Voice of AmericaDas Wunder der Technik im Hightechland USA

Symbolbild Handwerker
Symbolbild Handwerker

Kürzlich klopfte es an meiner Haustür. Draußen stand – unangemeldet – ein Handwerker. Er wolle meinen Stromzähler gegen ein intelligentes Messgerät austauschen, erklärte der Mann. Keine große Sache, eine Viertelstunde. Ich erinnerte mich, dass ich mich letztes Jahr einmal beim Versorger beschwert hatte, dass meine Stromrechnungen zwischen null und 450 Dollar schwanken. Also ließ ich ihn rein. Die nächsten 15 Minuten drang aus dem Keller angestrengtes Stöhnen – während der stromlose Kühlschrank, der sonst für die muntere Geräuschkulisse sorgt, aufseufzend den Dienst quittierte. Bald darauf packte der Techniker wieder zusammen. Eine Schraube am alten Gerät habe sich festgefressen, sagte er, und geeignetes Werkzeug habe er nicht dabei. Er komme am Montagmorgen wieder.

Im hoch technisierten Amerika lernt man, die Wunder des technischen Fortschritts wieder als das zu begreifen, was sie sind: Wunder.

Der Immbolien-Kompass München

Das gilt nicht nur für das iPhone, mit dem man tatsächlich telefonieren kann, wenn nicht wie meistens der Akku leer ist. Strom, Wasser, Heizung, all das kommt einem bald nicht mehr selbstverständlich vor. Der Staubsauger zum Beispiel ist imposant, laut – und hat Schluckbeschwerden. Er muss regelmäßig aufgeschraubt und mithilfe eines Drahtbügels von dem Schmutzkloß befreit werden, der ihm im Hals hängt. Ähnliches gilt leider auch für die Toilette. Die Waschmaschine arbeitet rasend schnell, neigt aber dazu, Kleidung um eine Größe verkleinert herauszugeben.

Vor ein paar Wochen fiel dann erwartungsgemäß die Heizung aus. An einem Samstag. Der Hausverwalter kam sofort. Hipster-Frisur, schlank, sanfte Stimme, ein reizender Mann, der hilft, wo er kann. Aus dem Archiv der „New York Times“ hatte er mir beim Einzug eine Anleitung herausgesucht, was der Abfallzerkleinerer in der Küchenspüle schluckt und was nicht (Gläser, die einer seiner Mieter hineingeworfen habe). Als die Myrte im Garten von Blattläusen befallen wurde, riet er zu einer Amazon-Bestellung: 1500 lebende Marienkäfer für 5,50 Dollar plus Versandkosten.

„Samstags arbeiten die nie“

An jenem kalten Samstag dann saß Aaron drei Stunden in meiner unbeheizten Wohnung, nahm nicht mal einen Kaffee an, plauderte über Hermann Hesses „Glasperlenspiel“ und mühte sich unentwegt, einen Handwerker herbeizutelefonieren – ein von vornherein vergeblicher Versuch, wie er schließlich eingestand. „Samstags arbeiten die nie.“ Er bot mir an, ins Hotel zu ziehen und ihm die Rechnung zu schicken.

Der Techniker für den Zähleraustausch ist kurz nach seinem Abgang noch mal zurückgekehrt. Nein, einen Akkuschrauber habe er nicht gefunden, aber er wolle noch ein Foto machen. Am Montag habe ich vergeblich auf ihn gewartet.