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Ist Monsanto böse?

, Monika Dunkel, Kathrin Werner, Jan Christoph Wiechmann

Bayer übernimmt Monsanto für 66 Mrd. Dollar. Dabei hat kaum ein Konzern so einen schlechten Ruf wie Monsanto. Warum eigentlich?

Protest gegen Monsanto
Im Mai 2016 wurde weltweit gegen Monsanto protestiert - so auch in der Schweiz - Foto: dpa

Der Mann auf der Bühne schimpfte früher auf Hormonfleisch und Pestizidgemüse, Udo Pollmer, Lebensmittelchemiker und Buchautor, war einer der ärgsten Feinde der Agrarindustrie. Heute aber spricht er in einer Lounge des Berliner Olympiastadions über „Pflanzenschutz: So begegne ich erfolgreich Kritik“. Es ist eine Ode an Pestizide auf dem Acker. Eingeladen hat ihn Monsanto Deutschland zur Veranstaltung „Glyphosat update 3.0“. Eine Roadshow für Kunden, Landwirte und Händler.

„Sie müssen sich wehren“, rät Pollmer den Bauern: „Sonst stehen Sie immer da als die dümmeren, die bösen Bauern, die es nicht ohne Gift schaffen. Sie müssen erklären, warum Sie Glyphosat brauchen, warum Pestizide dafür sorgen, dass wir jeden Tag satt werden. Erst wenn die Umweltministerin 50.000 Mails im Postfach hat, haben Sie eine Chance.“

Im Internet droht man Pollmer für solche Sätze mit dem Tod. Glyphosat und Gentechnik: ein schwieriges Thema in Deutschland. Aber den rund 80 Bauern und Großhändlern spricht Pollmer aus der Seele. Monsanto sowieso. „Wir sind ein idealer Sündenbock“, sagt Monsantos Deutschland-Geschäftsführer Stefan Kocher. Kein Grillabend, ohne dass ihn jemand besorgt fragt, wie böse der Konzern denn nun wirklich sei.

Es ist eine Frage, die das ganze Land umtreibt. Denn der Leverkusener Chemiekonzern Bayer will den US-Konzern übernehmen. Bei einem Angebot von 66 Mrd. Dollar Monsanto-Chef Hugh Grant schließlich eingewilligt. Bayer-Chef Werner Baumann fädelt damit die größte Übernahme der deutschen Geschichte ein. Nur die Kartellbehörden können den Deal noch stoppen. Auf einen Schlag wird Bayer-Monsanto zum weltgrößten Anbieter von Pflanzenschutzmitteln (27 Prozent Marktanteil) und Saatgut (30 Prozent Marktanteil) – und zum wichtigsten Konzern für die Ernährung von sieben Milliarden Menschen.

Bayer-Monsanto-Vergleich

Umweltaktivisten hatten die monatelangen Verhandlungen genutzt, um gegen den „gefährlichen Megadeal“ zu mobilisieren. Denn kein anderer Konzern bringt die NGOs der Welt so auf Trab wie Monsanto. Doch Einwände kommen nicht nur aus der grünen Ecke. Finanzinvestoren warnen vor einem immensen „Reputationsrisiko“ für Bayer. Im Harris Poll, einem Ranking von „America’s Most Loved and Most Hated Companies“, schneidet Monsanto oft verheerend ab. 2016 landete der Konzern auf dem fünftletzten Platz von 100. Die Umfrage gehört zu den renommiertesten Untersuchungen zur Reputation von Unternehmen. Auch Bayers CEO muss sich in Interviews fragen lassen, warum Bayer denn den „bösesten Konzern“ der Welt kaufen will.

An der wirtschaftlichen Bilanz kann Monsantos schlechtes Image nicht liegen. Da war das Unternehmen zuletzt ein Überflieger, wachsende Umsätze, hohe Renditen. Monsanto-Chef Hugh Grant schaffte in den vergangenen fünf Jahren eine operative Marge von 23,8 Prozent im Jahresschnitt und eine Eigenkapitalrendite von 21 Prozent. Davon kann Bayer nur träumen.

Nur größere Sympathien hat der Erfolg dem Konzern nicht beschert. Aber: Wie kommt es eigentlich, dass Monsanto den Part des Bösewichts quasi gepachtet hat? Und hat der Konzern das Image überhaupt verdient?

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Protest gegen Monsanto in Buenos Aires
Auch in Argentinien hat Monsanto einen schlechten Ruf, er soll für Missbildungen bei Babys verantwortlich sein - Foto: Getty Images

Es ist ein kühler Morgen in Ituzaingó, 650 Kilometer nordwestlich von Buenos Aires. Über die Pampa pfeift der Wind, trägt Staub und Herbizide hinüber in das kleine Dorf, wo Sofía Gatica lebt. Ende der 90er-Jahre brachte sie hier eine Tochter zur Welt, die kurz nach der Geburt starb. Anfangs glaubte sie den Ärzten noch, dass die Ursache eine normale Nierenkrankheit gewesen sei. Dann aber nahm sie die anderen Kindersärge im Dorf wahr, die Kinder mit Mundschutz und den Geschwüren auf der Haut. Sie sah sich all die Gensoja-Felder ringsherum genauer an, die Flugzeuge, die sie aus der Luft mit Unkrautvernichtern besprühten, und sie ahnte: Hier stimmt was nicht.

Schon 1996 hat sich Monsanto unbeschränkten Zugang zum argentinischen Markt verschafft – mit einem scheinbar genialen Versprechen: Wir liefern euch ertragreiches, genverändertes Soja und dazu das passende Herbizid, Glyphosat, gegen das unsere Pflanzen resistent sind. Fortan besprühten Großbauern ihre Felder ohne Unterlass aus Flugzeugen und Tanklastern – und strichen tatsächlich hohe Profite ein.

Ituzaingó ist nicht nur eines von unzähligen Sojadörfern in der argentinischen Pampa. Es ist so etwas wie der Ground Zero der Genfood-Industrie. Wissenschaftler und Mediziner haben festgestellt, dass Missbildungen bei Neugeborenen und Krebs hier deutlich häufiger auftreten als anderswo. Und Gatica ist eine Symbolfigur im Kampf gegen Monsanto geworden. In einem Präzedenzfall stützte ein Gericht 2011 ihre These, dass die Herbizide für das Gensoja viel zu nah am Dorf verwendet wurden. Die Kläger hatten die Blutwerte von 114 Kindern mit Spuren von Agrochemikalien präsentiert. Die Angeklagten, ein Sojabauer und ein Giftpilot, wurden zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt. Gatica gründete die Gruppe Mütter von Ituzaingó und machte mobil gegen Monsanto & Co. Den Konzern hat sie nicht vertreiben können – aber wieder blieb etwas hängen am Ruf von Monsanto, der schon vorher nicht der beste war.

Dabei hatte der Konzern ursprünglich mit einem harmlosen Produkt begonnen. 1901 gründete der Pharmaangestellte John Francis Queeny in St. Louis eine kleine Chemiefirma. Den Namen lieh er sich von seiner Frau, Olga Mendez Monsanto. Das Erste, was er auf den Markt brachte, war der künstliche Süßstoff Saccharin – gleich ein Erfolg. Später kamen Desinfektionsmittel und andere Chemikalien dazu, 1956 entwickelte Monsanto ein erstes Pflanzengift. Anfang der 80er-Jahre begannen Forscher, Saatgut gentechnisch zu verbessern, 1994 erteilte die US-Regierung die Zulassung. Monsanto stieß seine Chemiesparte ab, übernahm im großen Stil konkurrierende Saatguthersteller. Der Aufstieg zum weltweit führenden Agrochemiekonzern begann. Sein Geld verdient der Konzern seither vor allem mit gentechnisch veränderter Saat und Pflanzengift.

Monsanto hat Glyphosat erfunden

Monsanto verkauft vor allem ein Versprechen: höhere Produktivität, mehr Ernteertrag. Das Biotechunternehmen entwickelte dafür Sojabohnen, Mais und andere Pflanzen, die das Pflanzengift Glyphosat vertragen. Die Landwirte können sorglos säen. Taucht Unkraut auf, halten sie drauf, denn die im Labor designten Pflanzen überleben die Giftattacke, ihnen ist ein Glyphosat-resistentes Gen eingepflanzt worden.

Doch was Monsanto als Lösung im Kampf gegen den Hunger der Welt verkauft, betrachten Gegner als Eingriff in die Schöpfung und Gefahr für Leib und Leben. In Argentinien stößt der Konzern inzwischen auf großen Widerstand. Die Regierung hat eine Untersuchungskommission einberufen, Wissenschaftler sorgen sich um zerstörte Ökosysteme und Veränderungen am menschlichen Erbgut. Vergangenes Jahr kam die Weltgesundheitsorganisation WHO zu dem Schluss, dass Glyphosat „wahrscheinlich karzinogen“ sei. Andere Untersuchungen fanden dafür keine Beweise, aber Unsicherheit bleibt. Eine Katastrophe fürs Renommee.

Denn Monsanto hat Glyphosat erfunden: Es ist das am häufigsten eingesetzte Herbizid weltweit. Seit 1974 vertreibt der Konzern das Pflanzengift unter dem Markennamen Roundup. Landwirte von Lateinamerika bis Indien spritzen es tonnenweise, auch deutsche Bauern nutzen den Wirkstoff auf rund 30 Prozent der Äcker. Die Deutsche Bahn, einer der Hauptabnehmer im Land, beseitigt damit Unkraut auf den Schienen. Für Monsanto ist das Gift bis heute eine Cashmaschine, 5 Mrd. Dollar Jahresumsatz, 2 Mrd. Dollar Gewinn.

Allein: Fast alle Agrarchemiekonzerne vermarkten Unkrautvernichtungsmittel auf Basis von Glyphosat, seit das Monsanto-Patent im Jahr 2000 ausgelaufen ist. Auch Bayers Agrarsparte Cropscience, die allerdings weniger als 50 Mio. Euro damit umsetzt. Die EU hat im Juni die Zulassung für den Wirkstoff um bis zu 18 Monate verlängert. Danach muss sie erneut entscheiden. Sollte die Zulassung tatsächlich kippen, dann träfe das die gesamte Branche. Vor allem, weil es längst nicht mehr nur um Glyphosat geht, sondern um die Zulassung von Pestiziden überhaupt – und damit um die Systemfrage: Wie soll die Landwirtschaft der Zukunft aussehen? Chemiebasiert oder ökologisch?

Das erklärt zwar, weshalb der Kampf von allen Seiten so emotional geführt wird. Dass dabei aber Monsanto zum Prellbock für eine ganze Industrie wurde und zur Projektionsfläche für alle Ängste, die Verbraucher rund um Lebensmittel plagen – das liegt vor allem an der Vergangenheit des Konzerns. Für Greenpeace ist sie „eine Skandalchronik, atemberaubend und lang“. Das schlechte Image hat, wenn man so will, Tradition bei Monsanto.

Der Konzern produzierte etwa Agent Orange, das Entlaubungsgift, das die USA im Vietnamkrieg einsetzten. Bis heute leidet Vietnam unter den Folgen. Monsanto entschädigte zwar ehemalige US-Soldaten, vietnamesische Opfer aber nicht. Ein US-Gericht wies eine Sammelklage 2005 ab, da der Einsatz von Agent Orange „keine chemische Kriegsführung“ und darum kein Verstoß gegen internationales Recht gewesen sei.

Dann gab es den Skandal um PCB, eine häufig zur Kühlung eingesetzte Flüssigkeit, über die Monsanto schon 1971 wusste, dass die Dioxine darin zu Missbildungen bei Menschen führen können. Aber aus Angst vor Klagen fälschte die Konzernleitung jahrelang Untersuchungsergebnisse. 1977 wurde die PCB-Produktion verboten, es folgten Mammutprozesse gegen Monsanto.

Auch das erste genmodifizierte Produkt von Monsanto, das Rinderwachstumshormon Posilac, eingeführt 1994, brachte heftige Kontroversen. Gedacht, um Kühe zu höheren Milchleistungen zu treiben, führte es bei den Tieren zu Fruchtbarkeitstörungen und Euterentzündungen. Später kam heraus, dass Monsanto für die Zulassung Untersuchungsergebnisse unterdrückt und geschönt sowie einen Mitarbeiter der US-Zulassungsbehörde bestochen hatte. In Europa wurde das Wachstumshormon verboten, weil es im Verdacht stand, Krebs auszulösen.

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„Was wir machen, ist gut“

In 125 Wachstumskammern testet Monsanto den Samen der Zukunft
In 125 Wachstumskammern testet Monsanto den Samen der Zukunft. Die Gewächshäuser haben unterschiedliche Böden, Licht und Klima – ein Abbild der Welt - Foto: Getty Images

Nun lässt sich beispielsweise im Fall von Agent Orange über die Schuld von Monsanto diskutieren, und alleiniger Bösewicht war der Konzern damals mitnichten. Andere US-Chemiefirmen produzierten kräftig mit, in Deutschland half Bayer Monsanto bei der Herstellung.

Doch die Vergangenheit klebt vor allem an Monsanto. „Die Deutschen sehen Monsanto als das Hauptübel des amerikanischen Kapitalismus“, sagt Heike Moldenhauer, Leiterin Gentechnikpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz. Selbst Bayer-CEO Baumann würde den Markennamen Monsanto lieber verschwinden lassen. Danach gefragt, antwortet er in einem Interview sibyllinisch, dass es die „hervorragende Reputation und Strahlkraft der Marke Bayer“ zu nutzen gelte.

Monsanto-Chef Hugh Grant kennt das Gerede um das schlechte Image zur Genüge. Seit Mai 2003 ist der gebürtige Schotte im Amt, er hat sich ein dickes Fell zugelegt. „Was wir machen, ist gut“, sagt er und fordert ungetrübt von der Imagedebatte mehr Geld von Bayer. Das Übernahmegebot sei „bedeutend zu niedrig“. Allein die Forschungsabteilung in Chesterfield, einer Vorstadt von St. Louis, ist Gold wert. Hier arbeiten Hunderte Wissenschaftler in 250 Labors am Hightech-Samen der Zukunft. In 125 sogenannten Wachstumskammern testet Monsanto sie – es ist eine Art Gewächshaus für die Welt. 1,5 Mrd. Dollar gibt die Firma jährlich für Forschung aus, zehn Prozent des Umsatzes. Darauf sind sie hier stolz.

Grant hat allen Grund, selbstbewusst aufzutreten. In seinen 13 Jahren als Monsanto-Chef hat er den Börsenwert von 5,4 auf rund 51 Mrd. Dollar verneunfacht, der Gewinn lag 2015 bei 2,3 Mrd. Dollar. Und dass der Umsatz zuletzt leicht nachgab, wird er sich nicht ankreiden, es ist ein branchenweites Problem: Die Bauern müssen sparen, weil die Lebensmittelpreise gesunken sind. Auf die Produkte von Monsanto bleiben sie trotzdem angewiesen.

Ein Schuss, alles weg

In Missouri, wo das Land weit ist und flach, versteht Chris Porter die Aufregung um Monsanto nicht. Er ist Bauer in dritter Generation, und das mit Leidenschaft. Gerade ist Säzeit für seine Sojabohnen, morgens um halb sieben fährt er mit seinem Traktor raus aufs Feld, manchmal kommt er erst um 21 Uhr nach Hause.

Das Saatgut für seine Sojabohnen kauft der 40-Jährige bei Monsanto. „Ich weiß schon, dass viele Monsanto böse finden“, sagt er, „aber ich war immer zufrieden.“ Auf Monsanto kann er sich verlassen, seit Jahrzehnten schon. Die Fabrik ist nicht weit weg von seinem Hof, er kennt die Leute da. Auf knapp 500 Hektar pflanzt er Soja, auf den restlichen 1000 Hektar stehen Baumwolle, Mais und Reis. Um nicht zu einseitig zu pflanzen, wechselt er die Sorten ab – manchmal baut er auch nicht genverändertes Soja an, sagt er. „Aber das genveränderte ist so viel effizienter, es ist unglaublich.“ Statt drei verschiedener Pflanzenschutzmittel braucht er nur eins, nämlich Monsantos Roundup. „Ein Schuss, und alles ist weg.“ Es tötet das Unkraut, aber verschont seine Saat, genau dafür hat Monsanto sie ja verändert.

„Genfood hat ein schlechtes Image, aber die Leute wollen trotzdem Essen, das perfekt aussieht“, sagt Porter. „Das ergibt doch keinen Sinn, einerseits alles öko zu wollen und andererseits immer nur nach dem Aussehen zu gehen.“

Die Farm ist über die Generationen deutlich gewachsen, sein Großvater hatte nur gut 200 Hektar. „Wir können heute an einem Tag so viel mehr erledigen als früher“, sagt Porter. Bis zu 80 Hektar Soja sät er an einem Tag aus, sein Vater hätte vielleicht die Hälfte geschafft. Natürlich liegt das an der größeren Sämaschine, aber auch an Technik von Monsanto. „Der Boden ist dank der neuen Chemikalien besser vorbereitet“, sagt er. Und er kann die genveränderte Saat auch ausbringen, wenn das Wetter nicht perfekt ist. Früher wäre sie auf dem Feld verrottet, heute hält sie mehr aus. „Ich verstehe einfach nicht, was die Leute gegen Wissenschaft und Fortschritt haben.“ Man solle einfach mal bei ihm zu Besuch kommen, nach einer Woche würde man ihn verstehen, glaubt er.

20 Jahre ist es her, dass die ersten US-Farmer gentechnisch veränderten Samen ausbrachten. Heute wächst in den USA kaum noch eine Mais-, Soja- oder Baumwollpflanze, deren Erbgut nicht im Labor verändert wurde. Mindestens jedes dritte Maiskorn kommt dabei aus den Laboren von Monsanto, bei Sojabohnen sind es etwas weniger. Laut einer Studie des US-Agrarministeriums haben davon vor allem die Landwirte profitiert. Ihre Erträge und Gewinne seien gestiegen, obwohl das Saatgut aus dem Reagenzglas binnen zehn Jahren inflationsbereinigt über 50 Prozent teurer geworden ist.

Die mögliche Monsanto-Übernahme macht Chris Porter auch nur aus einem Grund Angst: Sein Saatgut könnte noch teurer werden. „Seit Jahren schon gehen die Preise immer nur hoch, hoch, hoch“, sagt er. „Und wenn die Konzerne weiter wachsen und der Wettbewerb schrumpft, wird es noch schlimmer.“

Monsanto beherrscht den weltweiten Saatgutmarkt schon jetzt. Ein Riesengeschäft, bei dem 2015 rund 37,3 Mrd. Dollar umgesetzt wurden, gut die Hälfte davon gentechnisch veränderte Samen. Fast ein Drittel davon ging auf das Konto von Monsanto. Bayer Cropscience belegt mit 1,4 Mrd. Dollar den sechsten Platz. Denn auch die Leverkusener entwickeln und verkaufen seit vielen Jahren gentechnisch verändertes Saatgut, 60 Prozent des Umsatzes macht die Bayer-Agrartochter mit dieser Sparte. Dabei arbeitet Bayer Cropscience eng mit Monsanto zusammen. So fügt Bayer die von Monsanto entwickelten genetischen Eigenschaften gegen Gebühr in sein eigenes Saatgut ein und umgekehrt.

Gehen die geplanten Fusionen in der Agrochemiebranche durch, dann bestimmen bald drei Megakonzerne, was auf den Feldern wächst und gesprüht wird. Bereits Ende 2015 haben die US-Konzerne Dow Chemical und DuPont ihren Zusammenschluss gemeldet, Anfang 2016 verkündete der chinesische Mischkonzern Chem China den Kauf des Schweizer Agrochemieunternehmens Syngenta. Und nun noch Bayer-Monsanto. Die ­„Titanic Three“ würden rund 65 Prozent des Pestizid- und Saatgutmarkts kontrollieren. Eine Dominanz, die auch Kartellaufseher alarmiert. Denn Marktbeherrschung verführt zu Missbrauch, Konzerne könnten Preise diktieren und kleinere Wettbewerber niederringen. Gut mag das für den Konzerngewinn sein – für den Ruf wäre es wieder schädlich.

Und wie schnell es mit dem guten Image vorbei sein kann, könnte Bayer das Beispiel eines anderen Unternehmens zeigen. Bei der Umfrage zu „America’s Most Loved and Most Hated Companies“ steht nach der Abgasaffäre plötzlich ein deutscher Konzern auf dem allerletzten Platz: Volkswagen.


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