KolumneWie Ölpreis und Dollar zusammenhängen

Ölförderung in Kanada
Der Ölpreis ist in den letzten Monaten stark gestiegendpa

Seit dem 2. Mai gilt ein vollständiges Embargo seitens der USA für iranisches Öl. Als Mitte April das US-Außenministerium das Ende der Ausnahmeregelungen für Ölimporte aus dem Iran verkündete, stieg der Ölpreis zunächst stark an. Parallel dazu kam es zu einer recht scharfen Aufwertung des US-Dollar gegen nahezu alle anderen Währungen. Dies möchten wir zum Anlass nehmen, einmal über das Zusammenspiel zwischen beiden Größen nachzudenken.

Euro/Dollar-Kurs


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Wichtig ist, dass es hier um zwei miteinander interagierende Märkte handelt. Rohöl wird – wie viele andere international gehandelte Güter auch – in US-Dollar abgerechnet. Damit verwischen häufig die Grenzen. Trotzdem gibt es natürlich weiterhin originäre Entwicklungen am Währungs- und am Rohstoffmarkt.

Beginnen wir mit dem leichtesten Fall: Bewegt sich der US-Dollar bei unveränderter Angebots- und Nachfragesituation auf dem Ölmarkt, schwanken die Rohölnotierungen (in US-Dollar) genau in gleichem Umfang. Folglich bleibt der Preis in jeweils heimischer Währung unverändert.

Zwei parallele Bewegungen

Die Sache wird deutlich komplexer, wenn Änderungen in der Angebots- bzw. Nachfragerelation für Rohöl auftreten. Dies ist der Fall beim US-Embargo gegen den Iran – konkreter der Aufhebung von Ausnahmegenehmigungen für iranische Ölexporte im Umfang von 800.000 Barrel pro Tag. Bei einem solchen potenziellen Angebotsrückgang steigt der intrinsische Rohölpreis an. Gleichzeitig erhöht sich in diesem Fall dann auch der Bedarf an US-Dollar, weil die Endverbraucher diese benötigen, um Öl auf dem Weltmarkt einkaufen zu können.

Rohölreis (Brent) in Dollar


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Faktisch wird man es also immer mit zwei parallelen Bewegungen zu tun haben. Und selten lässt sich dies so gut beobachten wie Mitte April, als diese Interaktion stattfand.

Es ist allerdings nicht ganz klar, wie stark sich das US-Embargo gegen iranisches Öl eigentlich auswirken wird. Die USA drohen Firmen zu sanktionieren, die direkt Geschäfte mit dem Iran tätigen. Die Möglichkeit hierzu haben sie, weil Dollar-Transaktionen letztlich über die Federal Reserve laufen müssen.

USA setzen auf stabile Rohölpreise

Die EU wie auch China haben allerdings den Versuch unternommen, dies über Waren-Tauschbörsen zu umgehen. Die Funktionsweise ist simpel: Ein Unternehmen bezieht iranisches Öl, aber bezahlt es nicht direkt. Stattdessen findet ein Tausch mit einem anderen Unternehmen statt, das Waren in den Iran liefert. Das setzt allerdings voraus, dass sich beide Warenströme in etwa die Waage halten.

Nicht eindeutig ist auch die Kommunikation der US-Administration selbst. Sie hofft offensichtlich auf stabile Rohölpreise, weil Saudi-Arabien den Angebotsausfall ausgleichen soll, den die Ausweitung der Iran-Sanktionen verursacht. Das Königreich äußert sich zu diesen Hoffnungen allerdings bislang eher zurückhaltend.

Entsprechend werden sich der Ölpreis und mittelbar der US-Dollar in nächster Zeit sukzessive auf die neue Gesamtlage einpendeln müssen. Dabei dürften wir uns recht klar in einem „Regime“ befinden, in dem sich der Dollar zur Grundmelodie des Ölmarktes bewegt – und nicht umgekehrt.