KolumneDer Euro wird 20 - und ist noch lange nicht erwachsen

EZB-Zentrale in Frankfurt am Main
EZB-Zentrale in Frankfurt am Main Getty Images

Am 1. Januar 1999 erblickte der Euro als offizielles Zahlungsmittel das Licht der Welt – zunächst nur auf Konten und im Doppelausweis in den Supermarktregalen, ab 2002 dann in Form von Scheinen und Münzen. Kritiker wie Milton Friedman prophezeiten der Währung damals ein relativ zügiges Ende. Und zahlreiche Ökonomen in Deutschland meinten „Der Euro kommt zu früh“.

In der Retrospektive haben sich viele Kritikpunkte am Euro als richtig herausgestellt, so etwa, dass sich der Zusammenschluss ausgesprochen heterogener Volkswirtschaften zu einer gemeinsamen Währung als ausgesprochen problematisch erweisen würde. Zumindest von Seiten der orthodoxen Ökonomen wurde jedoch vollkommen verkannt, dass sich die Probleme dieser Divergenz in steigenden Leistungsbilanzdivergenzen innerhalb des Euro-Raums äußern würden, samt anschließenden stark disinflationären Entwicklungen bei deren Rückbildung in den Peripheriestaaten. Stattdessen wurde das Hauptproblem in einer mangelnden fiskalpolitischen Konsolidierung gesehen.

Als wesentlich näher an der Realität (und vor allem an der Praxis des Umgangs mit der Eurokrise) erwiesen sich dagegen wissenschaftliche Ansätze, die darauf abhoben, dass in Ermangelung von Wechselkursen und hinreichend hoher Arbeitskräftemobilität die Anpassungskosten disproportional stark über eine Anpassung der nominalen und realen Lohnkosten aufgefangen werden müssten. Das hätte also bedeutet, sie ausschließlich den Arbeitnehmern aufzubürden oder alternativ einen fiskalischen Transfermechanismus einzuführen..

Institutionengerüst muss weiterentwickelt werden

Niemand hatte damals auf dem Radar, in welchem Ausmaß die EZB zur letzten Garantieinstanz für den Zusammenhalt der Währungsunion werden würde. Einmal dadurch, dass sie den Kapitalabzug aus den Peripheriestaaten durch die Schaffung von Zentralbankliquidität kompensierte. Zum anderen dadurch, dass sie durch ihre Garantieerklärung für den Fortbestand des Euro („whatever it takes“) eine Rolle übernahm, die klassisch eigentlich den Regierungen zugekommen wäre.

Zumindest vom theoretischen Grundsatz her ist klar, dass das Institutionengerüst der Währungsunion weitreichend weiterentwickelt werden müsste, um diese auf eine sichere Grundlage zu stellen. Dazu gehört neben der Vollendung der Bankenunion auch ein fiskalischer Ausgleichsmechanismus. Zwar sind erste Schritte in diese Richtung gemacht, gerade bei der Bankenunion. Fraglich ist aber, ob diese schnell und umfassend genug sind, um den Euro bereits in der nächsten Bewährungsprobe abzusichern.

Angesichts der Tatsache, dass derzeit nahezu alle Euro-Mitgliedsländer Leistungsbilanzüberschüsse aufweisen, scheint es unwahrscheinlich, dass sich die Dynamik der Eurokrise mit starkem Kapitalabzug bei den Defizitländern wiederholt. Als problematisch könnte sich jedoch erweisen, dass alles andere als sicher ist, welche „Gruppendynamik“ sich in einer Rezession entfaltet: „Wir sitzen alle in einem Boot“ oder „Jeder ist sich selbst der Nächste“. Im ersten Fall würde die nächste Krise den Aufbruch in die Vereinigten Staaten von Europa mit sich bringen. Im zweiten Fall drohte dann womöglich das Auseinanderbrechen der Währungsunion.