Voice of AmericaWalmart - ein Dinosaurier schlägt zurück

Parkplatz vor einem Walmart-Geschäft
Walmart hat etwas, was Amazon nicht hat: ParkplätzeWalmart

Walmart hat etwas, was Amazon nicht hat: Parkplätze. Nachts, wenn Amerikas Konsumhunger gestillt ist, verwandeln sich manche der flugfeldgroßen Asphaltwüsten vor den 4700 Walmart-Filialen in Campingplätze für Abenteurer und Arme. Unter den Laternen parken Wohnwagen, in Autos schlafen Menschen hinterm Steuer. Der Supermarktgigant, der sich damit rühmt, dass 90 Prozent aller Amerikaner im Zehn-Meilen-Umkreis einer Filiale leben, erlaubt vielerorts das Über-Nacht-Parken. Eine Art Kundenservice. Wenn auch kein gewinnbringender.

Seit Amazon das Einkaufen neu erfunden hat, kämpft der größte Einzelhandelskonzern der Welt gegen den Niedergang. Mancher Branchenexperte hatte Walmart schon abgeschrieben. Doch nun zeigt der Dinosaurier unter den Supermärkten, dass er nicht still verenden will. Der Gigant, im Netz bisher eher ein Zwerg, hat eine E-Commerce-Technik und -Logistik aufgebaut, die es mit Amazon aufnehmen kann. Das kostet Milliarden – und während die Investoren bei Amazon über Verluste freundlich hinwegsehen, wollen sie bei Walmart Rendite sehen.

Doch die Investitionen scheinen sich auszuzahlen. Im dritten Quartal 2017 ist der Walmart-Umsatz zum 13. Mal in Folge gestiegen – und zwar so stark wie seit 2009 nicht mehr. Noch wichtiger: Der Onlineverkauf legte um satte 50 Prozent zu.

Ich habe es ausprobiert: Virtuelles Shoppen bei Walmart ist das reine Vergnügen. Meine Pakete, gefüllt mit Christbaumkugeln, Honig, Waschpulver und iPhone-Kabeln, lagen nach ein, spätestens zwei Tagen vor meiner Tür. Dagegen lässt sich Amazon bei Kunden wie mir, die nicht 99 Dollar für die Prime-Mitgliedschaft zahlen wollen, schon mal satte acht Werktage Zeit. Die Preise – darauf achten beide Anbieter per Algorithmus – sind in der Regel bis auf Cent-Beträge identisch.

Walmart will in diesem Jahr einen Online-Umsatz von 17,5 Mrd. Dollar erreichen. Noch mag das ein Bruchteil der Amazon-Verkäufe von mehr als 60 Mrd. Dollar sein – aber der Verfolger ist zum Verfolgten geworden. Und Walmart hat Stärken. Wer etwas ganz dringend braucht – so wie ich den Heizlüfter für unser amerikanisch isoliertes, nur erratisch beheizbares Haus –, kann es online bestellen und kurz darauf in der Filiale um die Ecke abholen.

Hinzu kommt ein viel beachtetes Experiment. Vieles hat auf walmart.com inzwischen zwei Preise: Die Großpackung Instant-Haferflocken kostet 3,24 Dollar im Geschäft oder 4,93 Dollar als Lieferware. Funktioniert das Modell, hätte Walmart das Geheimrezept gefunden, nach dem alle Onlinehändler suchen, um die Logistikkosten in den Griff zu bekommen. Zugleich würden die Amerikaner vom Bildschirm zurück in die Geschäfte gelockt. Und auf die Parkplätze.


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