Zeitfragen„Connected watches werden nicht lange überdauern"

Michel Parmigiani
Michel ParmigianiParmigianiFleurier


Der Uhrmacher Michel Parmigiani gründete 1996 seine eigene Marke Parmigiani Fleurier.


Capital: Wofür würden Sie sich gerne mehr Zeit nehmen?

Michel Parmigiani: Für das Gärtnern und dafür, meinen internen „Akku“ aufzuladen.

Was bedeutet für Sie Entschleunigung?

Wenn man einen meditativen Zustand erreicht.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten, in welches Jahr würden Sie reisen – und warum?

Ich würde zur Geburtsstunde unseres Planeten reisen, um Zeuge zu sein, wie alles in perfekter Harmonie seinen Platz und seine Rolle fand.

Wie sieht für Sie die Uhr der Zukunft im Jahr 2100 aus?

Ich könnte mir vorstellen, dass wir dann schon wieder mit der Sonnenuhr arbeiten, denn Zeit ist schließlich relativ.

Wofür schlägt ihr Herz: Handaufzug, Automatik, Quartz, Digital oder Smart?

Eine Uhr mit Handaufzug, weil in ihr die Schönheit der mechanischen Uhrmacherkunst bestmöglich zum Ausdruck kommt – und weil man etwa einmal in der Woche in direktem Kontakt mit ihr steht. Zum Aufziehen.

Welchen Tag und/oder welche Uhrzeit werden Sie nie vergessen?

Den 26. Mai 1996, als wir Parmigiani Fleurier offiziell gründeten. Vor allem die Stunden direkt davor, in denen meine Gefühlswelt ständig zwischen Euphorie und Sorge schwankte.

Welche Komplikation, welches Feature würden Sie gern einmal in eine Uhr integriert sehen?

Ich würde gern die Kalenderanzeige überarbeiten, um die Jahreszeiten besonders hervorzuheben.

Ihr liebstes Buch mit Uhren-Bezug (egal ob Sachbuch oder Belletristik)?

„The Story of Time“ von Kristen Lippincott und Umberto Ecco, das 1998 erschien und sich mit dem damals nahenden 21. Jahrhundert beschäftigt.

Ihr liebster Film, bei dem es um Zeit oder Uhren geht?

„Inception“ von Christopher Nolan. In dem Film thematisiert er, wie sich Zeit von einer Dimension in die nächste verlangsamt oder beschleunigt.

Die größte Herausforderung …

… für einen Uhrmachermeister heute?

Von der mechanischen Uhrenmacherei abzuschweifen.

… für die Uhrenbranche insgesamt?

Zu veralten, und da beziehe ich auch die „connected watches“ mit ein, die sich allesamt viel zu sehr ähneln und kaum lange überdauern dürften.

… in Ihrem derzeitigen Job?

Die Kunst der mechanischen Uhrenmacherei zu präsentieren und der interessierten Öffentlichkeit ihren Wert zu verdeutlichen, der gänzlich anders ist als bei Smartwatches.