UhrenBaselworld - Zeit war Geld

Baselworld 2017
Baselworld 2017: Der schöne Schein trügt, die Uhrenbranche steckt in der Krise
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Auf den ersten Blick: alles wie immer. Pracht, Luxus, Geschäftigkeit, die Hostessen begrüßen wie Feen im glänzenden Weiß. Am Eingang des Messegebäudes der Baselworld stehen die Stände der Uhrenhersteller Spalier wie an einem Boulevard. Ach was Stände, es sind Paläste, mit mehreren Stockwerken oder, wie bei Hublot, gar in den Keller gebaut.

Elegante, glänzende Fassaden mit den teuren und edlen Uhren in Vitrinen, dahinter großzügige Empfangsräume, mal als Salon, mal als Bar, mal als Tresor eingerichtet. Und wieder dahinter: die diskreten Showrooms, mit weichem Teppich und viel Holz, in denen an Tischen den Kunden, Händlern und Journalisten die neusten Modelle gezeigt werden.

Millionenbeträge wurden für diese stolzen Repräsentanzen oft investiert, nur für diese gut eine Woche Ende März in Basel. Fünf Jahre soll so ein Stand halten, und als man viele von ihnen plante, brummte das Geschäft der Uhrenbranche noch. Immer mehr Chinesen und Asiaten kauften sich Uhren, der wohl inszenierte Mythos der Manufaktur glänzte und so wuchsen die Umsätze von Rolex, Patek, Hublot, Omega, Breguet, Chopard, Cartier und den anderen stolzen Marken. Viele Hersteller eröffneten atemlos Shop um Shop in Asien und rund um den Globus, weil die Gewinne sprudelten – denn die Produzenten konnten eifrig an der Preisschraube drehen, ohne dass es den Absatz störte. Über die Margen schwieg man derweil so vornehm wie über die Rechtfertigung für solche Preise.

„Unsere Branche ist in einer Krise“

Doch hinter dem ewigen Glanz der Baselworld ging es in diesem Jahr viel sorgenvoller zu, als manches hochpolierte Stück mit Minutenrepetition und ewigem Kalender vermuten ließ. Um fast zehn Prozent sind die Exporterlöse der Schweizer Uhrenbranche 2016 gefallen, auf rund 19,4 Mrd. Franken (18 Mrd. Euro). Auch der Januar startete im Minus, im Februar lagen die Exporte nochmals zehn Prozent unter dem schwachen Vorjahr. „Unsere Branche ist in einer Krise“, räumt Thierry Stern gegenüber Capital ein. Er ist als Chef von Patek Philippe eine der gewichtigsten Stimmen der Branche. „Ohne Frage, die fetten Jahre sind vorbei“, sagt auch ein Manager eines deutschen Produzenten. „Ich erwarte, dass einigen Schweizer Herstellern, die nicht so eine große Marke haben, die Puste ausgehen wird. Der Rest wird die Krise aussitzen.“

Allein der Gewinn der Swatch-Group, neben Richemont und LVMH eines der drei großen Luxuskonglomerate mit Marken wie Omega, Blancpain und Breguet, hat sich 2016 fast halbiert, während der Umsatz um elf Prozent einbrach. Bei Richemont sind die Zahlen ähnlich dramatisch, der Gewinn halbierte sich im vergangenen Geschäftsjahr, der Umsatz fiel um 13 Prozent auf rund 5 Mrd. Euro. Richemont hat nicht nur seine Führungsetage kräftig umgebaut, der Konzern bot seinen Händlern zudem ein Umtauschprogramm an – ein unerhörtes Novum in der Uhrenbranche. Die Händler konnten ältere Uhrenmodelle gegen neue Kollektionen eintauschen. Ziel der Aktion ist es, die proppevollen Lager abzubauen, vor allem in Hongkong. Die Kosten dafür: 250 Mio. Euro. Immerhin sendete Richemont danach Signale der Hoffnung, die auch auf der „Hausmesse“ des Konzerns, der SIHH in Genf, zu spüren war: Das Schlimmste, so die Verantwortlichen, sei vorüber.

Breguet Marine Équation Marchante 5887

Bulgari Octo Finissimo Automatic

Chopard L.U.C Lunar One oder Happy Ocean

Chronoswiss Sirius Flying Grand Regulator Skeleton

Junghans Form A und C

Nomos Campus

Patek Philippe Ref. 5320 Ewiger Kalender

Porsche Design Monobloc Actuator

TAG Heuer Connected Modular 45

Hermès Slim d’Hermès l’heure impatiente

Hublot Classic Fusion Italia Independent

Es sind im Kern vier Entwicklungen, die seit Ende 2015 für sinkende Umsätze sorgen: der Einbruch in China und das schwächere Wachstum in anderen Märkten, der starke Schweizer Franken, der die Branche seit zwei Jahren plagt (Stichwort „Frankenschock“), das Auftauchen der Smartwatch – und die Überkapazitäten am Markt nach Jahren des Booms.

Und so war, nach der schon verhaltenen Messestimmung 2016, in diesem Jahr in Basel auch nur auf den ersten Blick alles wie immer. In Summe 200 weniger Aussteller waren gekommen, große Marken wie Salvatore Ferragamo, Versace, Ulysse Nardin und Girard Perregaux blieben der Messe in diesem Jahr fern oder zeigten stattdessen in Genf Präsenz. Von „Bombenkratern“ in der Messehalle sprach etwas gehässig ein Uhrenhersteller.