Voice of AmericaDonald Trump - der ehrlichste Präsident aller Zeiten

Donald Trump
US-Präsident Donald Trumpdpa

In meiner Lieblingsserie „Curb Your Enthusiasm“ bricht der Komiker Larry David mit so ziemlich allen Konventionen, die Amerikanern lieb sind. Einen Kriegsveteranen beleidigt er, indem er ihm den obligatorischen Satz „Thank you for your service“ verweigert. Einer Lesbe hält er die Tür nicht auf, weil sie ja selbst der Mann sei. Als ein Bekannter ihn zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung bittet, greift allerdings selbst der sonst so gnadenlos ehrliche David zur barmherzigen Notlüge: Er habe leider schon eine Verabredung.

Amerikaner legen immensen Wert auf Höflichkeit – so großen, dass einer meiner Nachbarn, der seit Jahrzehnten in den USA lebt, in Gesprächen immer noch erwähnt, dass er aus Deutschland kommt. Ausländern wird hier nämlich die Offenheit verziehen, die unter Einheimischen als verletzend empfunden würde.

Die aktuelle Capital

Ausgerechnet dieses Land hat nun einen Präsidenten, der zu jeder Art von Verstellung unfähig ist. Nicht dass Donald Trump es nicht versuchen würde. 2140 Verdrehungen der Wahrheit allein im ersten Amtsjahr hat ihm die „Washington Post“ nachgewiesen. Trotzdem ist Trump der wahrhaftigste Präsident, den die USA je hatten. Nie zuvor konnte das Volk nämlich so unmittelbar mitverfolgen, wie eine Regierung im Innersten funktioniert. Der mächtigste Mann der Welt offenbart jedermann, was er denkt und plant, was ihn ärgert, wer sein Ohr hat.

Selbst wenn Trump lügt, sagt er die Wahrheit – denn sein Flunkern enthüllt, was ihn an- und umtreibt. Als die „New York Times“ in einer großen Reportage den heftigen Fernsehkonsum des Präsidenten publik machte, reagierte der tagelang nicht. Bis der TV-Sender MSNBC die Story aufgriff. Alles gelogen, twitterte Trump daraufhin erbost – und fügte ohne Sinn für die Ironie hinzu: MSNBC gucke er eigentlich nie.

Zum Täuschen fehlt Trump die Selbstdisziplin

Nach einem Jahr wissen die Amerikaner mehr über Trumps Charakter, als sie in acht Jahren über George W. Bush oder Barack Obama erfahren haben. Welcher Politiker sonst würde schon offen über „Drecksloch“-Länder lästern, egal was er wirklich denkt?

Trump mag keinen moralischen Kompass haben, aber für eine systematische Täuschung fehlt ihm schon die nötige Selbstdisziplin. Als er jüngst ankündigte, in der Russland-Affäre unter Eid auszusagen, dürften seine Anwälte gezittert haben. Der Präsident aber ertrug es offenbar einfach nicht, dass sich Sonderermittler Robert Mueller den Ruf erarbeitet hat, dem Mann im Weißen Haus gefährlich zu werden. Statt taktisch stillzuschweigen, redet sich Trump lieber um Kopf und Kragen.

Für den Schauspieler Larry David ist der Tabubruch ein künstlerisches Mittel, um der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Der Präsident der USA spielt nicht. Er ist einfach immer er selbst.