WährungsstreitWas die Eskalation des Handelskriegs für die Märkte bedeutet

Donald Trump geht auf Kollisionskurs zu Chinas Präsident Xi Jinping
Donald Trump geht auf Kollisionskurs zu Chinas Präsident Xi JinpingGetty Images

Für US-Präsident Donald Trump war es kein guter Wochenstart. Die chinesische Währung Renminbi verlor am Montag stark an Wert: Ein US-Dollar entsprach plötzlich mehr als 7 Renminbi – eine Abwertung um rund 1,5 Prozent. Damit überschritt die chinesische Währung eine Marke, die am Währungsmarkt als „rote Linie“ gilt. Für Trump ein klarer Fall: „China hat den Preis seiner Währung auf ein fast historisches Tief gesenkt. Das nennt sich ‚Währungsmanipulation‘“, empörte er sich auf dem Kurznachrichtendienst Twitter. „Hörst du das, Federal Reserve? Dies ist ein schwerer Verstoß, der China mit der Zeit stark schwächen wird!“

Tatsächlich reguliert die chinesische Notenbank ihre Währung Renminbi – international als Yuan bezeichnet – normalerweise innerhalb einer bestimmten Spanne. Am Montag jedoch hatte sie einer starken Abwertung ihren Lauf gelassen. Ein schwächerer Yuan erleichtert Chinas Firmen den Welthandel und könnte negative wirtschaftliche Folgen durch US-Strafzölle teilweise ausgleichen. Vorbei sind die Hoffnungen auf eine baldige Beruhigung des Handelskriegs zwischen China und den USA – stattdessen scheint der Konflikt so ausweglos wie nie.

Am 6. August war 1 Dollar mehr als 7 Yuan wert

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Neues Feuer bekam der Streit vergangene Woche, als Trump Strafzölle in Höhe von zehn Prozent auf chinesische Importe im Wert von 300 Mrd. US-Dollar ankündigte. China reagierte umgehend und stellte die Einfuhr von US-Agrarprodukten ein – damit dürfte die Volksrepublik eine wichtige Wählergruppe des US-Präsidenten verärgert haben. Mit der anschließenden Abwertung der eigenen Währung hatte kaum jemand gerechnet. Noch am Freitag hatte etwa die Commerzbank in einer Analyse prognostiziert, dass die chinesische Zentralbank einen Wechselkurs zwischen US-Dollar und Yuan über der Sieben-Dollar-Marke verhindern dürfte.

Ist der Vorwurf der Währungsmanipulation berechtigt?

Andreas Busch, Analyst beim Vermögensverwalter Bantleon, glaubt nicht an eine baldige Entspannung der Lage: „Eine Annäherung im Handelsstreit, wie noch vor wenigen Tagen erhofft, scheint in weiter Ferne.“ Die Perspektiven für risikobehaftete Anlagen wie Aktien seien daher kurzfristig trüb. Das zeigte sich auch an den weltweiten Märkten: Die US-Indizes Dow Jones und S&P 500 stürzten zu Wochenbeginn um knapp drei Prozent ab. Besonders hart traf es den Tech-Index Nasdaq 100, der mehr als vier Prozent verlor. Auch der deutsche Leitindex Dax sackte um 1,8 Prozent nach unten.

Der Dax ist unter die 12.000-Punkte-Marke gerutscht


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Claudia Calich, Fondsmanagerin bei der Vermögensverwaltung M&G, kann die Aufregung auf US-Seite nicht nachvollziehen. „Die Abwertung des Renminbi entsprach in etwa der anderer asiatischer Währungen. Wenn überhaupt, wurde der Renminbi bis vor kurzem sogar weniger abgewertet als die Nachbarwährungen“, sagt die Anlageexpertin. Bisher habe die chinesische Notenbank nur selten in ihre Währung eingegriffen, zitiert Calich den jüngsten Bericht des US-Finanzministeriums. „Die Behauptungen der USA in Bezug auf den Protektionismus und staatliche Subventionen in China sind zwar berechtigt, aber nichts Neues.“

Trotz der verschlechterten Lage sieht Bantleon-Analyst Busch mehrere Gründe dafür, dass „Donald Trump doch nicht bis zum Äußersten geht.“ Denn weitere Strafzölle auf chinesische Konsumgüter schadeten auch dem US-Präsidenten. Liefert China etwa keine Smartphones und Laptops mehr, würde das vor allem die US-Konsumenten treffen. Das könnte Trump vor der anstehenden Präsidentschaftswahl 2020 Wählerstimmen kosten. Auch ist laut Busch die US-Wirtschaft nicht mehr so robust wie am Anfang des Handelskonflikts: „Die Industrie steht kurz vor einer Rezession und die Investitionsdynamik der Unternehmen hat merklich abgenommen.“ Auch das spreche gegen eine weitere Belastung des privaten Konsums durch Strafzölle. Darüber hinaus könne Trump nicht auf den Beistand der US-Notenbank setzen. Diese hatte die jüngste Zinssenkung schließlich als einmalige Präventionsmaßnahme bezeichnet. Sollte sich der Handelskrieg weiter verschärfen und die USA in eine Rezession stürzen, „werden das auch die Notenbanken nicht verhindern können.“