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Immobilienpreise und Mietspiegel: Neuwied

Immobilien- und Mietpreise in Neuwied

Der Immobilienmarkt in Neuwied

Versteckte Rheinperle mit offenen Schwächen – Die besten Wohnlagen in Neuwied

Von Rockenfeld hat die Welt noch nicht gehört, wohl aber von Auswanderern aus dem Ort und ihren Nachfahren, den Rockefellers. Dass ihr Heimatdorf in Neuwieds Stadtteil Feldkirchen inzwischen eine Wüstung ist, verleiht dem Emigranten-Histörchen eine besondere Würze.
Versteckt findet sich darin auch ein Fingerzeig auf Neuwieds bürokratische Gewohnheiten. Eingemeindungen, Neugliederungen und Umschichtungen dokumentieren eine besondere Liebe zum Sortierwesen, deren letzter Streich eine Verwaltungsreform von 1970 war. Damals entstand nördlich von Koblenz nicht etwa Neuwied, sondern die Neue Stadt Neuwied, derzeit mit 65.000 Einwohnern in zwölf Stadtteilen.

Mit einem Rheinwärts-Trend hat vor Jahrhunderten die Unrast begonnen. Als den Grafen von Altwied das Wasser wirtschaftlich bis zum Hals stand, gründeten sie Neuwied am flachen Flussufer in der Hoffnung auf Brosamen vom Rheinhandel. Preis dafür waren nasse Füße. Erst ein Deichbau hat 1931 die regelmäßigen Überflutungen stoppen können.

Seinen Ruhm als Stadt der Freigeister erntete Neuwied durch Startschwierigkeiten. Im Konkurrenzkampf mit Koblenz war es nicht leicht, Neubürger zu gewinnen. So zog der Graf und spätere Fürst alle Register bis hin zur Religionsfreiheit, um Menschen anzulocken. Ansehnlicher Ertrag der Strategie war eine ungewöhnlich frühe Industrialisierung durch den Elan von Querdenkern.

Eisen- und Stahlverarbeitung aber erscheinen heute wie ein Spiegelbild des Neuwieder Bürokratismus: Besitzerwechsel, Umstrukturierungen, Auflösungen. Während sich Industrie und Gewerbe neu sortieren und alte, vielfach unansehnliche Produktionsstätten rückgebaut werden, sorgen sich die Bürger um ihre Arbeitsplätze.

Der Immobilienmarkt ist vor diesem Hintergrund vor allem durch innerstädtische Bewegungen einschließlich der Suche nach preiswerten Objekten geprägt. Im Wettstreit mit Koblenz kann Neuwied derzeit nur auf die Treue Alteingesessener bauen. Immobilien, bei denen man gut 100.000 Euro gegenüber vergleichbaren Objekten in der großen Nachbarstadt sparen kann, wie auch die unbestritten ruhigen Lagen genügen jedenfalls nicht, um gänzlich frischen Wind in den Markt zu bringen.

Engers

Die besten Wohnlagen in Neuwied – Engers

Wo einst ein römisches Kastell die Rheinflotte schützte, ließ der Fürst ein spätbarockes Jagd- und Lustschloss bauen, das noch heute den Stadtteil prägt. Als Heimatstätte der Landesmusikakademie versorgt es Engers mit einem beachtlichen Konzert- und Kulturangebot. Entree dafür ist ein winziger Altstadtbereich mit hübschem Fachwerk.

Das Ensemble liefert ein Argument, sich in Engers niederzulassen. Noch überzeugender aber ist die besonders schöne und ruhige Lage am Rheinufer, die dem Ort die Toppreise in der Kommune beschert. Wer zwischen Bonn und Koblenz pendelt, wird wissen, dass sich sonst schwerlich eine Position abseits von Bahntrassen und Bundesstraßen finden lässt. Dabei lebt es sich allerdings in einem sehr engen Korridor zwischen dem Hafen im benachbarten Bendorf und anderen Gewerbegebieten.

Immobilien sind da sehr schwer zu finden, deswegen zahlen Liebhaber durchaus eine halbe Millon Euro, wenn es denn unbedingt Engers sein soll. Interessenten, die das nicht können oder wollen, wählen alternativ zunehmend das nördlich gelegene, weitaus geschäftigere Heimbach-Weis. Hier kosten Häuser zwischen 140.000 und 300.000 Euro. Wenig attraktiv erscheint hingegen der Stadtteil Block im Westen, dessen Arbeiterquartiere sich um die nahezu erschöpften Bimssteinlager gruppieren.

Stadtmitte/Am Schlosspark

Die besten Wohnlagen in Neuwied – Stadtmitte/Am Schlosspark

Der Stadtkern, das eigentliche Neuwied, hat sich den Charme einer waschechten Barockstadt bewahrt, auch wenn französische Revolutionstruppen und Rheinfluten so manchen Schaden anrichteten. Prägnante Stationen eines Stadtrundgangs wären das Schloss, in dem immer noch ein Fürst residiert, das Herrnhuter Viertel, in dem englische Internatsschüler angeblich erstmals in Deutschland Fußball spielten, und der Deich, der all die Pracht schützt.

Freilich hat die Altstadt in den vielen Jahren vor dem Deichbau beträchtlich gelitten. Umfangreiche Sanierungsmaßnahmen zwischen 1975 und 2008 konnten jedoch historische Wohnbausubstanz retten. Nun aber ringt die Verwaltung um ein Handlungskonzept, das neues Leben in die altehrwürdigen Häuser bringt. Reiner Geisen vom Stadtbauamt weiß nur zu gut um die Probleme: „Wir haben 20 Prozent Wohnungsleerstand.“ Zahlreiche Events locken Besucher in die Innenstadt, vergraulen aber die Bewohner. Beträchtliche Enge, mangelnder Komfort in den Häusern und wenig Grün schüren den Abwärtstrend. Dabei scheinen auch Versäumnisse der Stadt auf, die als Pächterin dem barocken Schlosspark Jahr um Jahr Pflege schuldig blieb – was ihm leider deutlich anzumerken ist.

Stehen im Stadtkern nur Miet- und Eigentumswohnungen zu Quadratmeterpreisen von 900 bis 1800 Euro – beziehungsweise 4,50 bis 5,50 Euro für Mieten – zur Verfügung, einige davon mit Rheinblick, so finden sich im nördlich anschließenden Heddesdorf auch Einfamilienhäuser aus altem Bestand, umgeben von großzügigen Grundstücken. Sie kosten zwischen 200.000 und 400.000 Euro, allerdings erwarten die Makler angesichts der Probleme in der Innenstadt einen leichten Preisrückgang.

Niederbieber/Weißer Berg/Kümmelberg

Die besten Wohnlagen in Neuwied – Niederbieber/Weißer Berg/Kümmelberg

Als verkannte Schönheit betrachtet Maklerin Beatrix Schneider ihr Neuwied und mehr noch Niederbieber, von dessen Hängen man traumhafte Fernsichten genießt. Zugleich weiß sie, dass so manches alte Haus hoffnungslos überteuert ist und die Preise purzeln werden. Bei niedrigen Einkommen sei es ohnehin immer schwieriger, die Kunden „durch die Bank zu bringen“, wie sie es formuliert. Demnach steigt auch die Vermarktungsdauer, müssen überzeugende Argumente vorgelegt werden. Eines davon streicht die Balkonlage heraus, wie Interessenten sie am Weißer Berg und vor allem am Kümmelberg vorfinden.

Wer es besonders streng nimmt, findet im Umkreis dieser Toplagen gleich vier Stadtteile vor: Niederbieber, Segendorf, Rodenbach und Altwied. Frühmittelalterliche Wurzeln und eine sehr aktive Damenfußballmannschaft belegen allein für Rodenbach ein breites Spektrum, in dem schwerlich alles unter einen Hut findet. In Altwied ducken sich 400 Jahre alte Fachwerkhäuser unter eine Burgruine. In Niederbiber wurde ein verfallenes Barockschloss niedergebrannt, weil man die Instandsetzung als zu teuer erachtete.

Diese Spitzlichter künden von einem bunten Sammelsurium zwischen Hoffnung und Gedrücktheit, das den Markt keineswegs belebt. Das macht sich bei den Preisen deutlich bemerkbar: Ab 100.000 Euro kann Eigenheimer werden, wer anschließende Sanierungskosten nicht scheut oder selbst Hand anlegen will. Selbst die Lagen mit der Traumaussicht kosten selten mehr als 350.000 Euro.

Oberbieber/Wingertsberg

Die besten Wohnlagen in Neuwied – Oberbieber/Wingertsberg

Das Fachwerk trügt ein wenig, denn die wirklich alte Bausubstanz wurde vor Jahrhunderten von französischen Truppen zerstört. Auch beim Wachturm am alten römischen Limes handelt es sich selbstverständlich um eine Rekonstruktion. Hinter seinem dörflichen Erscheinungsbild trumpft Oberbieber mit einigen attraktiven Freizeitangeboten auf, darunter ein Reitsportzentrum und der Aubach-Stausee. Die besten Wohnlagen befinden sich auch hier hoch oben, am Wingertsberg, dessen Name noch von der alten Tradition als Weinbauort kündet. Für maximal 300.000 können Immobilienkäufer hier ansässig werden.

Einen scharfen Kontrast in direkter Nachbarschaft liefert Torney, das ab 1936 zur großen Siedlung für Fabrikarbeiter ausgebaut werden sollte. Nach kriegsbedingtem Stillstand wurden die Pläne in den 50er-Jahren unter veränderten Vorzeichen erneut aufgenommen. Geprägt ist der Stadtteil heute von überwiegend mennonitischen Spätumsiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion. Deren beständige Nachfrage und die hohe Kreditwürdigkeit der Russlanddeutschen tragen dazu bei, dass in Torney nun weitere Baugebiete erschlossen werden.

capital.de, 31.01.2017
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