Interview„Unabhängigkeit hat für uns oberste Priorität“

ist die Urenkelin des Firmengründers von Audemars Piguet und Präsidentin des Verwaltungsrates der Marke, die operativ von CEO François-Henry Bennahmias geführt wird
ist die Urenkelin des Firmengründers von Audemars Piguet und Präsidentin des Verwaltungsrates der Marke, die operativ von CEO François-Henry Bennahmias geführt wirdAudemars Piguet

Jasmine Audemars, Sie haben Ihre Karriere als Journalistin begonnen, leiteten zwölf Jahre das „Journal de Genève“, als erste Chefredakteurin der Schweiz. Reizt es Sie manchmal, ins Medienbusiness zurückzukehren?

Ehrlicherweise bin ich eher froh, ausgestiegen zu sein, als es mir noch Spaß gemacht hat. Die Journalisten und Verlage gehen momentan durch harte Zeiten, darum beneide ich sie wirklich nicht. Ich konnte dagegen in den 80er und frühen 90er-Jahren eine andere Ära erleben, ein großartiges „Goldenes Zeitalter des Journalismus“.

Ihr Weg als erste Frau an die Spitze einer Redaktion kann kein leichter gewesen sein.

Ja und nein. Ich leitete eine sehr gute aber kleine Zeitung, da war die Hierarchie überschaubar. Auch der Aufstieg. Dafür ist der Job eines Chefredakteurs schwierig: Ständig Stress, nicht nur Freunde in der Welt und überall lauern Fettnäpfchen … Trotzdem war es eine faszinierende Aufgabe, von der ich jede Sekunde liebte! Wahrscheinlich ist das auch immer noch der beste Job überhaupt, auch wenn sich so viel in so rasantem Tempo ändert. Nur eines vermisse ich wahrlich nicht, das Schreiben.

Wie sehen Sie im Vergleich zu den Medien Ihre jetzige Branche, die (Schweizer) Uhrenindustrie?

Da fallen mir zunächst die Gemeinsamkeiten auf, denn in beiden Metiers geht es um Menschen – talentiert, engagiert, voller Leidenschaft. Und um Handwerk, egal ob am Schluss eine fertige, mitreißende Story steht oder eine meisterhaft gefertigte Uhr. Beides kann keine Maschine komplett übernehmen, allenfalls einzelne Schritte. Doch den letzten Schliff wird immer eine Menschenhand geben.

Sie haben einmal gesagt, dass es seit 1875, dem Gründungsjahr von Audemars Piguet, immer wieder Krisen gab, die Ihre Marke durchstehen musste, kürzlich etwa in China und Russland. Nur die USA seien stets stabil gewesen. Sehen Sie das auch aktuell noch so?

Nun, bisher ist der Einfluss der aktuellen Regierung auf unser Geschäft noch minimal, glücklicherweise. Ich hoffe, das bleibt auch so, denn besorgt wäre ich, sollte Trump zu protektionistischen Maßnahmen greifen. Das kann natürlich immer passieren, wir werden es abwarten müssen.

Was wären die Folgen?

Höhere Zölle und Steuern auf Schweizer Uhren, Einfuhrbeschränkungen und alles, was die zuständigen Politiker noch erfinden können. Und ob die Steuerreform wirklich kommt und ob sie mehr Menschen zum Uhrenkauf befähigt, das weiß derzeit niemand wirklich genau.

Würden Sie sagen, dass Geduld in einer superschnellen, vernetzten Welt immer noch der wichtigste Wert ist?

Für unsere Branche gesprochen: ein klares Ja! Und auch für mich als Geschäftsfrau, denn eigentlich tickt unsere Branche in zwei Geschwindigkeiten gleichzeitig. Da ist das Marketing, die PR, denen es gar nicht rasch genug gehen kann, die ständig neue Produkte, Storys, News brauchen. Dann ist da aber auch noch die Manufaktur, der Ort, wo Ideen entstehen, Prototypen und schließlich neue Uhren. Eine ganz andere Sphäre, denn ein neues Werk entwickelt man nicht im Monatstakt, das dauert manchmal (viele) Jahre. Zwischen diesen zwei Welten müssen wir immer neue Brücken bauen, einander verstehen und respektieren.