Voice of AmericaDer Sturm kann kommen

Zerstörtes Haus nach dem Hurrikan Irma
Zerstörtes Haus nach dem Hurrikan Irma

Kürzlich kam Post von meinem Stromversorger Pepco. In einer sich verändernden Welt, hieß es da in geradezu philosophischem Tonfall, kämen Winterstürme häufiger vor. Ich sei gut beraten, einen Vorrat an Konservendosen, Batterien und warmen Decken anzulegen, um auf die Stromausfälle vorbereitet zu sein, die das Unternehmen bei Schneefall in der entwickeltsten Industrienation der Welt offenbar für unvermeidlich hält. Mein Amerika-Abenteuer fühlt sich seitdem noch ein Stück abenteuerlicher an – auch wenn ich der im selben Schreiben formulierten Empfehlung, in der Badewanne ein Wasserreservoir vorzuhalten, bisher nicht gefolgt bin.

Amerikaner begegnen den Widrigkeiten des Lebens mit einer beeindruckenden äußerlichen Gelassenheit. Selbst wenn das Schicksal zuschlägt, wahren sie die Form. Nach jeder Flutkatastrophe, jedem verheerenden Flächenbrand, jedem tödlichen Amoklauf sieht man Opfer oder deren Angehörige im Fernsehen auftreten, die ruhig und sehr eloquent die Lage und ihre Verluste beschreiben und dabei nie vergessen, sich für die großartige Unterstützung von Nachbarn und Freunden zu bedanken.

Die aktuelle Capital

Auch Rocio Velasquez hat gerade alles verloren. Ich lernte die Mittzwanzigerin im Paradies kennen: auf den Florida Keys, die sich wie Perlen an einer Kette zwischen dem Atlantik und dem Golf von Mexiko aneinanderreihen. Im September brach dort die Hölle los, als der Hurrikan „Irma“ über die Inseln jagte. Velasquez floh zu Verwandten aufs Festland. Als sie nach Hause zurückkam, stand sie vor einem Trümmerhaufen. Der Hurrikan war wenige Kilometer von ihrem Wohnort entfernt mit voller Wucht angelandet.

„Wir haben alles verloren“, sagte Velasquez sachlich. Und erzählte mir dann, dass sie früher auf der anderen, der Golfseite der Insel gelebt habe – bis dort 2005 der Hurrikan „Katrina“ zuschlug. „Alles war zerstört.“ Wegziehen wolle sie trotzdem nicht, sie arbeite bei ihrem Cousin in dessen Restaurant. Also fängt sie nun wieder neu an. Im Wissen, dass die Katastrophe „immer wieder passieren kann, jeden Tag“.

Was Naturkatastrophen angeht, war 2017 für die USA eines der schlimmsten Jahre überhaupt. 15 Ereignisse mit Schäden von jeweils über 1 Mrd. Dollar hat das National Center for Environmental Information im ersten Dreivierteljahr gezählt: eine Dürre, zwei Überflutungen, einen Kälteeinbruch, zehn Stürme, einen monströsen Waldbrand.

Ich bin vorbereitet. Im Keller stapeln sich Wasserflaschen, Kerzen, Kaminholz, Schokolade. Und ich habe mir eine UPS („Uninterruptible Power Supply“) zugelegt, eine Art Notstromgerät fürs Eigenheim. Die Pepco-Leute hatten mir dazu geraten. Damit ich von ihrem Strom ein bisschen unabhängiger bin.