetzt hat die Phase der vorsichtigen Öffnung begonnen, wenngleich der Tourismussektor weiterhin problematisch sein könnte – und das hätte auch für uns finanzielle Auswirkungen. Für das Geschäftsjahr rechne ich mit einem Minus von zwischen 20 und 30 Prozent, während ich für 2021 einen Sprung um 20 Prozent nach oben für möglich halte. Doch all das hängt maßgeblich davon ab, ob und wann es einen Impfstoff gegen das Coronavirus gibt.