Die besten Wohnlagen für Ferienimmobilien in Ligurien

Vorn 300 Kilometer Küste mit lebhaften Badeorten und kobaltblauem Meer, in dem sich Delfine tummeln, hinten reizvolle Dörfer und stille Täler in einer Berglandschaft, die unter Naturfreunden als Geheimtipp gilt. Ligurien, traditionsreiche Urlaubsregion mit Topzielen wie ­Golfo dei Poeti, Cinque Terre oder der Palmen- und der Blumenriviera, hat zwei Gesichter. Ähnlich zwiespältig ist derzeit der ­regionale Zweitwohnungsmarkt. In den populären Badeorten am Meer warten viele Eigentümer erst einmal ab. Rund 20 Prozent weniger Ferienwohnungen als üblich haben in den vergangenen ­Monaten den Besitzer gewechselt. Die Ausnahme bildet das Luxussegment, das weiterhin floriert. Es sei der harte Sparkurs der Regierung Monti, der den Italie­nern die Kauflaune verhagelt, meint Guerino Pucci, Präsident der ligurischen Maklervereinigung FIAIP, die rund 1000 Mitglieder unter ihrem Dach vereint.

Alles-muss-raus-Preise sind trotzdem kaum zu finden. Pucci erklärt dies mit dem Baustopp an der Küste und den strengen Vorschriften im Hinterland. Seit Jahren ist die Anzahl der Ferienimmo­bilien konstant geblieben. Ein weiterer Grund: 80 Prozent der rund 330.000 Objekte sind in der Hand von Privatleuten, oft Lombarden und Piemontesen, für die Ligurien Naherholungsgebiet ist. „Die Sommerwohnung unter Wert zu verkaufen wäre gleichbedeutend damit, das ­Familiensilber zu verscherbeln.“ Viele Eigentümer vermieten lieber an Touristen und decken so ihre Fixkosten.

Sie liegen damit im Trend. Hotel­urlaub an der italienischen Riviera ist passé. 75 Prozent der Urlauber mieten heute eine Wohnung oder ein Haus. Die prächtigen Grandhotels direkt am Meer und die Familienpensionen in den einzigartigen Jugendstilvillen werden sukzes­sive zu Luxusapartments umgebaut.

Ganz anders das Bild im Hinterland. „Für mich ist 2012 ein gutes Jahr. Die Nachfrage nach Ferienimmobilien ist stark wie lange nicht mehr“, sagt Peggy Peters, die im Tal nördlich von Bordighera – nahe der französischen Grenze – eine Agentur betreibt. Deutsche und Europäer außerhalb der Euro-Zone, die dank des günstigen Wechselkurses auf kräftige Abschläge hoffen, interessieren sich in der Regel wenig für Objekte am Meer. Sie bevorzugen das romantisch gelegene Landhaus im Olivenhain oder die stilvoll ausgebaute Dorfwohnung mit Terrasse und Panoramablick rund zehn Kilometer von der Küste entfernt und lassen sich bei der Suche Zeit. „Die Kunden achten ­heute öfter darauf, ob beispielsweise ein Lebensmittelladen, ein Restaurant oder eine Bar in der Nähe ist oder ob eine Busverbindung zur Küste existiert“, berichtet Peters, die von der Krise bisher wenig ­gespürt hat.

Dass die Preise seit 2009 jährlich um rund fünf Prozent gefallen sind, befeuert das Käuferinteresse. Zuvor sei Wohnraum stark überteuert gewesen, mittlerweile bewege man sich in einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis, so die Maklerin. „Trennungswillige Altbesitzer, die das nicht verstehen, bleiben auf ihrer Immobilie sitzen.“

Suchten bisher vorwiegend ältere Ehepaare ein renovierungsbedürftiges Natursteinhaus, um es nach eigenen Vorstellungen für den Lebensabend an der italienischen Riviera herzurichten, sind die Kunden heute meist jünger, ­beobachtet Helga Sporer-Hahn aus dem grünen Prinotal oberhalb von Imperia. Sie sähen den Kauf einer Ferienimmo­bilie vorwiegend als Investment – als ­Alternative zu anderen sicheren Geld­anlagen. „Am liebsten wäre ihnen das schlüssel­fertige, komplett eingerichtete Haus, in das sie nur noch ihre Koffer ­stellen müssen.“

capital.de, 31.01.2017
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