GastbeitragIst „#Social“ das neue „#Digital“?

Saskia Bruysten, 38, Yunus Social Business, Gründerin und CEO
Saskia Bruysten hat zusammen mit dem Nobelpreisträger Mohammad Yunus den Venture Fund Yunus Social Business gegründet, der Sozialunternehmen rund um die Welt finanziert.Saskia Bruysten


Saskia Bruysten ist Mitgründerin und CEO von Yunus Social Business. Sie war in der Vergangenheit Teil von Deutschlands Top 40 unter 40, die jedes Jahr von Capital gekürt werden.


Es geht hier ausnahmsweise nicht um #Social wie „Social Media“. Wir wissen alle, dass die digitale Revolution Unternehmen in den letzten zehn Jahren fundamental verändert hat. Die Enzyklopädie Brockhaus wurde von Wikipedia ersetzt, Videoverleiher Blockbuster von Netflix verdrängt, Kodak musste Smartphones weichen. Sie wurden alle neudeutsch „disrupted“.

Ich bin überzeugt, dass im Moment die nächste Welle auf die Firmen einbricht und zwar die der „social disruption“. Wer einen positiven Beitrag zur Gesellschaft nicht bald als Teil seines Kerngeschäfts versteht, ist bald genauso weg vom Fenster, wie diejenigen welche die digitale Revolution verschlafen haben. #Social is the new #digital.

Aus allen Bereichen der Gesellschaft wächst der Druck auf Unternehmen. Kunden fragen Unternehmen nach transparenten Lieferketten. Millenial Mitarbeiter wollen nicht mehr für Konzerne arbeiten, die schlecht für die Welt sind. Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat Millionen von jungen Anhängern mobilisiert. Die radikalere Grassroots Bewegung Extinction Rebellion legt diese Woche Berlin lahm. Die Grünen haben in der Europawahl stark zugelegt. Die Große Koalition wird mit ihrem Klimapaket zum Handeln gezwungen und sorgt so auch bei Unternehmen für Handlungsdruck.

Unternehmen sind der Schlüssel zur Lösung der großen globalen Fragen

Aber selbst aus den eigenen Reihen der Wirtschaft wird die Kritik lauter. Larry Fink, CEO des weltweit größten Investors Blackrock postuliert, dass seine Fonds nur noch in Firmen investieren, die ihre Verantwortung für die Welt ernst nehmen. Der Kapitalismus, so Hedgefundmilliardär Ray Dalio, stelle in seiner derzeitigen Form „eine existenzielle Bedrohung“ für die Menschheit dar. Und selbst der „Business Roundtable“, das amerikanische Äquivalent zum BDI, hat nun diesen August offiziell von seiner über 30 Jahre gehaltenen Maxime der Shareholder Value Maximierung (Profite für Anteilseigner als alleiniges Ziel von Unternehmen) Abstand genommen.

Was aber ist die Lösung? Unternehmen sind nach meiner Ansicht die stärkste Kraft in unserer Gesellschaft. Sie sind das beste Instrument, um Ziele möglichst effizient zu erreichen. Der Staat und NGOs alleine sind nicht in der Lage unsere globalen Probleme zu lösen. Wir als Unternehmen haben nun die historische Verantwortung unsere Geschäftsmodelle umzubauen, um Lösungen zum Klimawandel und den sozialen Problemen zu entwickeln. Und in der Ära der Social Disruption geht es für Unternehmen nun nicht mehr allein darum das Richtige zu tun, sondern auch um das blanke Überleben. Nur wie konkret?

Nach einem klassischen BWL-Studium und einigen Jahren als Unternehmensberaterin in München und New York kamen mir mit Mitte 20 zum ersten Mal Zweifel am Sinn des Ganzen. Die Finanzkrise hatte gerade begonnen und ließ den bis dahin triumphierenden Kapitalismus für eine ganze Generation in einem neuen Licht erscheinen. Als ich im gleichen Jahr einen Vortrag des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus hörte, war ich begeistert von seiner Idee des Social Business. Das sind Firmen, die 100 Prozent darauf fokussiert sind, ein soziales oder ökologisches Problem zu lösen, dabei aber profitabel wirtschaften. Sie haben das Ziel der Gesellschaft zu dienen und gleichzeitig die Effizienz und Schlagkraft von traditionellen Unternehmen. Direkt nach dem Vortag sprach ich Yunus an, gab ihm meine Karte und flog kurze Zeit später nach Bangladesch, um mir anzuschauen, wie Social Businesses saubere Energie, Mikrokredite und Bildung an Millionen in einem Land brachten, das von Armut beherrscht wird. War es möglich, dieses soziale Erfolgskonzept in andere Länder zu exportieren?