Stilfragen„Echter Stil beginnt beim einfachsten Stück“

Designer Roberto Ricci, RRD
Designer Roberto Ricci, RRDRRD


Roberto Ricci begann seine Karriere als Bademeister in der Toskana, ehe er für rasante Wellenritte und scharfe Surfboards berühmt wurde. Aus Können und Ruf formte er dann ein Imperium für Equipment und Mode.


Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Rund um die Uhr vor allem praktisch, vom Office bis zum feinen Dinner. Komfortabler, perfekter Sitz dank raffinierter technischer Details, die Bewegungsfreiheit und eine neue Eleganz ermöglichen. Wir nennen dieses Mode-Erlebnis „techno/tailored“.

Was sind Dos and Don’ts im Büro – ganz gleich, ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

Alles, was nur für oberflächlichen Schein nicht echtes Sein gemacht ist!

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner und -frauen?

Atmungsaktive Materialien, die weder Wind noch Regen an den Körper lassen, bilden eine gute Basis. Dazu kommen, zumindest in unserer Kollektion, die stark auf Performance setzt, viele wichtige (!) Kleinigkeiten wie magnetische Knöpfe, vor Korrosion durch Meersalz geschützte Reißverschlüsse und so weiter. Die Herausforderung in Zeiten von Casualisierung, 24-Stunden-Garderobe und Athleisure ist jedoch, diese Features in zeitlosem Design mit bestmöglichem fit zu verpacken.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Echter Stil beginnt beim einfachsten Stück, also einen Stapel unifarbener T-Shirts mit Stretchanteil und dezentem Kragen. Dann eine zweistellige Zahl ungemusterter Oxfordhemden, je nach Job und Verschleiß sind das eher zehn oder weit über 20. Weiß, Blau und/oder Schwarz wären meine Farbvorschläge, auch hier zahlt sich ein dehnbarer Stoff im Alltag aus. Wer mag, fügt Hemden mit Stehkragen hinzu, vielleicht auch einige in Jersey, die sich wie T-Shirts tragen. Unbedingt einen Satz Chinos aus Lycra, handwerklich solide konstruiert und an Bein und Bund perfekt geschnitten. So eine Hose, ist sie gut gemacht, begleitet Sie bequem durch den ganzen Tag. Ein paar Pullover aus einem Mix von Merino mit Baumwolle oder Kaschmir, darunter vielleicht ein der zwei Hybrid-Varianten mit Sakko-Details, Reißverschluss oder Kapuze in Nylon. Last not least, bis zu vier Jacken – vom ultraleichten, aber wetterfesten „First Layer“ bis zum Winterparka. Wichtig: auf professionelle Laminierung und versiegelte Schwachstellen wie Reißverschlüsse, Taschen und Nähte achten.

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Jedes Teil, das in sich zeitlose Schnittführung mit verlässlicher Performance vereint.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Giorgio Armani und Yvon Chouinard – Kletterlegende, Umweltaktivist und Gründer von Patagonia.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf?

Ein langer Mantel von Boss, den ich bisher allerdings nur einmal getragen habe. Ich mag die Haptik des Materials und die Passform – und die Idee, ihn noch einmal zu tragen. Wann das sein wird? Keine Ahnung. Bis dahin reicht mir seine inspirierende Kraft.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Ein T-Shirt, Chino-Bermudas und entweder sehr bequeme Sneaker oder Flip-Flops. Die meiste Zeit bin ich am Strand unterwegs, von wo ich nicht weit entfernt wohne. Dort zu sitzen, eine Tasse Rooibostee und ein gutes Magazin – mein perfekter Samstag.

Ihre größte Stilsünde war …?

Als ich noch im Windsurfing aktiv war, meine „World-Cup-Jahre“ von den späten Achtzigern bis 1995, war ich mit meinen Teamkumpels in Rom auf Shoppingtour. Und fasziniert von einem Versace-Hemd, das über und über mit äußerst barocken Mustern und Ranken bedruckt war. Zum ersten Mal trug ich es zu einer Preisverleihung in Japan, als einer der Veranstalter auf mich zutrat und mich fragte: „Roberto, warum trägst du heute Abend einen verdammten Teppich am Leib?“

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Ich bin kein großer Fan vom Shopping, aber wenn ich meine Frau begleite, dann am liebsten in eine Nobelboutique.

Kurz & knapp:

Krawatte oder Fliege?

Keins von beidem.

Trocken oder nass (Rasur)?

Nass.

Anzug: Doppel- oder Einreiher?

Einreiher.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Parka.

Barfuß oder Lackschuh?

Barfuß.