ManagementMachen Sie Ihr Unternehmen platt!

Lars Vollmer
Lars Vollmer
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„C 5?” – „Treffer, versenkt …” 

Nie haben Sie mehr Dampfer auf den Meeresgrund gebracht als damals in der Grundschule beim Schiffe versenken – glauben Sie zumindest. Denn tatsächlich entsteht gerade jetzt und brandaktuell ein ganzer Schiffsfriedhof vor Ihren Augen. Die Digitalisierung scheint selbst in die mächtigsten Tanker des Marktes Löcher zu bohren.

Es wird Zeit, dass Sie Ihre Kanonen klarmachen! Und sich damit selbst an den Rumpf schießen …

Digitale Attacke

Dass die „gefährliche Digitalisierung” derzeit in aller Munde ist, brauche ich Ihnen nicht zu erzählen. Für viele ist die Digitalisierung ein Fetisch, der sich nicht selten mit dem Eifer verbündet, ständig über die Gefahren der Über- und Unterschätzung zu schwadronieren. Hochinteressant finde ich, was mein Umfeld darunter versteht, wenn von Digitalisierung die Rede ist. Mein Eindruck ist: Viele Unternehmer und Manager sehen nur einen Bruchteil des Phänomens, die Spitze des Eisbergs – kein Wunder, dass sie ihren Tanker dann früher oder später dagegenlenken.

Digitalisierung bedeutet für sie: technische Weiterentwicklung. Prozesse erleichtern, Geräte vernetzen, von vorne bis hinten alles automatisieren, Arbeitsplätze verändern, noch mehr Technologie in die neueste Maschine stecken … Schön und gut, aber hier konnte man auch in den 80er-Jahren schon von Digitalisierung sprechen. Das ist für mich lediglich der normale technische Fortschritt, so wie ihn die Wirtschaftsgeschichte schon seit mehr als 1000 Jahren kennt. Von echter Transformation keine Spur.

Gleiches gilt für die Interaktion mit dem Kunden, die heute selbstverständlich anders funktioniert als noch vor zehn Jahren. Eine digitale Weiterentwicklung, die ich nicht ignoriere, aber eben auch nicht für revolutionär halte. Viel spannender und wirklich disruptiv finde ich eine andere Dimension der Digitalisierung: Sie können mit Unterstützung digitaler Technik rasend schnell tradierte Geschäftsmodelle attackieren.

Kleiner Aufwand, großer Test

Es ist diese Dimension der Digitalisierung, die Unternehmen oft – zu oft – aus den Augen verlieren. Denn der digitale Fortschritt ermöglicht es jungen Start-ups, schnell und ohne nennenswerte Markteintrittsbarrieren am Wettbewerb teilzunehmen.

Wo neue Anbieter sich früher kostenintensiv in den Markt einkaufen mussten, um ihr Geschäftsmodell zu testen, können sie dank der Digitalisierung heute nahezu jede neue Idee sehr leicht und sehr schnell testen. Noch nie war es so einfach herauszufinden, welche Parameter den Kunden überzeugen: Kauft er online die Matratze mit dem hochqualitativen Schaumstoffkern – oder doch eher das Modell, auf dem er hundert Tage testschlafen darf? Bestellt er den Staubsauger, der keinen Beutel mehr braucht, oder den mit dem austauschbaren Saugaufsatz? Akzeptiert er für die unbürokratische Rückgaberegelung einen Preisaufschlag? Wenige Klicks zeigen es: Was früher eine großangelegte Marktstudie erfordert hätte, funktioniert heute bequem vom Sofa aus, während Sie nebenbei noch einen mäßig guten Spielfilm genießen.

Start-ups bieten online an, was sie sich ausgedacht haben, und schauen schlicht, was passiert. Dazu müssen sie das Produkt noch nicht einmal parat haben – produzieren können sie es immer noch, wenn sie bei Facebook und Co. interessierte Kunden dafür finden. Ausprobieren und Testläufe mit geringstem Aufwand!