UhrenSo tickt 2019: Die spannendsten Uhren-Neuheiten

Besucher auf der Uhrenmesse Basel World 2019
Besucher auf der Uhrenmesse Basel World 2019Kostas Maros

Gute Geschäfte, verhaltener Optimismus, spärlich gebuchte Messehallen in Basel: So könnte eine Kurzbeschreibung der Stimmung in der Uhrenindustrie lauten, deren Schweizer Vertreter sich 2018 immerhin über ein mit 6,3 Prozent deutliches Export-Plus freuen konnten. Dennoch stehen insbesondere die Veranstalter der Basel World, allen voran Geschäftsführer Michel Loris-Melikoff, unter Druck und Beobachtung durch die gesamte Branche. Luftig war es in den Hallen, in denen erstmals sämtliche Marken der Swatch Group (Omega, Breguet, Blancpain etc.) fehlten.

Neuerungen wie ein Laufsteg für (Schmuck-)Modenschauen, Grünpflanzen und zu den Seiten aufragende Verkleidungen ungebuchter Flächen konnten über die andauernde Krise einer Messe, die von einst über 1200 Ausstellern auf 520 geschrumpft ist, kaum hinwegtäuschen. Auch die Besucherzahl fiel mit 81.200 Gästen noch einmal 22 Prozent geringer aus als im Jahr 2018.

Mehr Multimedia, eine ganzjährige Betreuung von Marken und deren Kunden durch Newsletter und Satelliten-Veranstaltungen – vor allem in Asien – sowie ein zeitliches Zusammenrücken mit der Konkurrenzmesse SIHH in Genf ab 2020, und zwar auf Ende April bis Anfang Mai, sollen Dynamik beweisen und die Basel World wieder voranbringen. Sie will sich als „Erlebnis“ neu erfinden: mehr Raum für Gesprächspanels, eine Virtual-Reality-Zone, Ausstellungsflächen für Smartwatches und Wearables sowie besondere Angebote für Endkunden und passionierte Sammler.

Breitling setzt sich ab

Getrübt werden dürfte die Euphorie jedoch durch die Absage von Breitling zumindest für die nächste Basel World. Ein eigener „Summit“ ist nach Angaben des Unternehmens der Plan B der Marke. Bereits jetzt setzte Breitling auf ein Hybridmodell mit bombastischem Messestand und externer Location für eine großangelegte Neuheiten-Präsentation samt Party.

Überhaupt: Jede Marke hat einige To-dos auf der Agenda, glücklich der CEO, bei dem dahinter noch keine roten Ausrufezeichen vermerkt sind. Die wichtigsten Fragen: Was wollen die Kunden wann, wie und wo erwerben? Stirnrunzeln vor allem über die Begehrlichkeiten der jüngeren Generationen – ganz gleich ob M wie Millennials oder die jüngeren namens Y und Z. Ist die ausgestreckte Hand zum weltweiten Kader der Influencer die adäquate Reaktion, wie er nahezu überall zu sehen war? Hilft eine Quasi-Vertikalisierung des eigenen Angebotes, also ohne Juweliere und Webplattformen als Verkaufspartner sowie eigene Handelsplattformen für gebrauchte Modelle? Audemars Piguet verfolgt hier bereits konkrete Pläne, andere beschäftigen sich in Planspielen mit dem Thema.

„Wer den Grad des Risikos erhöht, vergrößert auch seine Erfolgschance“

François-Henry Bennahmias

Sind moderne, frische Unterlinien der Trumpf im Ärmel, statt die Ur-Marke kostspielieg und zuweilen auch verzweifelt einer Verjüngungskur zu unterziehen? Das zumindest scheint Baume & Mercier zum Start der nachhaltigen Tochter Baume bewogen zu haben. Oder ist auch das zu verkopft und führt der Königsweg zu den Youngstern über die Aquise von Marken, die bei dieser Kundschaft bereits hohes Prestige genießt. Also lieber Authentizität zukaufen statt sich selbst anzubiedern? So zumindest konnte man verstehen, was Efraim Grinberg, CEO der Movado Group, auf einem einwöchigen Präsentationsmarathon in Davos vor Juwelieren und Branchenbeobachtern erzählte. Viel Geld hat Movado es sich kosten lassen, um mit MVMT (sprich: movement) aus Kalifornien und Olivia Burton aus London zwei Favoriten der Instagram-Crowd im Portfolio zu haben. Man darf gespannt sein, ob die Konkurrenz diese Startegie für sich adaptiert. Die Branche, kein Zweifel, bleibt sichtbar in Bewegung und dürfte ihre Anstrengungen, den Test der Zeit zu bestehen, in den nächsten Monaten und Jahren deutlich verstärken – müssen.

Was bleibt und bei den vorgestellten Uhren deutlich wurde, von denen Sie hier unsere persönlichen Highlights sehen können: Innovationskraft, Besinnung auf alte Stärken und der Mut, neue Wege einzuschlagen. Oder wie es François-Henry Bennahmias, CEO von Audemars Piguet ausdrückte: „Wer den Grad des Risikos erhöht, vergrößert auch seine Erfolgschance.“ Inmitten einer tiefgreifenden digitalen Transformation sämtlicher Bereiche – von Kundenerwartung über Verkaufspunkte bis zum Marketing – vielleicht nicht das schlechteste Credo.

Das sind die Highlights des Uhren-Frühjahrs