Luftverkehr Lufthansa bremst Erwartungen

Lufthansa-Chef Spohr sieht noch kein Ende der Krise
Lufthansa-Chef Spohr sieht noch kein Ende der Krise
© sepp spiegl / IMAGO
Noch ist kein Neustart im Luftverkehr in Sicht. Nach der verhaltenen Reisewelle im Sommer, richtet sich Lufthansa-Chef Carsten Spohr auf einen „langen, harten Winter“ ein. Seine Branche werde als eine der letzten aus der Pandemie herauskommen

Er war vorzeitig gewarnt: Kurz nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 war Carsten Spohr bei Stefan Oschmann, dem damaligen Chef des Pharmakonzerns Merck eingeladen. In diesem Kreis hätten einige Experten nüchtern kalkuliert, dass der Ausnahmezustand durch den Virus zwei Jahre lang anhalten werde. Daran erinnert sich Spohr an diesem Montagabend bei einem Empfang des sechsköpfigen Vorstandsteams in der Lufthansa-Konzernzentrale in Frankfurt. Es ist einer der ersten Veranstaltungen für viele der rund drei Dutzend Journalisten, die an diesem Abend gekommen sind und auch für die Lufthanseaten, die weiterhin im Homeoffice arbeiten oder noch in Kurzarbeit sind.

Die Krise hält an. Die Lufthansa ist auch nach anderthalb Jahren noch im Ausnahmezustand. Spohr hatte den Prognosen der Pharmaexperten damals nicht glauben wollen. Er räumt, die Fehleinschätzungen ein. „Wir waren eine der ersten Branchen, die von der Pandemie erfasst wurden und wir werden eine der letzten Branchen sein, die da wieder rauskommen“, sagt Spohr mit Hinweis auf die bereits wieder sprudelnden Gewinne vieler Dax-Konzerne. „Wir bereiten uns darauf vor, dass es ein langer, harter Winter wird“.

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Die Sommersaison ist abgeschlossen. Spohr gibt an diesem vorletzten Augustabend einen ersten Ausblick, der trotz aller Ernüchterung nicht zu negativ sein soll: „Ich glaube, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Ich glaube, dass wir positiv Bilanz ziehen können.“ Die Passagierzahlen lagen in der nun abgeschlossenen Sommersaison bei rund 50 Prozent des Vorkrisenniveaus. Das ist für eine Airline eigentlich immer noch zu wenig, um über die Runden zu kommen. Trotzdem habe der Konzern in der Sommersaison einen positiven Cashflow generiert. Da das Jahr mau gestartet war und es sich nicht abzeichnet, dass zum Herbst der erwartete Neustart des Geschäftsreiseverkehrs einsetzt, erwarten die Lufthansa-Manager für das Gesamtjahr ein Passagieraufkommen von rund 40 Prozent des Vorkrisenniveaus in 2019.

Lufthansa weiter auf Sparkurs

Geplant war das anders. Zumindest 90 Prozent des Streckennetzes wurden wieder in Betrieb genommen. 280 der ursprünglich gut 300 Ziele werden von den Konzernmarken Lufthansa, Swiss, Austrian oder Brussels Airlines wieder angeboten. Dennoch sind viele Maschinen nicht gut ausgelastet. Insbesondere der wichtige US-Markt ist durch die einseitigen Reiserestriktionen der Amerikaner weiterhin für die meisten Europäer blockiert. Er traue sich aktuell keine Prognose mehr zu, sagt Spohr. Ursprünglich sei er davon ausgegangen, dass spätestens Ende September geimpfte Europäer wieder in die USA einreisen könnten. China werde voraussichtlich nicht vor dem zweiten Quartal nächsten Jahres aufmachen, schätzt Spohr nun.

Der Lufthansa-Chef hat eine Ausnahmegenehmigung bekommen und wird in zwei Wochen zu Gesprächen mit Branchenvertretern nach Chicago fliegen. „Ich freue mich darauf – auch in der First Class zu sitzen. Das habe ich auch vermisst“, so Spohr.

Den Konzern hält der Vorstand weiter auf Sparkurs: Vor allem bei Kosten für Personal und Flotte wird gekürzt, für Unternehmensbereiche wie Lufthansa Technik werden Verkaufsoptionen ausgelotet. Aber es könne auch nicht allein um die Rettung der Lufthansa gehen, betont Spohr. Er wolle die Krise nicht irgendwie überleben, sondern die Lufthansa solle wieder als eine der Top 5 Airlines der Welt dastehen. Das habe er auch der Bundesregierung gesagt. Die hat ein gewichtiges Wort dabei mitzureden, seit der Staat die Lufthansa vor gut einem Jahr mit einem Milliarden-Rettungspaket vor der Insolvenz bewahrte und mit einem Anteil von 20 Prozent bei Fluggesellschaft eingestiegen war.

Es sei eine große Erleichterung gewesen, dass der Staat vor zwei Wochen den ersten Schritt zum Ausstieg unternommen habe, sagt Spohr, der sich damit erstmals zu dem Anteilsverkauf äußerte. Die Bundesregierung hat angekündigt, dass sie fünf Prozent ihres Aktienpakets verkaufen werde. Offen bleibt nach wie vor, was das für die geplante Kapitalerhöhung heißt, mit der Lufthansa sich so schnell wie möglich aus den Verpflichtungen gegenüber dem Staat befreien möchte.

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