Capital erklärt Was Sie über die Fed-Zinssenkung wissen müssen

Die US-Notenbank, oft verkürzt Fed genannt, unter der Leitung von Jerome Powell hat zum zweiten Mal binnen drei Monaten den US-Leitzins gesenkt
Die US-Notenbank, oft verkürzt Fed genannt, unter der Leitung von Jerome Powell hat zum zweiten Mal binnen drei Monaten den US-Leitzins gesenkt
© Federal Reserve
Zum zweiten Mal in kurzer Zeit senkt die US-Notenbank den Leitzins – auf 1,75 bis 2,00 Prozentpunkte. Was diese Entscheidung mit Donald Trump zu tun hat und was sie für die Weltwirtschaft bedeuten könnte, erklärt Capital-Redakteur Claus Hecking

In unserer Reihe Capital erklärt geben wir einen komprimierten Überblick zu aktuellen Wirtschaftsthemen. Diesmal: die Zinssenkungen der US-Notenbank – mit Capital-Redakteur Claus Hecking, der bei Capital über internationale Wirtschaft schreibt

Warum ist die aktuelle Fed-Zinssenkung so besonders?

Innerhalb von nicht einmal drei Monaten hat die US-Notenbank zum zweiten Mal den wichtigsten Leitzins gesenkt. Besonders daran ist auch die Tatsache, dass der Leitzins davor das letzte Mal in der Finanzkrise gesenkt wurde. Und das schürt bei vielen Beobachtern die Sorge, dass wieder eine Krise bevorsteht. An einigen Stellen der Welt ist bereits eine Abkühlung der Wirtschaft zu beobachten, etwa in Deutschland. Viele der Probleme gehen von den USA aus – allen voran der Handelskrieg mit China oder auch der Konflikt mit dem Iran . Die Fed begründet die Zinssenkungen damit, dass die US-Wirtschaft nicht mehr so stark wächst wie früher – was sich vor allem am Rückgang der Exporte und der Investitionen zeigt. Wenn die Federal Reserve nun den Leitzins senkt, werden Kredite günstiger. Das kann Unternehmen dazu bewegen, zu investieren und damit die Wirtschaft zu beleben.

Was hat Donald Trump damit zu tun?

Donald Trump setzt die Fed seit Monaten unter Druck, allen voran Zentralbank-Chef Jerome Powell. Zuletzt hat Trump die Notenbanker als „Dummköpfe“ bezeichnet und behauptet, dass ihre Entscheidungen die US-Wirtschaft stark belasten würden. Trump fordert noch viel radikalere Zinssenkungen – bis hin zum Nullzins. Nun ist die US-Notenbank laut Verfassung ein unabhängiges Organ. Trump schert das offenbar nicht. Er baut weiter öffentlichen Druck auf – aus Sorge um seine Wiederwahl. Denn die hängt maßgeblich am Zustand der Wirtschaft. Die aktuelle Zinssenkung der Fed hat Trump nicht direkt beschlossen. Allerdings ist der öffentliche Druck auf Powell erheblich. Zumal Trump die Fed für ein künftiges Schwächeln der Wirtschaft verantwortlich machen würde.

Welche Auswirkungen hat die Entscheidung für die Weltwirtschaft und für uns?

In wichtigen Volkswirtschaften fallen die Zinsen wieder. So hat zuletzt auch EZB-Chef Mario Draghi im Euroraum weiter an der Zinsschraube gedreht. Für Sparer und Geldanleger bedeutet das, dass sie ihr Geld kaum verzinst bekommen. Das führt dazu, dass die Preise an bestimmten Märkten steil nach oben gehen. Eine Zeit lang hat diese Entwicklung die Rohstoffpreise extrem hochgetrieben. Heute gehen in vielen Metropolen Deutschlands die Immobilienpreise durch die Decke. Zum einen gelten Immobilien als solide Anlage. Zum anderen verlocken die niedrigen Hypotheken-Zinsen zum Kauf eines Hauses oder einer Wohnung . Viele vergessen dabei allerdings, dass auch die Immobilienpreise stark gestiegen sind. Wenn so eine Immobilienblase oder eine andere Blase platzt, kann das dramatische Folgen haben. Zuletzt hat man das an der Weltfinanzkrise von 2008/09 gesehen. Auch sie war eine Folge niedriger Zinsen – die Banken weltweit dazu bewogen hatten, in hochriskante Papiere zu investieren, die ihnen mehr Rendite versprachen.

Wie werden die künftigen Entscheidungen der Fed aussehen ?

Das wird stark von der Entwicklung der US-Konjunktur abhängen. Wenn etwa der Handelskrieg mit China weiter eskaliert, dann könnte die Wirtschaft weiter abflauen – in Deutschland sind die Auswirkungen dieses Streits schon spürbar. Je mehr die US-Wirtschaft schwächelt, desto großer wird der Druck auf die Fed, die Zinsen weiter abzusenken, um einen konjunkturellen Impuls zu geben. Dass die Fed Trumps Forderung nach Nullzinsen nachkommen wird, sind allerdings unwahrscheinlich. Denn schon die aktuelle Zinssenkung war innerhalb der Fed nicht unumstritten. Für eine weitere Zinssenkung bis zum Jahresende spricht sich aktuell Medienberichten zufolge weniger als die Hälfte der Mitglieder im zuständigen Offenmarktausschuss aus.

Warum hat die Fed kürzlich am Geldmarkt interveniert?

Über den so genannten Geldmarkt leihen und verleihen die Banken einander Geld, um sich kurzfristig zu finanzieren. Das geht seit Jahrzehnten so. Am vergangenen Dienstag kam es dort allerdings zu einem Engpass: Plötzlich gab es kaum noch Banken, die anderen Banken Geld verleihen wollten – und wenn, dann nur zu außergewöhnlichen hohen Zinssätzen von zehn Prozent pro Jahr. Derlei Ausfälle gibt es sonst nur in Finanzkrisen. Die Gründe für diesen Engpass sind bislang unbekannt; möglicherweise lag es daran, dass die Banken bestimmte Steuern zahlen mussten. In jedem Fall hat das Ereignis die Banken und Marktteilnehmer beunruhigt. Wenn die Banken einander nicht mehr Geld verleihen, kann es bei einer Bank X, die das Geld gerade braucht, zum Zahlungsausfall kommen. Das könnte wiederum die Bank Y, die vorher Geld an Bank X verliehen hat, treffen – und dazu führen, dass Bank Y nicht mehr ihre Schulden zurückzahlen kann. Und schon ist der ganze Markt panisch. Die Fed hat den Banken nun mehr Geld zur Verfügung gestellt: in einem ersten Schritt konnten sich die Banken bei ihr rund 50 Mrd. Dollar leihen. Der Geldmarkt hat sich nun wieder beruhigt – vorerst. Die Marktteilnehmer bleiben nervös. Sie werden wachsam darauf blicken, was am Geldmark in den nächsten Wochen und Monaten passiert.


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