Voice of AmericaWahlprogramme für die Recyclingtonne

Auf Mülltrennung wird in den USA großen Wert gelegtdpa

Im Frühstücksfernsehen der Provinzhauptstadt Des Moines in Iowa läuft das übliche Programm: Verkehr und Wetter, dazwischen Werbung für Medikamente gegen Krankheiten, von denen man nicht wusste, dass es sie gibt. Dann flitzt ein Zeichentrickmännchen über den Bildschirm, das eine dringende Alltagsfrage löst: In welche Tonne gehören die XXL-Pizzakartons? Antwort: nicht in den Recyclingmüll. Da gehören die Cola-Dosen rein.

Entgegen der landläufigen Meinung in Deutschland sorgen sich viele Amerikaner – anders als ihr Präsident – durchaus wegen des Klimas. Die Waldbrände, Stürme und Überflutungen der jüngeren Zeit dürften dazu beigetragen haben. Im Vorwahlkampf der Demokraten hat sich das Thema Klimawandel weit nach vorn geschoben. Zwar ist Jay Inslee, Gouverneur des Bundesstaats Washington, der sich zum „Klimapräsidenten“ wählen lassen wollte, schnell aus dem Rennen geflogen. An seiner Stelle aber kämpft nun der Milliardär Tom Steyer für zwei Ziele: Trump sowie die Erderwärmung stoppen.

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Der Rest des Feldes versucht, programmatisch und rhetorisch mitzuhalten. Bei keiner Wahlveranstaltung fehlt der Klimaschutz-Appell. Das Publikum klatscht zuverlässig – nicht nur in den liberalen Studentenstädten, auch in den Agrarregionen des Mittleren Westens wie Iowa.

Selbst die Republikaner fühlen sich inzwischen genötigt, zumindest symbolisch Engagement zu beweisen. Im Repräsentantenhaus arbeiten sie an Entwürfen wie dem „Trillion Trees“-Gesetz, das die USA auf eine Erhöhung des C0₂-schluckenden Baumbestands verpflichten würde. Ein Emissionsziel ist dann wohl doch zu ehrgeizig.

Tatsächlich scheinen viele der politischen Initiativen nicht ausgereift, und keiner der Kandidaten sagt den Amerikanern offen, wie gravierend echter Klimaschutz ihren Lebensstil verändern würde. Trump verkauft unterdessen auf seiner Website Plastikstrohhalme (zehn Stück für 15 Dollar), weil „liberale Papierhalme nicht funktionieren“. Viele Städte wie Washington haben die Plastiksauger inzwischen verboten.

Beim Frühstück in Iowa habe ich drei Einwegteller, zwei Becher und ein Sortiment Besteck verbraucht. Die Amerikaner produzieren jede Menge Einwegmüll – um ihn dann säuberlich zu trennen. Kurz nach meinem Einzug in Washington lag eine Ermahnung der Stadtverwaltung im Briefkasten: Ich solle bitte davon absehen, die bunten Plastiktüten, in denen die von mir abonnierten Zeitungen angeliefert werden, in die Recyclingtonne zu werfen. „Sie verstopfen die Maschinen, die die wiederverwertbaren Materialien verarbeiten. Das führt zu Produktionsproblemen, der Schließung von Fabriken und gefährdet die Sicherheit der Mitarbeiter.“ Mülltrennungsnachhilfe für Europäer.

 


Unsere Kollegin Ines Zöttl lebt und arbeitet in Washington. Sie schreibt jeden Monat über Politik und Wirtschaft in den USA. Hier finden Sie weitere Kolumnen aus der Reihe Voice of America