KöpfeStraßenökonom – der Jongleur

Christoph Rummel, 31, freier Jongleur und Showkünstler aus Köln
Christoph Rummel, 31, freier Jongleur und Showkünstler aus Köln. Rummel ist Mitbegründer der Initiative Neuer Zirkus.
© Nathalie Bothur

Natürlich fällt mal was runter. Das geht nicht anders. Wir Jongleure sagen dazu Drop. Ein Drop in sieben Minuten ist in Ordnung, den kann man überspielen. Sieben Minuten ist die klassische Länge einer Nummer im Zirkus oder Varieté.

An den meisten Drops ist der Kopf schuld. Man denkt, es darf jetzt nichts runterfallen, und dann passiert es, platsch. Da geht man am besten mit Mentaltraining ran: Ich stelle mir vor, den Ball zu fangen. Nichts sonst, aber das immer wieder. Man braucht auch Routine, um Fehler zu vermeiden. Schon zu Schulzeiten habe ich zwei bis fünf Stunden am Tag trainiert. Mir war früh klar, dass ich das beruflich machen möchte, aber Schule oder Uni mir dabei nicht helfen. Also habe ich das Gymnasium abgebrochen, um möglichst oft auftreten zu können.

Selbstständiger Jongleur bin ich seit zehn Jahren. Und bevor jemand fragt: Ja, ich kann davon leben! Mittlerweile buchen mich viele Firmen, ich arbeite im Varieté oder auch mal auf Kreuzfahrtschiffen. Ich muss ständig am Ball bleiben und neue Darbietungen entwickeln. Die meisten Leute denken, ein Jongleur setzt sich eine Clownsnase auf und wirbelt Glitzerkeulen durch die Luft. Doch das reicht nicht mehr.

Ich mache seit einigen Jahren auch Comedy und Moderationen. Zum Beispiel erkläre ich mithilfe von Jonglierbällen die Börse – quasi als „Finanzjongleur“. Und ich jongliere mit Leuchtrequisiten. Die kann ich mit dem Computer so programmieren, dass sie die Farbe wechseln und etwas in die Luft schreiben. So eine neue Technik ist aber nicht ohne: Wenn sie versagt, platzt die ganze Nummer. Also bringe ich immer zwei Laptops mit zu einem Event. Wenn einer ausfällt, kann der andere das auffangen.

* Risikomanagement bedeutet die systematische Erkennung, Analyse, Steuerung und Kontrolle von Risiken in einer Unternehmung.

Jonglage-Ticker

Im Jonglieren überschlagen sich gerade die Weltrekorde. +++ Dieses Jahr gelang es dem Engländer Alex Barron, 13 Jonglierbälle in der Luft zu halten. +++ Allerdings nicht lange. +++ Er schaffte 15 Catches. +++ Der US-Amerikaner David Slick jonglierte 2009 mit drei Bällen zwölf Stunden und 15 Minuten am Stück. +++ Gefährlicher war der Weltrekord des Kanadiers Ian Stewart, der 2011 drei laufende Kettensägen 94-mal durch die Luft wirbelte und wieder auffing. +++ Beim 95. Wurf griff er daneben. +++ Ist aber nichts passiert.

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