Kommentar Lufthansa – bitte nicht einsteigen!

Lufthansa Aviation Center in Frankfurt
Lufthansa Aviation Center in Frankfurt
© Marcel Lorenz / IMAGO
Der Bund wirft Lufthansa-Aktien auf den Markt. Das ist vernünftig. Auf absehbare Zeit scheint das Potential für einen Kursanstieg gering. Damit schwindet auch die Chance für eine erfolgreiche Kapitalerhöhung

Die Bundesregierung fällt nicht allzu oft durch smarte Finanztransaktionen auf. Anfang dieser Woche hat sie aber einen echten Coup gelandet: Knapp 14 Monate nach dem der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) die strauchelnde Lufthansa mit Milliarden an Staatshilfen gestützt und als Ankeraktionär eingestiegen war, wirft er die ersten Aktien wieder auf den Markt .


Lufthansa Aktie


Lufthansa Aktie Chart
Kursanbieter: L&S RT

Warum jetzt, wo der Aktienkurs seit Wochen abschmilzt? Weil der Staat selbst zu einem Preis von mickrigen 9 Euro noch einen guten Schnitt macht: Bekommen hatte er die Anteile zum Schnäppchenpreis von 2,65 Euro. Somit hat das 20-Prozent-Paket damals nur rund 300 Mio. Euro gekostet. Nun hat der WSF ein Paket von bis zu fünf Prozent ins Schaufenster gestellt, das zuletzt rund 270 Mio. Euro wert war.

Damit ist die Bundesregierung auf der sicheren Seite. Kanzlerkandidat und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) kann behaupten, dass sich die umstrittenen Staatshilfen rentieren: Die Lufthansa ist vor der Insolvenz gerettet worden, gut 100.000 Arbeitsplätze sind trotz Sanierungsmaßnahmen erhalten geblieben und der Staat macht dabei noch Kasse. Das zum günstigen Nominalpreis erworbene Aktienpaket wird mit Aufschlag verkauft und die Milliarden an Staatshilfen muss der Konzern ohnehin mit einem kontinuierlich steigenden Zinssatz zurückzahlen.

Die Lufthansa dringt auf eine Kapitalerhöhung

Das Lufthansa-Management schweigt zu dem Vorstoß der Bundesregierung. Bislang haben Konzernchef Carsten Spohr und seine Mitstreiter äußerst selbstbewusst mit der Bundesregierung gerungen, um den staatlichen Einfluss und die Auflagen für die Staatshilfen so schnell wie möglich wieder abzuschütteln. Die Lufthanseaten und ihre Finanzberater waren es auch, die auf eine Kapitalerhöhung gedrungen haben, mit der sie noch vor der Bundestagswahl Milliarden am Markt einsammeln wollten, um die Staatshilfen zurückzuzahlen.

Eine Kapitalerhöhung traf in den beteiligten Bundesministerien für Wirtschaft und Finanzen nicht auf ungeteilte Zustimmung, wie es in gutinformierten Kreisen heißt. Das sei eine Entscheidung des Lufthansa-Managements gewesen, dem sich die Vertreter des Bundes auf der Hauptversammlung zwar nicht entgegengestellt haben, an der es aber zuletzt auch zunehmend Zweifel gegeben habe, ob sie überhaupt erfolgreich im Markt zu platzieren sei. Theoretisch könnte der Bund eine Kapitalerhöhung mittragen, indem er den Erlös aus dem Aktienverkauf gleich wieder in neue Lufthansa-Aktien reinvestiert. So wird es jetzt von vielen Beobachtern erwartet.

Richtig wäre das nicht. Warum soll der Staat weiter in Lufthansa investieren oder ansonsten seine Anteile verwässern lassen? Und aus welchem Grund sollten Anleger jetzt die volatile Aktie des MDax-Konzerns kaufen, wo sich so schnell keine nachhaltige Erholung für den Flugverkehr abzeichnet und weitere Belastungen durch steigende Umweltauflagen für die Branche drohen?

Das Risiko muss die Lufthansa alleine tragen und weiterhin andere Finanzierungsquellen anzapfen. Das hat sie in den vergangenen Monaten mit zwei neuen Anleihen schon erfolgreich bewiesen. Und da das Management den Bedarf an frischen Geldern ohnehin schon von ursprünglich 5 auf 2 Mrd. Euro zusammengestutzt hat, wird das mit einem hübschen Zinsversprechen wahrscheinlich auch wieder über eine Anleihe einzusammeln sein. Bestimmt sogar noch vor der Bundestagswahl.

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