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Gewinnen statt teilen

, Capital-Redaktion

Die Sharing Economy predigt das Teilen, tatsächlich geht es um Geschäftsinteressen. Das zeigen auch unsere Karten über Airbnb-Ferienwohnungen in vier deutschen Großstädten.

Airbnb © Valerie Schmidt

Die Sharing Economy macht ein schönes Versprechen: Teilen statt haben. Nicht jeder Mensch muss eine Bohrmaschine besitzen oder ein eigenes Auto, es reicht, sich diese Dinge bei Bedarf zu leihen. Und wenn man diese Dinge doch schon besitzt, kann man sie vermieten, und nebenbei ein wenig Geld verdienen. Hunderte Start-Ups haben sich in den letzten Jahren an die Umsetzung dieser Idee gemacht, sie bringen Menschen, die etwas haben, und Menschen, die kurz mal etwas brauchen, zusammen.

Eine schöne, neue Ökonomie, ressourcenschonend und sozial. Allerdings bringt sie auch ganz eigene Probleme mit sich. Capital hat für eine Geschichte über das knallharte Geschäft der Sharing Economy (Capital 08/2014) das Angebot der Ferienwohnungs-Vermittlung Airbnb in einer Studie untersuchen lassen, und erstaunliches festgestellt: Die – teilweise illegale – Umwandlung von regulären Mietwohnungen in gewerblich betriebene Ferienwohnungen ist in deutschen Großstädten weiter fortgeschritten als gedacht.

brisante Zahlen

Airbnb betont zwar gern, dass über die Plattform vor allem Privatleute ihre eigenen vier Wände gelegentlich Touristen zur Verfügung stellen – doch allein in Berlin hat Capital im Angebot von Airbnb fast 6000 Wohnungen gefunden, die dauerhaft und vermutlich gewerblich als Ferienwohnungen angeboten werden. Dem normalen Wohnungsmarkt sind sie damit entzogen. Auch in München, Hamburg und Köln fanden sich bei der Untersuchung jeweils weit mehr als 1000 solcher Wohnungen – die meisten jeweils in den beliebtesten Innenstadtvierteln. Die Zahlen sind brisant, weil gerade in den Großstädten der Wohnungsmarkt als angespannt gilt, Mieten und Kaufpreise sind in den letzten Jahren enorm gestiegen.

Der Geschäftsführer des Berliner Mietvereins, Reiner Wild, greift Airbnb scharf an: „Bei den Plattformen geht es zumeist um lukrative Geschäfte mit Ferienwohnungen, durch die auf angespannten Wohnungsmärkten dringend benötigter Wohnraum für langfristige Mietverhältnisse entzogen wird", so Wild. Er fordert schärfere gesetzliche Regelungen gegen die Umwandlung von Miet- in Ferienwohnungen. „Länder und Kommunen sollten dort, wo Wohnraumschutz noch nicht existiert, verstärkt auf gesetzliche Regelungen zum Verbot der Zweckentfremdung von Wohnraum setzen“, sagt Wild.

Auch der Hauptgeschäftsführer des Hotelverbands Deutschland (IHA), Markus Luthe, attackiert die neue Konkurrenz: „Die Analyse von Capital bestätigt unsere Vermutung, dass das Geschäftsmodell von Airbnb mit idealistischer ‚Sharing Economy‘ wenig gemein hat.“ Die Rede vom Teilen sei „Sozial-Romantik“ und diene „knallhartem Marketing-Kalkül“.

Airbnb selbst sieht das naturgemäß anders:  "Die überwiegende Mehrheit der Airbnb-Gastgeber sind Privatpersonen, die gelegentlich ihr Zuhause mit Gästen aus aller Welt teilen", sagt der deutsche Airbnb-Kommunikationschef Julian Trautwein. "Sie verdienen sich damit ein Taschengeld dazu – nicht selten ist dieses zusätzliche Einkommen wichtig, um für die laufenden Kosten wie Miete und Unterhalt aufzukommen. Airbnb hat keinen negativen Einfluss auf die Verfügbarkeit von Wohnraum oder die Entwicklung der Mietpreise." Trautwein zweifelt die von Capital erhobenen Daten an und spricht von "einem Missverständnis, wie Airbnb funktioniert". 

Die Untersuchung von Capital beruht allerdings ausschließlich auf Daten, die Airbnb auf seiner Website selbst frei zur Verfügung stellt. Eine Übersicht über alle Wohnungsangebote einer Stadt gibt es dort nicht, darum hat Capital sie selbst erstellt. Dazu hat ein Computerprogramm wieder und wieder automatisierte Anfragen an die Website gestellt und Angebote herausgesucht, bei denen komplette Wohnungen (und nicht nur einzelne Zimmer) wieder und wieder als buchbar angezeigt wurden – also praktisch permanent als Ferienwohnung zur Verfügung stehen. Ein klares Indiz dafür, dass es sich eben nicht nur um gelegentliche Untervermietungen handelt.

Die Daten wurden für die Städte Berlin, Hamburg, Köln und München erhoben und in so genannten Heatmaps aufbereitet. Sie sind nach Postleitzahlenbereichen aufgeschlüsselt und zeigen die durchschnittliche Zahl solcher Ferienwohnungen pro Quadratkilometer. In Klammern hinter den Städtenamen jeweils die Gesamtzahl der Wohnungen pro Stadt, die komplett und nahezu permanent gebucht werden können.

Berlin

(insgesamt 5918 Wohnungen gefunden)

Hamburg

(insgesamt 1133 Wohnungen gefunden)

München

(insgesamt 1407  Wohnungen gefunden)

Köln

(insgesamt 1317 Wohnungen gefunden)

Die vollständige Geschichte über Airbnb, den Fahrdienst Uber und das knallharte Geschäft der Sharing Economy finden Sie in Capital 8/2014 (erschienen am 24.7.2014). Hier können Sie sich die iPad-Ausgabe herunterladen. Hier geht es zum Abo-Shop, wenn Sie die Print-Ausgabe bestellen möchten.  


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