Kommentar Armin Laschet, Insolvenzverwalter in eigener Sache

CDU-Chef Armin Laschet
CDU-Chef Armin Laschet
© ASSOCIATED PRESS | Markus Schreiber / Picture Alliance
Armin Laschets Kampf um ein würdevolles Ende seiner Machtambitionen ist in eine neue Phase getreten: Der CDU-Chef glaubt weiter an Jamaika und will gleichzeitig den Weg zur Erneuerung der Partei moderieren. An dessen Ende aber kann nur sein Rückzug stehen

Es ist ein merkwürdiger Auftritt von Armin Laschet an diesem Donnerstagabend im Konrad-Adenauer-Haus, und schon deshalb wird er in die Geschichte eingehen. Wahrscheinlich hat der Kanzlerkandidat der Union gerade sein Ende als CDU-Chef besiegelt und dabei doch ein erstaunliches rhetorisches Kunststück vollbracht: Es ist ein Rücktritt, ohne ihn als Rücktritt zu benennen. Und weil das so ist, ist es nur ein Rückzug. Vielleicht. Und auf Raten. Aber noch nicht sofort.

Es ist ein Angebot. Aber an wen?

Wahrscheinlich ist es ein Angebot an alle die, die Politik so begreifen mögen, wie Armin Laschet das tut. Das Problem: Es gibt nicht mehr so viele davon in seiner Partei. Und in der Schwesterpartei CSU gibt es die erst recht nicht.

Man hatte gedacht, Armin Laschet würde nun kräftig an der Reißleine ziehen. Gerade noch rechtzeitig für den Menschen Armin Laschet, um einen zunehmend verzweifelten und am Schluss nur noch grotesken anmutenden Kampf um die Macht zu beenden, der ihm womöglich seelische Schäden verursachen wird. Wer weiß das schon.

„Politische Vernichtung“ statt Ende aus Selbstschutz

Erwartet worden war ein Ende aus Selbstschutz. Gewissermaßen ein überfälliger Akt der Selbstachtung. Die Flucht vor all der Häme, der Verständnislosigkeit, der kaum verhehlten Nachfolgediskussionen hinter seinem Rücken und über seinen Kopf hinweg. Ja, und auch der Flucht vor seinem Rivalen Markus Söder, der ihm in den vergangenen Monaten bei seinem Ziel, Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden, Steine in den Weg gelegt hat, wo er nur konnte.

Man hatte gedacht, Laschet zolle nun den Tribut für einen beispiellosen Autoritätsverlust, den er in diesen trüben Tagen doch auch bei sich selbst beobachtet haben müsste. Wohlmeinende Parteifreunde wie Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Karl Josef Laumann hatten von der „politischen Vernichtung eines Menschen“ gesprochen. Die „politische Vernichtung eines Menschen“ – das ist ein drastisches Verdikt. Übertrieben ist es nicht.

Der Krampf geht weiter

Doch Laschet bastelt an seinem Rückzug auf Raten, als wenn er dazu den Sinatra-Song „My Way“ als Leitmelodie in Dauerschleife m Ohr hätte. Er hält eine Jamaika-Koalition weiterhin für möglich, hält sie sogar für ein ambitioniertes, für ein fortschrittliches Projekt. Er will die Tür nicht zuschlagen, die Markus Söder schon geräuschvoll zugeknallt hat. Und Laschet will, sozusagen bei laufendem Motor, das verheerende Wahlergebnis für die Union aufarbeiten und der CDU eine Rundumerneuerung angedeihen lassen. Der CDU-Chef, will, gleichsam als letzter Dienst an seine Partei, einen neuen Weg beschreiten, um diese Erneuerung anders ablaufen zu lassen, als all die gescheiterten Versuche, die nach dem Rückzug Angela Merkels als CDU-Chefin zu besichtigen waren. Laschet hat für sich dabei die Rolle vorgesehen, die er am besten beherrscht: Er will Moderator sein.

Es ist ein ambitioniertes Projekt. Laschet wird dabei auftreten müssen wie ein Insolvenzverwalter in eigener Sache. Das ist schon grotesk genug. Ob das Projekt gelingt, ist deshalb gar nicht mal die wichtigste Frage. Die wichtigste Frage ist, ob man ihn überhaupt noch lässt. Prognose: Der Krampf geht weiter.

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