Innovativste Unternehmen Veganz: Kerne statt Kühe

Filiale der veganen Supermarktkette Veganz in Berlin
Filiale der veganen Supermarktkette Veganz in Berlin
© IMAGO / Seeliger
Er sieht aus wie ein Camembert und schmeckt wie einer: Der „Cashewbert“ bringt alle Eigenschaften des klassischen Käses mit – bloß dass er aus Cashewkernen statt Kuhmilch gemacht wird. Der Hersteller Veganz gehört zu Deutschlands innovativsten Unternehmen

Das neueste Produkt von Veganz ist ein typisches Beispiel dafür, wie das Berliner Unternehmen Innovationen aufgreift und zur Marktreife bringt. Der Spezialist für vegane Lebensmittel entwickelt sein gesamtes Angebot selbst und greift gerne auf Ideen externer Erfinder zurück. So auch beim Cashewbert, den ein zur veganen Ernährung gekommener IT-Nerd ersonnen hat. Der Käseliebhaber verfolgte über Monate die Produktion des Originals auf einer Schweizer Alm, um zu lernen, mithilfe welcher Bakterienkulturen ein guter Weichkäse gedeiht. Anschließend suchte er für alle tierischen Zutaten möglichst ähnliche pflanzliche Pendants.

Als das Produkt schon weit gediehen war, nahm der Entwickler Kontakt zu Veganz auf. Die letzten drei Jahre der insgesamt achtjährigen Entwicklungszeit haben sie dann gemeinsam bestritten. „Das Geheimnis ist der Prozess“, sagt Jan Bredack, Vorstandschef von Veganz. „Wir wollen begreifen, was ein beliebtes tierisches Produkt ausmacht, und dieses dann pflanzlich möglichst genau nachbilden.“

Anders als große Lebensmittelhersteller betreibt Veganz keine großen Labors und eigenen Entwicklungsabteilungen. Ein Viertel der 50-köpfigen Belegschaft kümmert sich um neue Produkte, das Team muss mit einem sechsstelligen Budget auskommen. Und so greifen Bredack und seine Mitarbeiter gerne auf vielversprechende Ideen zurück, die Tüftler, Startups und Forscher aus der Wissenschaft an sie herantragen. Seit 2015 wurden so bereits rund 470 Artikel entwickelt – von denen sich jedoch, wie in der Branche üblich, nur ein kleiner Teil durchsetzt. Zurzeit hat Veganz rund 120 Produkte im Sortiment, die Supermärkten, Betriebskantinen und sogar Bratwurstständen von Fußballstadien verkauft werden.

Sobald die neue Fabrik fertig gestellt sei, wolle man die eigenen F&E-Aktivitäten deutlich ausweiten, erzählt Bredack. Im brandenburgischen Werder sollen vom dritten Quartal an in einem 11.000 Quadratmeter großem Werk unter anderem vegetarische Varianten von Käse und Lachs produziert werden. Ein Teil der knapp 34 Mio. Euro, die der Börsengang im vergangenen Jahr in die Firmenkasse gespült hat, sollen dazu dienen, die Produktentwicklung zu professionalisieren. „Wir haben lange von der Hand in den Mund gelebt“, sagt Bredeck.

Zwar hat der Chef nach eigenen Angaben mehrere Kaufangebote von Supermarktketten und Lebensmittelkonzernen erhalten. Als Teil eines Großunternehmens, so meint er, hätte er jedoch nicht die nötige Innovationsgeschwindigkeit durchhalten können. „Da wird automatisch alles langsamer und schwieriger.“

Vom Geldsegen profitieren sollen unter anderem Kooperationen mit Hochschulen. So entwickelt Veganz gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin eine Reihe neuer Produkte. Sie bestehen komplett aus pflanzlichen Zutaten, riechen, schmecken und sehen aber aus wie Trockenfleisch.


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