Interview„Nicht jede Innovation hat das Zeug zur Ikone“

Klaus-Dieter Koch, Brand Trust
Klaus-Dieter Koch, Brand TrustBrand Trust GmbH


Klaus-Dieter Koch ist Gründer und Geschäftsführer der Beratungsfirma Brand Trust mit Sitz in Nürnberg und Spezialist für Markenführung und Marketing. Zuletzt blickte er mit seinem Team in einer großen Studie auf das Luxus-Kaufverhalten der Millennials.


 

Wie würden Sie Ihren Uhrengeschmack beschreiben?

Sehr breit. Ich liebe die Klassiker und Retrouhren ebenso wie wirklich innovative Designs und Materialien. Leider zeigt sich bei Letzteren erst nach Jahren, ob sie die Substanz zur Ikone haben.

Wie viele verschiedene Uhren tragen Sie im Laufe einer Woche?

Das hängt von meinen Reisen ab. Ich bin grundsätzlich nur mit der Uhr unterwegs, die ich am Handgelenk trage. Mehrere Uhren mitzunehmen ist gefährlich, und zwar nicht nur wegen möglicher Diebstähle, sondern vor allem wegen Zollvorschriften sowie man die EU verlässt. Da wird gerne mal konfisziert.

Nach welchen drei Kriterien suchen Sie eine (neue) Uhr aus?

Für mich zählen die Glaubwürdigkeit der Marke und ihre Geschichte, dann Raffinesse sowie Neuigkeitswert des Designs und der verwendeten Materialien und schließlich die Qualität des Werks und der Komplikation(en).

Können Sie sich noch an Ihre erste Uhr erinnern?

Das war eine Digitaluhr von Omega zum Schulübertritt. Die „alte“ Schweizer Uhrenindustrie war die erste Industrie, die durch die Digitalisierung zerstört wurde, sich neu erfunden hat und dann umso grandioser wiederauferstanden ist. So wird es noch vielen Industrien gehen.

Ihr bester Tipp zum Zeitsparen im Alltag oder Job?

Im Job: Alles nur einmal anfassen, aber dann richtig. Dinge nicht zu Ende zu bringen, ist Zeitverschwendung. Im Alltag: Den Moment intensiv genießen und sich dabei möglichst wenig ablenken lassen. Dann läuft die Zeit langsamer.

Ihr bester Tipp gegen Prokrastination/Verschieberitis?

Sich maximal drei bis fünf Punkte vornehmen, die man erledigen will, und das dann auch wirklich zu tun.

Warum hat die Armbanduhr bisher die digitale Transformation überlebt?

Weil digitale Transformation mehr ist als die Herstellung digitaler Produkte. Und wenn die Apple Watch eine Armbanduhr ist, dann ist das iPhone eine Taschenuhr.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten – in welches Jahr würden Sie reisen und warum?

Die Jahre zwischen 1871 und 1914, das Ende der „Welt von gestern“. Sicherlich verbunden mit ähnlichen Umwälzungen, wie wir sie heute erleben, und sehr lehrreich für unsere Zeit.

Welche Uhr ist Ihnen besonders lieb und teuer? Mit welchem Zeitmesser verbinden Sie besondere Erlebnisse, Anekdoten oder Menschen?

Meine Rolex GMT Master I Coke von 1986. Die habe ich mir zur Belohnung gekauft, als meine erste Unternehmensgründung erfolgreich war.