MittelstandVier Unternehmen, die schon heute digital denken

Zu den einzelnen Beiträgen gelangen Sie durch Klicken auf den Marker in der Karte und „Jetzt lesen“. Der Artikel wird dann unterhalb der Karte angezeigt.

Der Aachener Kosmetikhersteller Babor stattet seine Lagerarbeiter mit Datenbrillen aus. Und die wollen die Hilfsmittel mittlerweile gar nicht mehr absetzen

Das Konzept

Der Aachener Kosmetikproduzent Babor hatte ein Problem: Auf Auftragsspitzen konnte er nur reagieren, indem er mehr Personal in der Logistik einsetzte. Das aber ist teuer und schränkt die Flexibilität ein. Zusammen mit der IT-Firma Picavi wurde eine technische Lösung entwickelt: Die Mitarbeiter im Lager erhielten Google-Datenbrillen mit einer Spezialsoftware – die die Zusammenstellung der Produkte steuert. Nach Firmenangaben schafft jeder Mitarbeiter jetzt 18 Prozent mehr „Picks“.

„Unsere Leute behalten die Brille auch in der Pause auf“

Horst Robertz, Geschäftsführer Babor

Horst Robertz
Horst Robertz

Es hieß doch, die Datenbrille von Google sei gescheitert. Und jetzt setzen Sie sie in der Logistik ein!

Es mag sein, dass sie sich bei privaten Konsumenten nicht durchsetzen konnte. Mein Eindruck ist jedoch, dass sie in der Industrie durchaus sinnvoll genutzt werden kann.

Und wie kommen Ihre Mitarbeiter damit zurecht?

Die fanden das cool und hatten uberhaupt kein Störgefuhl. Einige setzen die Brille nicht einmal zur Mittagspause ab. Ich habe sogar mal jemanden mit dem Ding im Waschraum getroffen. Die Akzeptanz war fur uns schon ein großes Thema.

Haben Sie noch mehr mit der Brille vor?

Ja, schon. Unsere Rezepturen werden ja eingewogen, wie bei einem Kochrezept. Diese Daten könnten unsere Mitarbeiter bald direkt auf die Brille gespielt bekommen. Dann hätten sie die Hände frei zum Arbeiten.

Der Wäschereiausrüster Kannegiesser will seinen Kunden die volle Kontrolle geben. Deshalb wird jetzt auch Bettwäsche ans Netz angebunden.

Das Problem

Die Herbert Kannegiesser GmbH aus dem ostwestfälischen Vlotho gilt als Weltmarktführer für Großwäschereitechnik. Seit fast 70 Jahren produziert das Unternehmen Anlagen

Ablauf in der Wäscherei
Ablauf in der Wäscherei

für industrielle Wäschereien – die Hotels oder Krankenhäuser versorgen. Doch das Geschäft wandelt sich. Die Kunden verlangen nach kompletten Lösungen von der Wäsche bis zum Sortiersystem. Und sie wollen sparen, bei Wasser und Waschmittel, aber auch beim Personal.

Das Konzept

Kannegiesser hat in Kooperation mit lokalen Hochschulen eine Wäscherei entwickelt, die sich selbst optimiert. In den Wäscheteilen sind RFID-Chips eingenäht, die mit den Maschinen kommunizieren und ihre Informationen an eine Datenbank weiterleiten. Aus diesen Daten wird der optimale Einsatz von Ressourcen und Zeit ermittelt.

„Wir brauchen ganz neue Fähigkeiten“

Martin Kannegiesser, Geschäftsführer und Inhaber

Martin Kannegiesser
Martin Kannegiesser

Wandeln Sie sich jetzt vom Maschinenbauer zum Dienstleister?

Das kann man überspitzt so formulieren. Wir liefern heute nicht nur Maschinen, sondern auch Softwarepakete und Beratung. Unser Ziel muss es sein, die Kunden produktiver zu machen. Dafür brauchen wir ganz neue Fähigkeiten.

Warum ist das so wichtig?

Die Wäscherei-Dienstleister stehen unter Preisdruck, und überall steigen die Personalkosten. In fast allen Ländern der Welt. Also muss automatisiert und der Arbeitsprozess verstetigt werden. Das geht nur mit Software und Daten.

Gibt es Konkurrenz von außen?

Es gibt naturlich Softwarehäuser, die auch in unserem Bereich Dienstleistungen anbieten. Doch der Markt ist relativ klein und hoch spezialisiert. Von außen hier einzusteigen ist schwer. Da wird das Potenzial oft überschätzt – und die Komplexität wird unterschätzt.

Der Maschinenbauer Bär will Industriearbeitern das Leben leichter machen. Er entwickelt daher einen hilfsbereiten Roboter, der ihnen überall hinterher läuft.

Das Problem

In Fabrikhallen müssen Arbeiter oft ermüdende und eintönige Dinge tun: tragen, schieben, heben. Das kostet Zeit und Kraft, die für anspruchsvollere Aufgaben genutzt werden könnten. Maschinen, die dagegen helfen sollen, sind bisher an feste Wege oder eine bestimmte Programmierung gebunden. Sie lassen sich daher nur schwer flexibel einsetzen.

Wie der Roboter gesteuert wird
Wie der Roboter gesteuert wird

Die Lösung

Die baden-württembergische Firma Bär Automation hat einen Roboter namens Fifi gebaut – der schwere Lasten tragen oder ziehen und einem Arbeiter überall hin folgen kann. Gesteuert wird das Gerät per Handzeichen, nachdem es einen bestimmten Anwender als „Herrchen“ identifiziert hat. Bei Bedarf kann es weggeschickt werden.

„Die Idee kam uns beim Spielen mit der X-Box“

Philip Kirmse
Philip Kirmse

Philip Kirmse, stellvertretender Vertriebsleiter Logistik-Automation

Einem Roboter zuwinken – das klingt ein bisschen nach Kinderzimmer.

So ganz falsch ist das nicht. Die Idee dafür ist uns beim Spielen mit der X-Box gekommen. Auch dort werden ja Bewegungen in Eingabebefehle umgewandelt. Wir haben diese Art der Bildauswertung auf ein industrielles Umfeld übertragen.

Aber warum geht die Kommunikation nicht auch anders?

Naja, mit dem Roboter zu sprechen, hat in einer lauten Fabrikhalle wenig Sinn. Da gibt es zu viele andere Geräusche. Und wenn der Arbeiter das Gerät berhren soll, dann muss er ständig hinlaufen oder es direkt neben sich haben. Das bringt dann wenig Vorteile.

Bisher kann Ihre Maschine nur tragen und heben. Geht da noch mehr?

Je kreativer die Ingenieure, desto mehr Möglichkeiten gibt es im Prinzip. Man könnte auch einen weiteren Roboter oben draufsetzen, der noch mehr kann. Aber jetzt testen wir das System erst mal mit Pilotprojekten – zum Beispiel im Automobilbau.

Die Bayernwerk AG stellt Laternen auf, mit denen man sich ins Internet einwählen kann – und die bei der Parkplatzsuche helfen.

Die Idee

Die Eon-Tochter Bayernwerk AG ist nicht nur Stromnetzbetreiber, sondern unterhält auch ein Straßenbeleuchtungsnetz von insgesamt über 34.000 Kilometern. Diese überall verfügbaren Stelen sollen nun auch für anderweitige Dienstleistungen genutzt werden. Die Laternen könnten in Zukunft WLAN-Signale senden und damit schnelles Internet verfügbar machen, zum Laden von Elektroautos genutzt werden, freie Parkplätze melden, Wetterdaten liefern oder sich dank Bewegungsmelder nur dann anschalten,

Die Laterne und ihre Funktionen
Die Laterne und ihre Funktionen

wenn sie wirklich gebraucht werden.

Das Konzept

Um neue Dienstleistungen zu testen, arbeiten die Regensburger in mehreren Pilotprojekten mit Technologiefirmen wie Philips oder Schréder zusammen. Ausprobiert werden echte Allzwecksysteme, aber auch schlankere Lösungen, bei denen nur Sensoren und WLAN-Signalverstärker eingebaut werden. Die Kommunen haben Interesse – aber auch große Bedenken, beispielsweise beim Datenschutz. Kameras etwa, die freie Parkplätze erfassen könnten, dürfen im öffentlichen Raum nur unter strengen Vorgaben aufgehängt werden.

„Nur Licht an und aus – das reicht nicht mehr“

Johann König, Leiter Straßenbeleuchtung

Johann König
Johann König

Wie kommt man auf die Idee, aus einer Straßenlaterne einen Alleskönner zu machen?

Im Grunde begann es damit, dass wir die klassischen Leuchtmittel durch LED-Leuchten ersetzt haben. Das brachte Energieeinsparungen von 70 Prozent. Aber es eröffnet auch die Möglichkeit, die Leuchten zu programmieren oder mit Sensoren auszustatten, die Bewegung registrieren.

Nun sollen die Lampen WLAN anbieten, Autos aufladen und Feinstaub messen. Wann ist das Alltag?

Wir wollen den Kommunen neue Dienstleistungen anbieten. Nur Licht ein- und auszuschalten reicht nicht mehr. Wenn das Fahrt aufnimmt, können solche Multifunktionsstelen innerhalb von fünf Jahren kommen.

Wie verdient man damit Geld?

Das lässt sich am Beispiel WLAN zeigen. Entweder wir stellen nur die Hardware, also den Repeater für die Leuchte. Oder wir verkaufen den ganzen Service inklusive Anschluss.