KommentarWarum die Deutsche Bank jetzt fit ist für eine Fusion

Das Deutsche-Bank-Hochhaus in Frankfurt IMAGO / U. J. Alexander

Eine Fusion unter Gleichen, also auf Augenhöhe, gibt es in der realen Welt des Business nur auf dem Papier von Pressemitteilungen. Einer der Partner hat letztlich immer den Hut auf oder sitzt, wie dies modern heißt, im Driver Seat, also auf dem Fahrersitz. Den kann inzwischen wieder die Deutsche Bank beanspruchen, falls es zu einer Fusion unter europäischen Großbanken kommen sollte. Das größte deutsche Kreditinstitut hat im ersten Quartal so gut verdient wie seit sieben Jahren nicht mehr und will nun nach eigenen Angaben „die nächste Phase der Transformation zu nachhaltiger Profitabilität“ einleiten. Allerdings hängt der wirtschaftliche Erfolg und damit auch das neue Selbstbewusstsein davon ab, dass das schwankungsanfällige Investmentbanking auch weiterhin gut läuft.

Zunächst also ein kurzer Blick auf die Zahlen für das erste Quartal: Nach Steuern und diversen Zinszahlungen auf nachrangige Schulden verdiente die Deutsche Bank 908 Mio. Euro von Januar bis März. Dies ist das Geld, das Aktionären letztlich zusteht, während sie im Vorjahreszeitraum noch 43 Mio. Euro verloren. Kein Wunder also, dass der Aktienkurs rund acht Prozent hochschoss und die Marke von 11 Euro wieder erreichte. Die Quartalszahlen fielen insgesamt besser aus als der Marktkonsens erwartet hatte – und zwar in allen vier Geschäftsbereichen und in der internen Abbaubank Capital Release Unit (CRU).

Vor Steuern verdiente die Deutsche Bank im ersten Quartal 1,6 Mrd. Euro, abgezogen sind dabei schon die Verluste von rund 400 Mio. Euro der CRU. Die Bank selbst mag es nicht so gern, wenn hier von einer Bad Bank gesprochen wird, weil sich auch werthaltige, aber eben nicht strategische Assets in der CRU befänden. Richtig ist aber auch, dass wahrscheinlich sehr viel an ehemaligem Geschäft des Investmentbanking inzwischen in der CRU abgewickelt wird. Dadurch kann die für die Gewinne wichtigste der vier Einzelsparten noch besser glänzen als sie es ohnehin schon tut – und für die Boni der Investmentbanker dürfte dies kein Schaden sein.

Kein Schaden durch Archegos

Einprägsamer als die Zahlen ist jedoch etwas anderes, nämlich der Fall des kollabierten, Hedgefonds-ähnlichen Family Office Archegos. Während in der Vergangenheit die Deutsche Bank gefühlt eigentlich immer dabei war, wenn irgendwo am Kapitalmarkt etwas schiefgelaufen ist, so ist sie hier offenbar ohne Schäden herausgekommen. Finanzchef James von Moltke lobte dafür am Mittwoch das hauseigene Risikomanagement. Ganz anders lief es bei den beiden Schweizer Konkurrenten UBS und Credit Suisse, die neben anderen wie Nomura hohe Verluste bei Archegos erlitten. Bei Credit Suisse kommen noch erhebliche Belastung aus dem Zusammenbruch von Greensill Capital hinzu.

Gerade die beiden Schweizer Großbanken wurden in Frankfurt viele Jahre – zumindest heimlich – bewundert, waren sie doch bei ähnlichem Geschäftsmodell profitabler und kamen auf eine höhere Marktkapitalisierung. Doch während UBS und Credit Suisse gerade ihre Wunden lecken, kann die Deutsche Bank mit neuem Selbstbewusstsein auftreten. Hierzu dürfte auch beitragen, dass sie im Investment Banking ihre Erträge um 32 Prozent stärker steigern konnte als die meisten US-Rivalen. An der Wall Street legte nur Morgan Stanley mit einem Plus von 44 Prozent noch stärker zu.

All dies dürfte die Deutsche Bank-Führung darin bestärken, bei einer möglichen Konsolidierung unter den europäischen Großbanken einen Fahrersitz zu beanspruchen. Aktuell steht nichts im Raum, jedenfalls ist nichts öffentlich bekannt. Doch in Medienberichten waren zuletzt die beiden Schweizer Großbanken als mögliche Fusionspartner genannt worden. Vor diesem Hintergrund plauderte von Moltke bemerkenswert offen über das Thema Konsolidierung. „Das wird kommen, aber es ist schwierig über das Timing und die Perspektiven zu spekulieren“, sagte er am Mittwoch in einer Telefonkonferenz zur Vorlage der Quartalszahlen. Und weiter: „Hoffentlich rücken diese Zeiten näher. Wir sind dafür bereit und machen unserer Hausaufgaben.“ Die Frage eines Journalisten, ob im dritten Quartal die Fusion mit der Credit Suisse bekanntgegeben wurden, ließ von Moltke unbeantwortet.

Gute Zahlen auch bei der Fondstochter DWS

Die Commerzbank mag dies besonders schmerzen, wähnte sie sich doch während der schließlich gescheiterten Fusionsgespräche vor rund einem Jahr noch auf Augenhöhe mit den „Blauen“. Die machen nun klar, dass sie in einer anderen Liga spielen und dabei – um im Bilde zu bleiben – kräftig Gas geben. Die „Gelben“ wollen am 12. Mai über das erste Quartal berichten.

Bewegung in das Thema Konsolidierung könnte möglicherweise gar nicht auf Ebene der Gesamtbank, sondern des Assetmanagements kommen. Denn beim Blick auf das dominierende Investment Banking gerät leicht aus dem Blick, dass die Fondstochter DWS ebenfalls ein starkes Quartal abgeliefert hat und ein um 3 Prozent höheres Konzernergebnis von 169 Mio. Euro ausweist. Dazu wird DWS-Chef Asoka Wöhrmann, der kürzlich erst seinen Vertrag verlängerte, folgendermaßen zitiert: „Die zweite Phase als börsennotiertes Unternehmen hat mit großartigem organischem Wachstum bei Mittelzuflüssen und Erträgen begonnen. Das ist vielversprechend, wir verlieren aber unseren mittelfristigen Plan nicht aus den Augen, unser Unternehmen zu transformieren und in Wachstum zu investieren, um eine echte Führungsposition in der Vermögensverwaltungsbranche einzunehmen.“

Früheren Berichten zufolge will Wöhrmann die DWS im Assetmanagement weltweit unter die Top Ten führen, was durch organisches Wachstum aus Zuflüssen kaum zu bewerkstelligen sein dürfte. Er soll inzwischen auch grünes Licht für einen Zukauf haben, worauf auch die Formulierung „in Wachstum investieren“ hindeutet. Als Top-Kandidaten für eine Fusion werden übrigens die Fondstöchter der beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse gehandelt.

 


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