Interview„Armin Laschet hinterlässt keine verbrannte Erde“

In den Umfragen um die Kanzlerkandidatur liegt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zurück, unter den Unternehmern in seinem Bundesland genießt der CDU-Chef allerdings hohes Ansehen
In den Umfragen um die Kanzlerkandidatur liegt NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zurück, unter den Unternehmern in seinem Bundesland genießt er aber hohes AnsehenIMAGO / Sven Simon


Gerd Kerkhoff ist Gründer und Geschäftsführer von Kerkhoff Consulting, einem auf den Einkauf und Supply-Chain-Management spezialisierten Beratungsunternehmen, das zu den „Hidden Champions“ in dem Segment zählt.


CAPITAL: Herr Kerkhoff, Sie haben als Berater mit Sitz in Düsseldorf viele Kontakte zu Unternehmen – wie haben Sie Armin Laschet wahrgenommen?

GERD KERKHOFF: Anfangs gab es in der Wirtschaft große Zweifel, ob Armin Laschet der richtige „Landesvater“ für ein doch so herausforderndes Bundesland sei: zu unspektakulär, zu angepasst, zu wenig charismatisch. Was wird er wirklich verändern? Auch bei der Wahl zum Bundesvorsitzenden der CDU sah er lange Zeit wie der zweite Sieger aus. Die Wirtschaftskompetenz seines Kontrahenten schien alles zu überstrahlen, aber Armin Laschet ging seinen Weg. Mittlerweile hat er die Mehrzahl der Unternehmenslenker erreicht. Warum? Er hört zu, ist an den Themen ernsthaft interessiert und geht sie lösungsorientiert an! Zudem versteht er es, trotz unterschiedlicher Meinungen ein Wohlfühlgefühl für alle Beteiligten zu entwickeln, welches den Kompromiss leichter macht.

Gerd Kerkhoff

Innerhalb von vier Wochen stand die Regierung mit der FDP mit einer Einstimmenmehrheit. Seitdem arbeitet die Regierung ohne größere Querelen, was sicherlich seinem Führungsstil zuzuschreiben ist. Seine Themen entsprechen dem Zeitgeist: Bürokratieabbau, Digitalisierung, Ausbau der Wasserstoffwirtschaft, hin zu einer grüneren Energieversorgung der Grundstoff- oder Stahlindustrie.

Ist er jemand, der mit Unternehmen das Gespräch sucht?

Herr Laschet genießt unzweifelhaft einen guten Ruf. Er fokussiert den Strukturwandel in Richtung Digitalisierung und Klimaschutz, aber er betont immer „Maß und Mitte“. Da er Kollateralschäden durch eine zu aggressive Veränderung vermeiden will, vertrauen ihm viele Unternehmer. Interessant ist in diesem Zusammenhang das geplante „Belastungsmoratorium“ für die Wirtschaft. Damit verfolgt er das Ziel, die Wirtschaft zu entfesseln und zu entlasten vom stetigen Ausbau des Sozialstaates, von Bürokratie und den zunehmenden energiepolitischen Vorgaben. Das kommt natürlich gut an und zeigt sein Verständnis, dass der Staat nur mit einer prosperierenden Wirtschaft funktioniert. So war er auch einer der ersten Ministerpräsidenten, der die Debatte über das verantwortungsvolle Wiederhochfahren der Wirtschaft während Corona eröffnete. Laschet hat zudem auf Grenzschließungen zu Belgien und den Niederlanden verzichtet, um den grenzüberschreitenden Handel zu schützen.

Nordrhein-Westfalen ähnelt ja mit vielen Problemen der Bundesrepublik, etwa bei der Digitalisierung von Verwaltung und Wirtschaft, Glasfaserausbau, Bildung – bis hin zur ökologischen Transformation. Wie nehmen Sie die Rolle Armin Laschets wahr?

Es ist interessant zu beobachten, dass Herr Laschet keine verbrannte Erde hinterlässt, sondern es schafft, in konfliktreichen Ausgangssituationen einen Konsens zu erreichen und sich gleichzeitig Respekt für seine Lösung bei seinen Gesprächspartnern zu erarbeiten. Sein Image ist es, anzupacken und eine Lösung zu suchen.

Ihr Gesamteindruck von Armin Laschet – bringt er, trotz der aktuellen Querelen, die Eigenschaften als Kanzler mit?

Armin Laschet hat in NRW bewiesen, dass er eine Regierung führen kann. Die Herausforderung wird sein, die deutsche Wirtschaft nach Corona mit neuen Impulsen zu versehen. Er kennt die wichtigen Themen und arbeitet daran. Wenn auch die bundesdeutsche Komplexität eine wesentlich höhere ist, ist es ihm zuzutrauen, diese Themen im gesellschaftlichen Konsens zu lösen.