Voice of AmericaWarum Spenden in den USA Bürgerpflicht ist

Laurene Powell Jobs
Laurene Powell Jobs setzt sich für Bildung und Einwanderung einGetty Images

Ich habe Gutes getan und daran verdient. Es war auf einer dieser Fundraising-Veranstaltungen, wie sie in Amerika ständig stattfinden – Politiker beschaffen sich dabei Wahlkampfmillionen, Schulen fehlendes Lehrmaterial, NGOs Mittel zur Flüchtlingshilfe. An diesem Abend sollte mit einer Auktion Geld für brotlose junge Künstler gesammelt werden. Man bot auf Artikel, die Unternehmen und Privatleute gespendet hatten. Die meisten gingen weit über Wert weg, das war ja der Sinn der Sache. Ich aber bot für Karten der New Yorker Philharmoniker, für die sich an diesem Abend merkwürdigerweise sonst niemand interessierte. Den Zuschlag bekam ich für den halben Originalpreis. Besonders wohltätig kam ich mir nicht vor.

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Spenden gilt im Land der extremen Ungleichheit als Bürgerpflicht. Wer hat, der gibt. Im Ökosupermarkt Whole Foods legt man sich zu Biobananen und Wildfanglachs Abreißzettelchen mit Strichcodes in den Einkaufswagen, das Stück zu 2 Dollar, die an die Grundschule um die Ecke gehen. Als kürzlich bei mir um die Ecke eine Wohnung abbrannte, dauerte es 24 Stunden, bis Nachbarn ein Barbecue zugunsten der Bewohner organisiert hatten. In der St.-Matthew-Kathedrale in Washington liegen Formulare aus, auf denen Gläubige ankreuzen können, ob sie für Musik, Blumenschmuck oder für die Armen geben wollen.

Viele Amerikaner möchten ganz genau wissen, was mit ihren hart verdienten Dollars passiert. Deshalb spenden sie lieber, anstatt Steuern zu zahlen. Das gilt auch für die jungen Techmilliardäre, die den Philanthropen der Stahl- und Kaufhausära inzwischen den Rang ablaufen. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg hat seine Stiftung gleich als Unternehmen aufgestellt. Großspender wie er verfolgen gesellschaftspolitische Ziele – und in der Trump-Ära ist Wohltätigkeit polarisiert wie nie.

Als etwa der Investor George Soros bekannt gab, er habe 18 Mrd. Dollar in seine Stiftung zur Demokratieförderung eingezahlt, fand das Rechtsaußenportal „Breitbart News“ daran nichts Lobenswertes. New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg zog sich den Zorn der Republikaner zu, weil er Geld gegen Waffenbesitz und Fettleibigkeit spendet. Laurene Powell Jobs, die Witwe des Apple-Mitgründers Steve Jobs, setzt sich mit ihrer Organisation für Bildung und Einwanderung ein – und leistet damit offenen Widerstand gegen den Präsidenten, der jungen illegalen Immigranten ihr Bleiberecht in den USA nehmen will.

Dagegen weiß Amazon-Gründer Jeff Bezos, der reichste Mensch der Welt, offenbar nicht so recht, was er mit seinem Geld Sinnvolles anfangen könnte. Er bat seine Twitter-Follower um Rat. Knapp 50.000 Antworten sind eingegangen. Gutes tun ist eben gar nicht so einfach – fragen Sie mich mal.